Bahamas Häppchen für die Haie

Strand, Palmen, Meer - die Vorstellung zahlreicher Mitteleuropäer vom Paradies wird auf den Bahamas zur Realität. Der Insel-Staat in der Karibik zieht Surfer und Tauchfans genauso an wie die Jetsetter der feinen Gesellschaft. Ein Urlaub im Tropentraum ist daher nichts für Geizhälse.


Ein Traum in Blau: Das Meer der Bahamas
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Ein Traum in Blau: Das Meer der Bahamas

Eine Ankunft ohne nasse Füße am Strand von Treasure Bay auf Abaco ist nicht immer möglich - zumindest nicht nach einem Flug mit dem Wasserflugzeug. Dessen Ausstiegshilfe wird in das kniehohe, kristallklare Nass vor der Insel gelassen, die zu den in der nördlichen Karibik gelegenen Bahamas gehört. Dann gilt es, die Schuhe auszuziehen, die Hosen hochzukrempeln und einige Meter weit an Land zu waten. Doch die Prozedur lohnt sich: Abaco und die anderen 30 bewohnten von insgesamt rund 700 Bahamas-Inseln versprechen Entspannung und Trubel auf höchstem Niveau.

Treasure Cay verfügt über eine Hotelanlage, gut fünf Kilometer Sandstrand, eine Bank, eine kleine Klinik, einen Golfkurs und eine Marina, in der auch Luxusyachten aus dem nahen Miami liegen. Die Straße zur Hauptgemeinde der Abaco Islands, Marsh Harbour, ist in auffallend gutem Zustand, kein Müll liegt am Rand. Abaco ist - wie die im Jahr 1973 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassenen Bahamas insgesamt - vorbildlich gepflegt. Die Kriminalität ist niedrig, doch neben dem Lebensstandard zählen auch die Preise zu den höchsten in der Region.

In aller Ruhe durch die Mangroven paddeln
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In aller Ruhe durch die Mangroven paddeln

Faulenzen, Surfen, Segeln, Tauchen, feines Dinieren, die Happy Hour an der Beachbar, eine Bootsfahrt durch Mangroven, Small Talk mit den Fischern am Pier: So oder ähnlich sieht die To-do-Liste für Urlauber auf Abaco aus. Auch auf den anderen so genannten Out Islands wie Andros, Berry Island, Bimini, Exumas oder Eleuthera geht das Leben in eher gediegenem Tempo vonstatten. Dagegen präsentieren sich New Providence mit der Hauptstadt Nassau und Grand Bahama deutlich lebhafter.

Vor allem in Nassau mit seinen großen Hotels namhafter Ketten, Shopping-Malls, Casinos, Broadway-Shows und professionellen Golfplätzen mag sich mancher Gast fragen, ob er nicht doch in den USA gelandet ist. Gegen letzteres spricht der im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten auf den Bahamas vorgeschriebene Linksverkehr. Zudem gibt es britische Kolonialarchitektur sowie pastellfarbene Häuser und Märkte, auf denen kräftig gefeilscht wird. An die stürmische Zeit der Freibeuter erinnert das Piraten-Museum.

Kolonialarchitektur in der Inselhauptstadt Nassau
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Kolonialarchitektur in der Inselhauptstadt Nassau

Auch Grand Bahama hat als zweitgrößtes Touristenzentrum zwei Gesichter: In der Hauptstadt Freeport dominiert lebhaftes Hotel-, Nacht- und Strandleben. Ruhe verspricht dagegen der "Lucayan National Park" mit Orchideen und Bromelien, Mangrovensümpfen, Pinienwäldern und Sanddünen. Auf der Speisekarte des Restaurants "Pier One", betrieben von Uwe Nath, einem aus Solingen stammenden Deutschen, steht Hai-Curry. Die Gäste haben aber auch die Möglichkeit, bei der Fütterung der Raubfische zuzusehen. Wenn Nath mit einer Glocke läutet, werden die Haie im Wasser unter den Gästen zum Beispiel mit Heringen aus Kanada verköstigt. Gefahr droht den Gästen nicht: Sie sitzen auf einer hölzernen Terrasse einige Meter über die Haien, die gierig nach den Happen schnappen.

Auf Abaco mit seinen rund 12.000 Einwohnern leben auch Menschen wie Nettie Symonette. Sie hat sich dem Ökotourismus verschrieben und serviert Gästen ihres "Different of Abaco" möglichst nur das, was im großen Garten wächst oder sich frisch zubereiten lässt: Buschtee, Fischragout, Maisbrei, kleine Fischklöße, frisches Fladenbrot oder Hot Peeper Pot - ein scharfer Fleischeintopf. Die 65-Jährige plaudert viel und lautstark mit ihren Gästen. Zu ihrem Naturpark gehört auch ein Salzwasserteich, in dessen seichtem Wasser Flamingos umherstolzieren. Symonettes rustikale Bungalows am Strand lassen sich mit Mahlzeiten und Getränken ab 125 US-Dollar pro Tag und Person mieten. Im "Treasure Cay Beach Hotel Resort" mit Marina und einem der schönsten Strände der Insel kosten die Zimmer und Suiten je nach Saison und Ausstattung zwischen 100 und 400 US-Dollar.

Das Inselreich in der nördlichen Karibik besteht aus rund 700 Eilanden
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Das Inselreich in der nördlichen Karibik besteht aus rund 700 Eilanden

Die Gastfreundschaft der Einwohner ist vor allem auf den ruhigen Out Islands zu spüren. Wer zum Beispiel auf Great Exuma am Rande der Hauptstadt George Town spaziert, bekommt nicht selten von Auto- und Motorradlenkern die Mitfahrt angeboten. Auf den gesamten Bahamas sind mehr als 1000 Menschen Gastgeber im so genannten People-to-People-Programm. Das bedeutet, dass sie Urlauber, die ihr Interesse beim Tourist Board bekunden, zu Familienpartys oder Stadtbummeln, zu gemeinsamen Kirchgängen oder Besuchen von Sportveranstaltungen einladen. Mancher Gast hat dadurch schon den Tanz Goombay erlernt oder den Partner fürs Leben gefunden.

Für Urlauber, die eine individuelle Tour unternehmen möchten und es nicht allzu eilig haben, bieten sich als Fortbewegungsmittel Postschiffe an. Sie pendeln zwischen allen bewohnten Inseln. Die Passagiere sitzen zwischen Paketen, Autoreifen und Möbelstücken. Dabei gleiten sie auch an winzigen Inselchen vorbei, auf denen nur zwei oder drei Palmen und einige Agaven wachsen.

Bernd Kubisch, gms



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