Australiens "Graue Nomaden" Reiselustige Rentner

Zehntausende Australier versüßen sich die Zeit nach dem Arbeitsleben mit ausgiebigen Reisen im eigenen Land. Im Wohnmobil sind sie monatelang unterwegs - doch wenn das Geld knapp wird, müssen sie wieder jobben.
Rentnerin vor einem Wohnwagen in Griffith: Immer mehr australische Pensionäre haben genug vom bodenständigen Leben im Eigenheim und fahren lieber mit dem Wohnmobil durch die endlosen Weiten Australiens

Rentnerin vor einem Wohnwagen in Griffith: Immer mehr australische Pensionäre haben genug vom bodenständigen Leben im Eigenheim und fahren lieber mit dem Wohnmobil durch die endlosen Weiten Australiens

Foto: A3939 Carola Frentzen/ dpa

Sydney - Frühmorgens in South West Rocks, an der australischen Ostküste: James und Mary machen "klar Schiff", fegen und putzen sorgfältig ihren "Roadstar Dreamtime"-Wohnwagen und trinken auf ihren Campingstühlen noch genüsslich einen Kaffee. Der Ausblick auf den weißen Strand und den tiefblauen Südpazifik ist überwältigend, aber die beiden Rentner wollen weiter.

Das tropische Queensland im Norden ist ihr Ziel, dort wollen die beiden die nächsten Monate die Sonne genießen, während in ihrer Heimatstadt Sydney Winter herrscht. "Sie nennen uns 'Grey Nomads', die Grauen Nomaden", sagt James. "Erst jetzt, als Ruheständler, haben wir Zeit und Muße, unser Land zu bereisen und wir fahren immer der Sonne hinterher."

Die "Grauen Nomaden" sind in Australien ein verbreitetes Phänomen. Immer mehr Pensionäre haben genug vom bodenständigen Leben im Eigenheim und fahren lieber mit Wohnmobil oder Wohnwagen durch die endlosen Weiten Australiens. Zehntausende sind es mittlerweile, Tendenz steigend.

"Seit wir vor 35 Jahren von England nach Sydney ausgewandert sind, hatten wir kaum Gelegenheit, uns Australien anzusehen", erklärt Mary. "Das holen wir jetzt nach!" Wenn in den Tropen im November die Regenzeit einsetzt, wollen die beiden weiter in Richtung Perth im Westen.

Nomadenleben nach dem Arbeitsleben

Manche Rentner sind überhaupt ständig "on the road", immer auf der Suche nach neuen Zielen und Abenteuern. Andere verbringen viele Wochen auf ihrem Lieblingscampingplatz in den Tropen oder im Outback und richten sich dort samt Töpfen, Pfannen und Camping-Möbeln häuslich ein. Gut ausgestattete Caravan-Parks, manche mit Swimmingpool und Internet-Zugang, finden sich in jedem noch so kleinen australischen Nest.

Wer nicht genug Ersparnisse für den nomadenhaften Lebensstil hat, sucht sich unterwegs Arbeit. "Es gibt reichlich Angebote für die 'Grauen Nomaden', unter anderem bei der Obsternte", sagt die Deutsch-Australierin Sabine Bär, die im Daintree-Nationalpark in Nord-Queensland als Reiseleiterin arbeitet. "Viele betätigen sich als Kirsch-, Feigen- oder Aprikosenpflücker und die Farmer stellen die Rentner gerne ein, weil sie so zuverlässig sind."

Anregungen, Tipps und Informationen können sich die reiselustigen Senioren auf zahlreichen Internetseiten wie www.grey-nomads.org  oder www.thegreynomads.com.au  holen. Dort ist zu erfahren, wo es Arbeitsmöglichkeiten gibt und welches fahrbare Zuhause zu welchem Preis zu haben ist. Die Auswahl ist erschlagend, fachmännische Hilfe ist da gerade für Nomaden-Neulinge von großem Nutzen. Manche kaufen sich gar einen ausrangierten Bus für ihr Aussteigerleben.

Linda und Brian aus Melbourne haben ihre Entscheidung, sich dem Club der "Grey Nomads" anzuschließen, nicht bereut. Seit einem Jahr sind die beiden unterwegs, und zur Normalität des Stadtlebens zurückzukehren, kommt für das Paar nicht infrage. "Es ist so wunderbar, keine Stromrechnungen und bürokratischen Probleme mit Versicherungen und so zu haben", sagt Linda lächelnd und streicht sich die weißen Locken aus dem Gesicht. "Man kann das alles hinter sich lassen. Für mich ist das genau das richtige Leben."

Carola Frentzen, dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.