Aspen in Colorado Sankt Moritz Amerikas

Der Schnee in Aspen ist anders: Auf dem - dank der umliegenden Wüsten - extrem trockenen "Champagnerschnee" fährt es sich wie auf Watte. Pisten wie "Widowmaker" und Promis wie Harrison Ford tun ein Übriges, um die ehemalige Silberminenstadt zu einem Eldorado für Skifahrer zu machen und zum Sankt Moritz Amerikas.


Von "Never come back" bis "Apple Strudel": Wintersportler jeder Könnensstufe finden die passende Piste in Aspen
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Von "Never come back" bis "Apple Strudel": Wintersportler jeder Könnensstufe finden die passende Piste in Aspen

Aspen - Aspen macht atemlos - nicht nur, weil der berühmte Skiort im US-Bundesstaat Colorado in rund 2400 Meter Höhe liegt. Der Ausblick auf die umliegenden Viertausender ist atemberaubend, und auf den endlosen Abfahrten in die Täler kann einem schon einmal die Puste ausgehen. Und dann bleibt dem Fan noch die Luft weg, weil Harrison Ford in gekonntem Schwung die Bahn kreuzt. Wahlweise auch Jack Nicholson, Kevin Costner oder Goldie Hawn.

Die Lage Aspens inmitten des Kontinents bringt "trockenen" Schnee mit sich. Beim Autofahren sind Scheibenwischer nicht nötig, die Flöckchen stieben wie Federn im Fahrtwind davon. Der Feuchtigkeit spendende Pazifik ist rund 1500 Kilometer entfernt, und die umliegenden Wüsten und Salzseen entwässern die Luft ebenfalls. So legen sich die kalten Kristalle wie weißes Puder über die Landschaft. Es fährt sich darauf wie auf Watte. Die Pisten werden erst nach langer Zeit ohne Neuschnee härter. Champagnerschnee nennen die Einheimischen ihr weißes Gold stolz.

Auf der Suche nach einem Stetson-Hut: In Aspen finden kauffreudige Winterurlauber nicht nur Cowboy-Utensilien, sondern auch exklusive Mode
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Die Saison in Aspen beginnt Ende November und endet Anfang April. Entworfen am Reißbrett, bietet die Region für jeden Skifahrer etwas. Aspen hat vier Skigebiete, die mit kostenlosen Shuttlebussen verbunden sind: das elegante Aspen Mountain, die Anfängerregion Buttermilk, das Familiengebiet Snowmass und das anspruchsvolle Aspen Highlands mit den schwierigsten Abfahrten Colorados. Die Pisten dort tragen Namen, die den Schwierigkeitsgrad erahnen lassen: Anfänger sollten die "Never come back"-Abfahrt meiden oder die "Widowmaker". "Last return" lässt ebenfalls Böses ahnen. Dann doch lieber den "Apple Strudel" hinunter oder die "Park Avenue", das klingt schön gemütlich und ist es auch.

Ambassadors zeigen den Gästen den Weg

Wer den vermeintlich leichten blauen Pisten folgt, kann eine böse Überraschung erleben. Denn diese entsprechen den europäischen mittelschweren roten Abfahrten. Wenigstens sind die schwierigen schwarzen Pisten in den USA ebenfalls schwarz gekennzeichnet - mit der Steigerung "Double Black" oder "Diamonds". Auf Letztere sollten nur erfahrene Skiläufer einschwenken. Leichte Pisten sind in den USA grün markiert. Kostenlos zeigen so genannte Ambassadors, zu Deutsch Botschafter, den Gästen ihren Berg. Ein Skilehrer macht das natürlich auch. Aber der ist ohne Vorbuchung aus Deutschland kaum zu bezahlen - die Preise liegen umgerechnet zwischen 430 und 600 Euro pro Tag.

Après-Ski-Vergnügen: In Aspen gibt es rund hundert Bars und Restaurants
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Wer beim Skilaufen braun werden möchte, für den ist Aspen ein Muss. Hier stehen nicht nur etliche der insgesamt 24 Viertausender von Colorado, es scheint auch noch 300 Tage im Jahr die Sonne. Schnee fällt ab Ende November und meistens nachts - und zwar im Schnitt gut sieben Meter pro Jahr. Zwischen null und zehn Grad Celsius minus liegen die Temperaturen in der Saison. In der trockenen Luft fühlt sich das schon fast lau an. Auch schon morgens um 8 Uhr, wenn die Gondeln die Frühaufsteher zum "First Track", der Abfahrt im jungfräulichen Puderschnee bringen.

Auch Fans von waldgesäumten Abfahrten kommen auf ihre Kosten, denn die Baumgrenze ist in Colorado mit über 3000 Metern deutlich höher als in den Alpen. Durch den Schattenwurf der Bäume ist die Sicht auf der Piste auch bei nebeligem Wetter immer noch gut. Und mitunter bergen sie eine Überraschung: In ihrem Schutz haben Fans gut ein Dutzend Schreine in Gedenken an ihre Stars errichtet - für Marilyn Monroe etwa oder für Jimmy Hendrix. Und es gibt natürlich einen für den Lokalhelden John Denver.

Im Serviceland USA gibt es keine Liftschlangen

Auf den Pisten rund um Aspen sollte gesittet gefahren werden. Patrouillen sprechen Rowdys Verwarnungen aus und ziehen auch den Skipass ein, wenn nötig. Denn nicht jeder fährt mit Helm und Brustschutz wie Antonio Banderas, dessen Versicherung auf die Schutzmaßnahmen besteht. Wenn dennoch etwas passiert, kommt der Ort für die Kosten auf.

Aspen liegt im Innern der USA: Das Kontinentalklima von Colorado beschert dem "St. Moritz Amerikas" im Winter eine feine und vor allem trockene weiße Pracht
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Dass die USA das Serviceland Nummer eins sind, merkt der Besucher auch in Aspen: Schlangen am Lift gibt es keine, und die sperrigen Skier werden dem Gast vielerorts für den Weg zum Bus oder zum Lift abgenommen. Wer am nächsten Tag woanders fahren will, kann seine Ski für wenige Dollar abends in das nächste Skigebiet transportieren lassen. Am Rande der Pisten werden kostenlos heißer Apfelsaft, Kekse und Mineralwasser gereicht. Dafür ist der Skipass aber auch recht teuer: Umgerechnet rund 50 Euro kostet ein Tagesticket. Wer schon in Deutschland bucht, bekommt es um die Hälfte billiger.

Auch wenn nach einem anstrengenden Tag im Schnee das Bett lockt - wer in Aspen zu früh ins Bett geht, verpasst etwas, zum Beispiel beim Shopping. Die Geschäfte führen europäische und US-Luxusmarken, aber auch Klamotten im Westernstil. Selbst wenn der Stetson mit den Perlenbändern wahrscheinlich zu Hause nur noch als Deko dienen wird, in Aspen wird er noch stolz getragen - sogar auf der Skipiste.

Nur etwa 1000 von 1,3 Millionen Gästen kommen aus Deutschland

Zum Après Ski geht "man" in Aspen entweder in die Westernbars der Cooper Street oder in die noblen Hotels der Stadt. Einige davon haben einen großen Namen, wie etwa das glamouröse "Little Nell" oder das altehrwürdige "Jerome". Auch wenn Aspen nur 6000 Einwohner hat, die Zahl der Lokale ist mit rund 100 für die rund 1,3 Millionen Snowboard- und Skigäste pro Jahr ausgelegt. Nur etwa tausend davon kommen aus Deutschland. Wer es rustikal mag, dem sei die Westernbar "Red Onion" empfohlen, wo man nach einem mächtigen Hamburger und Bier eine Runde Billard spielen kann. Wer schon vor der Talfahrt Hunger bekommt, dem sei "Cloud 9" in Aspen Highlands empfohlen. Der österreichische Wirt Andreas Fischbacher serviert in der Hütte Wild und Raclette am offenen Feuer.

Wer unten in Aspen ein wenig tiefer in die Tasche greifen möchte, sollte das Lokal eines Landsmann besuchen: Das "Elevation" von Gunnar Sachs junior zieht seit drei Jahren Sternchen und Stars an. Selbst Mick Jagger aß hier schon. Zum Nachtisch lockt die "Rocky Mountain Chocolate Factory", wo Liebesäpfel mit Karamellguss überzogen und wahlweise mit Pecanüssen, Liebesperlen oder Gummibärchen dekoriert werden. Und schon fällt das Atmen wieder schwer, diesmal, weil der Magen so viel Platz braucht.

Nacht in Aspen: Außer Puderschnee locken Shopping, Westernbars und noble Hotels
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Aspen erlebt heute seine zweite Blüte. Kurz nach dem Silbercrash im Jahr 1893 war Aspen zu einem Dorf mit 250 Einwohnern geschrumpft. In den dreißiger Jahren wurden dann die ersten Abfahrten eingerichtet und der erste Skiclub gegründet. Als sich in den vierziger Jahren dann noch ein reicher Mäzen aus Chicago fand, ging es bergauf. Skilehrer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich kamen und blieben. Darunter war auch Klaus Obermeyer, heute der "Willy Bogner" Amerikas.

Der inzwischen 83-Jährige kam aus Oberstaufen in Bayern nach Colorado. Er begründete seine Firma, in dem er aus der Daunendecke, mit der ihn seine Mutter fürsorglich ausgestattet hatte, die erste gesteppte Skijacke nähte. Inzwischen fertigen mehr als tausend Angestellte für ihn Skibekleidung, der Hauptsitz seiner Firma ist immer noch in Aspen. Und wenn Obermeyer nicht in den "Wienerstuben" mit der Bedienung flirtet, fährt er immer noch in Rennfahrermanier die Pisten herunter - kein bisschen atemlos.

Von Hilke Segbers, gms



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