Bahamas Das bunte Paradies

Offene Haustüren und glückliche Flamingos: Auf den Out Islands der Bahamas ist die Welt noch in Ordnung. Die Reise auf einem rostigen Postschiff ist der Höhepunkt für Abenteurer, die Korallenriffe aus nächster Nähe erleben möchten.


Nassau - Das Propellerflugzeug vom Typ Beech 1900 brummt sanft zwischen dem kobaltblauem Himmel und den sandhellen, grünen und grauen Tupfern im Meer. Der 20-minütige Linienflug der Southern Air von der Hauptstadt Nassau nach Eleuthera zeigt einen kleinen Ausschnitt der Bahamas. Das Archipel im Atlantik hat gut 700 Inseln, 30 davon sind bewohnt. Hinzu kommen noch mehr als 2000 Korallenriffe, die aus dem seichten Wasser ragen.

Ein langgestrecktes, gekrümmtes Band zwischen den vielen Grün- und Blauschattierungen des Atlantiks taucht auf: Eleuthera sieht mit etwas Phantasie aus wie ein riesiges Seepferdchen mit einem sehr dünnen, überdimensionierten Mittelteil. Die Insel ist 180 Kilometer lang, meist aber nur drei bis vier Kilometer breit und an der Glass Window Bridge keine zehn Meter schmal. Damit es die 11.000 Insulaner, die Häuslebesitzer aus Florida und die Touristen in den 21 Dörfern nicht so weit zum Flughafen haben, besitzt Eleuthera gleich drei davon - internationale, versteht sich.

Was lockt Urlauber auf die kleinen Bahamas-Inseln? Es sind die Ruhe, die Sicherheit sowie das Faulenzen an hellsandigen Stränden zwischen Kokospalmen und Casuarina-Bäumen. Dazu kommen feines Dinieren sowie Wassersport aller Art. Und wer mag, bringt seinen Laptop mit, lümmelt sich in einen Liegestuhl, spielt mit den Fußspitzen im warmen Meer und surft per Hotspot durchs Web.

Im Kasino warten 800 Spielautomaten

"Die Gäste aus aller Welt schätzen es, dass die Uhren auf den Out Islands langsam ticken", sagt Simon Worley an Bord der Autofähre Sealink zwischen Eleuthera und Nassau. Der Weltenbummler und Geschäftsmann hätte sich auch das Flugticket für 80 Dollar leisten können, doch er sagt: "Ich will Spaß und Freude. Die habe ich die vier Stunden auf See." 45 Dollar kostet die Passage, an Bord sind die Imbisspreise günstig: Das Bier kostet drei US-Dollar, der Kaffee einen. Generell gilt für die Bahamas: Lebensstandard und Preise gehören zu den höchsten in der Karibik, die Straßen zählen zu den saubersten und sichersten.

Die ersten Lichter von Nassau tauchen in der Dämmerung auf. Deutlich zeichnen sich die Wohntürme des Hotel Atlantis Paradise Island ab. Mehr als 3500 Zimmer hat die Anlage, im Kasino warten 800 Spielautomaten darauf, gefüttert zu werden. In und um Nassau sind die Kontraste groß: Vom kleinen Paradise Island mit seinen Edelhotels und vielen Restaurants ist es nur ein 15-minütiger Spaziergang über die Autobrücke zum Hafen mit den Fähren, Fischerbooten und Postschiffen.

Für manchen Weltenbummler und Rucksackreisenden beginnt an diesem Pier eines der letzten karibischen Abenteuer. Die Lady Mathilda könnte einen neuen Anstrich vertragen, aber seetüchtig sei sie auf alle Fälle, versichert die Besatzung. Bis zu 36 Stunden braucht das Postschiff nach Great Inagua, dem südlichen Außenposten der Bahamas. Die Hinfahrt mit Bett und Mahlzeiten kostet 100 Dollar. "Meistens im Sommer, wenn die See nicht so rau ist, sind es ein paar Stunden weniger", sagt der Mann, der für Ladung und Fahrpläne zuständig ist.

62 Flamingos pro Einwohner

In den kommenden Stunden und Tagen starten in Nassau auch Schiffe nach Abaco, Andros, Bimini, Cat Island, Harbour Island, Exuma und Long Island. Jede Insel hat ihre Besonderheiten, besonders aber trifft das auf Great Inagua zu. In den Salzlagunen und im großen Inagua National Park fühlen sich Pelikane, Reiher, Kormorane, Papageien und 60.000 bis 80.000 Flamingos wohl. Auf jeden der 970 Insulaner kommen also mindestens 62 der pinkfarbenen Vögel - eine Zahl, mit der die Insel gerne für sich wirbt.

Am Pier in Nassau wird immer erst abgelegt, wenn der Kapitän es sagt. Diese Erfahrung macht gerade auch Hanno-Lutz Grüner aus Berlin, der mit seiner Ehefrau in der Kabine von Lady Rosalind auf den Start nach Mayaguana wartet. Diese Insel ist fast so weit entfernt wie Inagua, aber noch ein bisschen einsamer. Knapp 300 Menschen leben dort, auch Flamingos und große Schildkröten.

Große Gastfreundschaft auf kleinen Inseln

Genau 15 Postschiffe liegen an diesem Abend im Hafen von Nassau, etwa weitere 15 sind auf See. Transportiert wird außer Post und Passagieren einfach alles: Reifen, Früchte, Kabelrollen, Klobürsten, Konserven, Säfte und Rum - eben das, was die Bewohner der Out Islands brauchen. Nachts spielen Crew und Passagiere Karten oder Domino, der Rest schläft auf Bänken oder in einer der kleinen Kabinen in dreistöckigen Betten. Die Fahrt nach Eleuthera dauert acht Stunden und kostet mit Bett 35 Dollar.

Die Gastfreundschaft ist überall groß. Wer auf Great Exuma spazieren geht, dem kann es passieren, dass ein Autofahrer stoppt und ihm die Mitfahrt anbietet. Auf den Bahamas sind knapp 1000 Familien Gastgeber im sogenannten People-to-People-Programm. Sie laden Urlauber, die ihr Interesse beim örtlichen Tourismusbüro bekunden, zu Dorfbummel, Kirchgang oder Sportveranstaltungen ein. "Mancher Gast hat so schon bei uns Freunde fürs Leben kennengelernt", erzählt Programm-Direktorin Marilyn Johnson in Nassau.

Bernd Kubisch, dpa



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