Aruba, Bonaire und Curaçao Alphabet unter Palmen

Wo sind sie eigentlich die ABC-Inseln? Was lässt sich mit ihnen verbinden? Das Blau der Karibik? Oder das Blau von Blue Curaçao? Egal, das eine hat mit dem anderen zu tun.

Von Daniela Spannagel


Denn der fast türkisblaue Likör hat die Karibikinsel Curaçao in den achtziger Jahren ins Bewusstsein der Europäer gebracht. Mit Hilfe des synthetisch produzierten Blue Curaçao und einem Schuss Orangensaft sollte auch im verregneten Deutschland karibische Atmosphäre entstehen. Künstlich eben. Vor Ort sieht das ganz anders aus.

Faszinierende Unterwasserwelt: Für Schnorchler und Taucher bietet der „Curaçao Onderwaterpark“ markierte Routen
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Curaçao, die letzte Insel im ABC-Inselalphabet, ist die mittlere der Niederländischen Antillen: Zusammen mit Aruba und Bonaire liegt das 444 Quadratkilometer große Eiland weniger als 100 Kilometer nördlich der venezoelanischen Küste.

Klein-Amsterdam, wie die Einwohner von Curaçao ihre Hauptstadt Willemstad gerne nennen, wird durch einen breiten Kanal geteilt: Das rechte Altstadtviertel ist Flaniermeile. Die ersten Häuser wurden nach holländischem Muster Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut: schmal, mit spitzen und glockenförmigen Giebeln. Dazu kommen jede Menge Cafés, die an der Hafeneinfahrt mit ihren dicken gepolsterten Sesseln, dem rustikalen Interieur und den Heineken-Plaketten auf Touristen warten.

Oasen der Einsamkeit: Curaçao bietet Schwimmern und Schnorchlern gut zwei dutzend Badebuchten
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Die vom Meer aus gesehen linke Altstadtseite ist authentischer, karibischer. Die Stilrichtungen der Häuser in Otrabanda reichen vom Barock bis zum Klassizismus, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, dazwischen leuchten die bunt gestrichenen karibischen Hütten. Die Menschen stehen vor ihren Häusern, diskutieren lautstark, eine Mutter stillt an eine Hauswand gelehnt ihr Baby, Kinder spielen auf der Straße. Ein alter Mann mit Zigarre humpelt über den schmalen Gehweg und hebt alle fünf Meter den Stock zum Gruß.

Der Großteil der Bevölkerung auf Curaçao ist schwarz. Während des unrühmlichen Teils ihrer Geschichte haben die Holländer die Insel zum Umschlagplatz für den Sklavenhandel gemacht. Von der halben Million Sklaven, die die Insel passierten, mussten viele als Arbeiter in der Landwirtschaft bleiben.

Goldene Kuppel und pinkfarbene Fassaden: In Oranjestad, der Hauptstadt von Aruba, leuchten die Fassaden
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Zwar hatten die Inseln für die Holländer strategische Bedeutung, fehlende Bodenschätze ließen sie aber als weitgehend als unnütz, als "inutil" erscheinen. Erst die Idee, mit kilometerlangen feinen Sandstränden Touristen auf die Insel zu locken, hat Aruba auf die karibische Umsatzhitliste gebracht: 600.000 Touristen kommen jedes Jahr, eine schnelle Mark auch für Scoby.

Dünn und durchtrainiert, den schwarzen Körper leicht nach vorne gebeugt, ist er immer in Bewegung. Er absorbiert Sonne und er absorbiert Blicke. Die Baseballkappe umgedreht auf dem Kopf, läuft er durch die Reihen von Liegestühlen, klatscht die Hände vor und hinter sich zusammen und erzählt laut, was ihm gerade durch den Kopf schießt.

Am liebsten beginnt er seine Philosophie mit "do you guys know...". Sein heutiger Rat lautet: "Habt keine Angst vor dem Regen", denn am Himmel kündigt sich - ungewöhnlich für die Karibik - der nächste kleine Guss an.

Zeugnisse der Vergangenheit: Auf Bonaire wurden einige der alten Sklavenhütten restauriert
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Seit zehn Jahren ist Scoby zwischen den Sonnenanbetern unterwegs und verkauft - immer einen flotten Spruch auf den Lippen - hier und da eine Segel- oder Motorboottour. Einen Amerikaner an der Strandbar warnt der 26-Jährige: "Vorsicht, halte Deine Frau gut fest, wir Arubaner sind nämlich verrückt nach Frauen."

Ortswechsel: Der Ruhepool unter den ABC-Inseln ist Bonaire - Divers-Paradise, wie auf den Autokennzeichen zu lesen ist. Für die A und C-Antillen ist Bonaire mit seinen 288 Quadratkilometern nur der kleine Bruder. Die Bewohner gelten als die Ostfriesen der Antillen. Aber Bonaire trumpft auf mit seinen Nationalparks - zu Land und zu Wasser: Ursprünglich und wild, trocken und zerklüftet ist das von Kakteen übersäte Hinterland der Insel. Die Äste der bizarren Divi-Divi-Bäume biegen sich mit der Hauptwindrichtung auf Bonaire, dem Nordostpassat.

Frische Früchte: Direkt am Wasser finden sich auf Bonaire Obstmärkte
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Dazwischen tut sich eine imposante Tierwelt auf: Eidechsen flitzen in Kolonien um die Schuhe der Touristen. Und Flamingos lassen sich in Salzlagunen bewundern, bevor die Männchen am Abend zur täglichen Futtersuche nach Venezuela aufbrechen.

Bunter als das Hinterland zeigt sich die Unterwasserwelt der Insel. Mit seinen lang gezogenen unzerstörten Korallenriffs, gehört Bonaire zu den beliebtesten Tauchspots der Erde. Baracudas, Soldaten- und Trompetenfische, Schwämme und Muränen schwimmen dem Taucher direkt vor die Brille.

Genug Abwechslung, genug zu tun, um sich am Abend einen Curaçao zu gönnen. Denn den echten Curaçao gibt es nur auf den ABC-Inseln. Dass es das blaue Gesöff überhaupt geschafft hat, die Insel weltweit bekannt zu machen, hat Curaçao den Spaniern zu verdanken. Die brachten aus Valencia Orangen mit in die Karibik, wilderten sie aus und legten den Grundstock für die Likör-Produktion: Aus getrockneten Orangenschalen wird bereits seit über 150 Jahren der echte Curaçao gewonnen. Der ist garantiert nicht synthetisch und schmeckt natürlich dann am besten, wenn das Meer vor der Bar ebenfalls Türkisblau schimmert.



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