Australiens schönste Strände Nur du und ein Känguru

Glück bedeutet für ihn Sand und Salzwasser: Brad Farmer ist Australiens offizieller Strandbotschafter und hat die besten 20 aus den fast 12.000 Stränden des Landes gekürt. Eine Wahl, die nicht allen gefällt.

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Ein Interview von


  • Brad Farmer
    Brad Farmer, Ende 50, wuchs an der Gold Coast in Queensland auf und schrieb 1985 Australiens ersten Surfspot-Guide. Er ist neben Andrew Short Autor des Buchs "101 Best Beaches" über Australiens Strände. Die beiden kürten die besten 20 aus den etwa 12.000 Stränden des Landes (auf dem Festland und den 30 größten Inseln) für 2018/2019. Farmer ist Australiens offizieller "Global Beach Ambassador".
  • 101 Best Beaches

SPIEGEL ONLINE: Herr Farmer, Sie sagen, dass Sie alle 11.761 Strände Australiens besucht haben. Wirklich?

Brad Farmer: Ja, ich und Andy Short, der Co-Autor unseres Buchs "101 Best Beaches" und außerdem mein Surf-Buddy ist, haben nicht nur jeden einzelnen Strand auf dem Festland und den 30 größten Inseln besucht, sondern auch gründlich überprüft. Andy ist Professor für Küsten-Geomorphologie, er ist für die kritischeren Analysen zuständig. Und ich als Naturschützer bin seit meiner Kindheit begeistert von Stränden. Sand und Salzwasser bedeuten für mich Glück.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange waren Sie dafür unterwegs?

Farmer: Etwa 30 Jahre.

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20  Bilder
Sand und Salzwasser: Die 20 schönsten Strände Australiens

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht total langweilig, so viele Strände anzuschauen? Nur Sand, Felsen und Wasser?

Farmer: Nein, das ist so wie mit anderen Lieblingsdingen und -tätigkeiten. Sagen wir wie mit Autos, Mode, Wein, Cafés oder Liebhabern - jedes und jeder ist so verschieden von einander, einzigartig auf seine ganz eigene Art. Wenn ich Strände und ihre Umgebung bewerte, frage ich mich immer, ob ich diesen Ort einem Freund empfehlen würde. Und natürlich stellt sich dann schon die Frage, was die beste Wahl wäre. Ich weiß zum Beispiel von deutschen Reisenden, dass sie nach völlig anderen Erlebnissen - oft in der Natur - suchen als etwa chinesische.

SPIEGEL ONLINE: Was waren Ihre Kriterien für die Auswahl?

Farmer: Im Wesentlichen sind dies: Sauberkeit, Wasserqualität, optische Attraktivität, intakte Umwelt, Infrastruktur, der "Wow"-Faktor. Auch die Gemeinden an der Küste werden immer wichtiger. Sie prägen den Charakter dieser Strände, rollen gewissermaßen den roten Teppich aus und heißen Touristen aus aller Welt mit ihrer Kultur willkommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben so berühmte Strände wie Bondi Beach und Byron Bay nicht in Ihre aktuelle Top-20-Liste aufgenommen. Warum nicht?

Farmer: Das sind lediglich zwei Ikonen unter Australiens Stränden. Natürlich sind sie unglaublich schön und Treffpunkte für die weltoffenen Strandtouristen. Sie werden überall in den sozialen Medien erwähnt, was sie zu Magneten macht. Aber viele Besucher wollen mehr als solche angepriesenen Tourismusprodukte erleben, sie wollen vielmehr die geheimen Juwelen entdecken. Es gibt so viele ruhige Campingplätze auf abgelegenen Stränden - wo du ganz allein bist. Du, der Strand und ein Känguru.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auch Strände zum "Best Beach" erklärt, die noch nicht einmal einen Namen hatten.

Farmer: Strände zu benennen, zeigt einfach, dass Australien immer noch erkundet wird. Die frühen britischen, niederländischen und portugiesischen Seefahrer haben unsere Küstenorte im 17. und 18. Jahrhundert willkürlich benannt - so gibt es zum Beispiel 50 Pebbly Beaches - also Kieselstrände. Ich habe vielen Stränden einen Namen gegeben: wie Kitchenview, Cossies, Stratis Spit und Dolly Beach auf den Weihnachtsinseln.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Angst, dass diese - und die anderen der Top 20 - nicht bald überlaufen sind? Am Dreamtime Beach, Platz drei Ihrer Liste, gab es Probleme: zu viele Besucher, zu viele Unfälle, kritisieren die Anwohner.

Farmer: Dreamtime Beach, wo ich zwei Jahre lang gewohnt habe, ist wundervoll, nur etwa tausend Menschen wohnen dort, und es gibt etwa zehn Kilometer Strände in der Umgebung. Eine kleine Gruppe dort will, dass ihre Strände geheim bleiben - was heutzutage fast unmöglich ist - und wehrt sich gegen jede Werbung. Es gab dort einige Unfälle durch Ertrinken in Kabbelwellen, was aber an jedem australischen Strand passieren kann. Teil der australischen Kultur ist eigentlich, seinen Strand mit allen zu teilen.

SPIEGEL ONLINE: Australiens Tourismusbehörde rühmt sich, unter diesen Organisationen die meisten Follower auf Instagram und Facebook zu haben. Was für Auswirkungen haben die sozialen Medien?

Farmer: Durch das Phänomen der sozialen Medien sind sehr viele "geheime" Strände in den vergangenen Jahren bekannt geworden. Dies führt zu Umweltbelastungen, gerade an empfindlicheren Stränden, an denen seit Jahren niemand war. Andererseits verteilen sich nun die Leute in jeden Winkel und Spalte der Küste und finden versteckte Schätze.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mal gesagt: "Beaches lay us bare" - "Strände legen uns bloß". Was meinen Sie damit?

Farmer: Der Strand ist ein sozialer und politischer Gleichmacher - vor allem in Australien. Hier ist es Millionären und Bergleuten, Minderjährigen und Millennials egal, neben wem sie schwimmen, sich sonnen, mit wem sie Kontakte knüpfen. Es ist eine Art Magie, die sich wohl nur an wenigen anderen Stränden in der Welt findet

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig sind Strände für das Selbstverständnis der Australier?

Farmer: Wir haben Salzwasser in unseren Adern - von den Sträflingen der frühen Jahre bis zu den Yuppie-Wellenreitern heute. Auch die Aborigines an den Küsten waren auf die Strände für Nahrung und Erholung angewiesen. Wir Australier sind die führende moderne Strandgänger-Nation der Welt: 90 Prozent leben, arbeiten und spielen an der Küste.

SPIEGEL ONLINE: Und kaum jemand hat es weit bis zur nächsten Bucht...

Farmer: Ja, ich fand es lustig, dass all die Tausenden Australier, mit denen ich über die Jahre gesprochen habe, fest daran glaubten, dass gerade ihr Strand vor der Haustür der beste sei. Und das ist toll!

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie am liebsten am Strand?

Farmer: Surfen. Wie mein Großvater und mein Vater liebe ich den Rausch der Wellen. Nur ein Surfer kennt das Gefühl der physischen und spirituellen Interaktion mit der Welle. Auch die Deutschen lieben ja den Sport, wie ich beobachtet habe - ein Fall von geteilter Freude ist doppelte Freude. Aber es gibt Hunderte von Aktivitäten am Strand: vom Sandburgenbauen bis hin zu Nacktyoga. Lassen Sie Ihre Fantasie frei in Australien! Es ist so riesig - und wir urteilen nicht!

Brad Farmer und Andy Short aktualisieren ihre Top-20-Liste alle zwei Jahre. Ende 2017 erschien die Auswahl für 2018/2019 (siehe Fotostrecke), im Dezember dieses Jahres wird die Version 2020/2021 veröffentlicht.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
ruhepuls 05.04.2019
1. Nur du und ein Känguru? Nicht mehr lange...
In Zeiten von Instagram & Co. (und solchen Artikeln) sind die "einsamen Plätze" bald nicht mehr einsam. Darum: Wer so was findet, behält es also am besten für sich, Dann ist es vielleicht auch noch in ein paar Jahren "einsam".
ich2010 05.04.2019
2.
Cape Leveque an der Westküste ist traumhaft. Der fehlt hier, schade.
Drehmoment 05.04.2019
3. Einsam ist das eine,...
...vermüllt und verdreckt das andere. Der Mensch schafft es einfach nicht, einen Ort unvermüllt zu verlassen. Weder im Stadtpark noch auf dem Mt. Everest. Er schafft es einfach nicht.
taglöhner 05.04.2019
4.
Zitat von ich2010Cape Leveque an der Westküste ist traumhaft. Der fehlt hier, schade.
Psssst.
taglöhner 05.04.2019
5.
Zitat von Drehmoment...vermüllt und verdreckt das andere. Der Mensch schafft es einfach nicht, einen Ort unvermüllt zu verlassen. Weder im Stadtpark noch auf dem Mt. Everest. Er schafft es einfach nicht.
Kein Tier schafft das.
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