Australiens spektakuläre Rockpools Schwimmen in der Waschmaschine

An Australiens Küste bieten mehr als Tausend Ozean-Pools ein garantiert haifreies Schwimmvergnügen. Der Neueste wurde vor 50 Jahren erbaut, jetzt erfahren die Meerwasserbecken ein Comeback.

Thomas Salomon/ EyeEm/ Getty Images

In Europa liegt das Laub am Boden - und in Australien wächst die Vorfreude auf den Sommer, der dort stets als heiß geliebte Outdoor-Jahreszeit zelebriert wird. Das gute Wetter treibt die Badegäste an die Strände, zum Surfen, Chillen und Schwimmen.

Doch während sich die einen glücklich in die Wellen stürzen, können Schwimmer gut auf diese verzichten. Diejenige, die nur planschen wollen, stören bloß, wenn man ein paar Kilometer Bahnen ziehen will. Aber dafür gibt es ja die sogenannten Ocean Pools an, Meerwasserbecken, die oft direkt in die Felsen gebaut sind.

Hier zu schwimmen, ist mehr als Sport. Es ist Lebensart, Genuss, Luxus mit Trainingseffekt. Viele der Ocean Pools bieten eine spektakuläre Kulisse, da sie oft nur eine schmale Betonwand vom offenen Meer trennt. Und es gibt drei große Vorteile gegenüber dem Schwimmen im Meer: keine Strömung, nur selten Wellen und keine Haie. In Australien ist das nicht ganz unwichtig.

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Ocean Pools in Australien: Nah am Wasser gebaut

Im kommenden Sommer, der auf der Südhalbkugel im Dezember beginnt, werden die Pools 200 Jahre alt. Ihr "Erfinder" war ein englischer Generalleutnant namens James Morisset. Als Stadtkommandant von Newscastle an der Ostküste - Australien war damals noch britische Sträflingskolonie - entschied Morisset im Sommer 1819, dass er einen privaten Platz zum Baden brauche. Also ließ er am Meer ein Becken in den Fels sprengen, das Häftlinge dann begradigen mussten.

Vom Schwimmbecken zum Selfie-Spot

Heute gibt es auf dem fünften Kontinent mehr als Tausend solcher Ocean Pools. Das "Bogey Hole" von Newcastle ist einer der kleinsten: sechseinhalb auf zehn Meter, im Schnitt nur anderthalb Meter tief.

Kein Vergleich zum bekanntesten aller Pools: dem "Icebergs" in Sydney, direkt am weltberühmten Bondi Beach. Dort schwimmt man in einem nahezu olympiatauglichen 50-Meter-Becken auf acht geordneten Bahnen. Auch Touristen dürfen hinein, für umgerechnet nicht einmal fünf Euro - zum Schwimmen oder auch nur, um Fotos zu machen. Seit Instagram populär ist, kommen jedenfalls noch mehr.

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Open-Air-Kunst in Sydney: Versteckter Ärger

Wer im 1929 gegründeten Bondi Icebergs Club Mitglied werden will, muss jedoch einen Aufnahmetest bestehen. Dazu gehört, dass man fünf australische Winter (Mai bis September) in Folge an drei von vier Sonntagen geschwommen haben muss. Damit die Sache nicht zu einfach wird, werden zur Eröffnung der Saison noch Eisblöcke ins Salzwasser gekippt. Das Wasser kann aber auch ohne diese ziemlich kalt sein.

Außerdem krachen hier auch immer mal wieder Wellen ins Becken. Manchmal, so sagen die Veteranen, seien Ocean Pools "wie Schwimmen in der Waschmaschine". Anderntags aber auch wie ein Bad in Champagner.

1000 Meter Schwimmen in 1000 Pools

Einer, der es wissen muss, ist Kenton Webb. Der 49-Jährige aus Sydney verfolgt ein ehrgeiziges Projekt: jeweils 1000 Meter Schwimmen in 1000 Pools. 521 hat er schon. "Was ich an Ocean Pools mag? Den Geschmack des Wassers: echtes Meer. Die Farben: Grün, Blau, Türkis. Reines Weiß, wenn eine Welle kommt. Und die Sauberkeit: Man kann den Sand am Boden sehen."

Die meisten Ocean Pools entstanden in den Zwanziger- und Dreißigerjahren als Teil von staatlichen Bauprojekten während einer Wirtschaftskrise. Das war eine Zeit, als viele Leute nicht richtig schwimmen konnten und sich deshalb nicht ins Meer trauten. Und natürlich hatten auch damals schon viele Angst vor Haien. Davor ist man in den Pools weitgehend sicher.

Alle paar Jahre wird aber doch ein Hai ins Becken gespült - in Sydney zuletzt im Oktober 2017. Eine Frau bugsierte das Ein-Meter-Tier schnell wieder zurück ins Meer.

Zwischenzeitlich gerieten Ocean Pools außer Mode. Auch in Australien bauten viele Städte lieber Hallenbäder, die das ganze Jahr über genutzt werden können. Der neueste Ocean Pool ist von 1969. Derzeit sieht es aber nach einem Comeback aus: Aktuell gibt es in einem knappen Dutzend Küstengemeinden neue Projekte, die teils schon weit vorangeschritten sind. Die Architektin Nicole Larkin aus Sydney hat dazu im Internet eine interaktive Seite mit 60 existierenden Pools in 3D entwickelt.

Die Stadt Ballina begründet das wiederentdeckte Interesse so: "Wir leben in einer älter werdenden Gesellschaft. Die Ocean Pools erlauben Kindern wie Älteren das Schwimmen in der Natur ohne die Risiken des Meeres." Hinzu kommt, dass die Meerwasserbecken in Bau und Betrieb deutlich günstiger sind als Hallenbäder, die geheizt und gechlort werden müssen. Manche argumentieren auch, dass in Zeiten des Klimawandels Wasserressourcen besser genutzt werden müssen.

Von solchen Überlegungen ist Kenton Webb weit entfernt. Auf seinem Weg zum Tausenderrekord will er im kommenden Jahr, wenn er 50 wird, 50 neue Pools durchschwimmen. Zu den nächsten Zielen gehört auch ein Becken in Berlin, kein Pool am Meer, aber immerhin ein Pool im Fluss: das "Badeschiff" in der Spree. Einmal stand der Australier dort sogar schon vor der Tür. Aber das Becken war wegen Renovierung geschlossen.

Christoph Sator/dpa/jus



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
shardan 28.10.2019
1. Schöne Sache
Schöne Sache. Aber um solche Schwimmbecken zu nutzen, muss man keineswegs nach Downunder fliegen. Solche Becken gibt es z.B. auch auf den kanarischen Inseln, dort "Piscinas naturales" genannt.
rudy532 29.10.2019
2.
"...und in Australien waechst die Vorfreude auf den Sommer..."Lebe an der Ostkueste nicht weit von Sydney.Der Sommer hat noch nicht angefangen und in Sydney waren es letzte Woche schon 35 C.In neunzig Prozent des Staates NSW herrscht offiziell Trockenheit.Dasselbe in Queensland und Teilen von Victoria.Die Waldbrandgefahr ist als extrem eingestuft und der UV-index ist jetzt schon "very high".Auto waschen und Garten sprengen ist nur zwischen 6 und 8 Uhr morgens und abends erlaubt."Heiss geliebte Outdoor-Jahreszeit,Herr Sator?Bitte empfehlen Sie allen Touristen +50 Sonnenschutzmittel einzupacken.Reicht fuer eine halbe Stunde in der Sonne.
sponuser936 29.10.2019
3. Nörgelei
Zitat von rudy532"...und in Australien waechst die Vorfreude auf den Sommer..."Lebe an der Ostkueste nicht weit von Sydney.Der Sommer hat noch nicht angefangen und in Sydney waren es letzte Woche schon 35 C.In neunzig Prozent des Staates NSW herrscht offiziell Trockenheit.Dasselbe in Queensland und Teilen von Victoria.Die Waldbrandgefahr ist als extrem eingestuft und der UV-index ist jetzt schon "very high".Auto waschen und Garten sprengen ist nur zwischen 6 und 8 Uhr morgens und abends erlaubt."Heiss geliebte Outdoor-Jahreszeit,Herr Sator?Bitte empfehlen Sie allen Touristen +50 Sonnenschutzmittel einzupacken.Reicht fuer eine halbe Stunde in der Sonne.
Können Sie auch irgendwas anderes als Nörgeln?
ich2010 29.10.2019
4.
ich kenne einige natürliche Rock Pools an der Nordostküste, zwar recht schwierig und nur mit etwas Kraxelei zu erreichen, dafür aber super schön - und Haie spült es da i.d.R. auch keine rein ;-)
qlcasa 29.10.2019
5. Nicht nur...
Zitat von shardanSchöne Sache. Aber um solche Schwimmbecken zu nutzen, muss man keineswegs nach Downunder fliegen. Solche Becken gibt es z.B. auch auf den kanarischen Inseln, dort "Piscinas naturales" genannt.
Auch in Portugal gibt es die. Dort werden sie "piscinas naturais" genannt. Ich glaube die gibt es überall auf der Welt wo es Meer und Felsen gibt.
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