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Bloggerin Gesa Neitzel: Unterwegs mit leichtem Gepäck

Foto: bedouinwriter.com

Reise-Bloggerin Gesa Neitzel Unterwegs mit leichtem Gepäck

Völlig frei und im ständigen Ausnahmezustand: So fühlt sich Bloggerin Gesa Neitzel, wenn sie allein ferne Länder erkundet. Hier erklärt sie, wie ihr perfekter Tag unterwegs aussieht. Und warum Reisen kein Weglaufen sein sollte.

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Gesa Neitzel, 26, verantwortlich für bedouinwriter.com .

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

Mit meinem Geländewagen "Trecker", Baujahr 1989, tuckerte ich von der Ostküste Australiens rüber zur Westküste. Einmal über den Kontinent, quer durchs Outback. Inklusive Reifenpanne, Pferderennen, Schlafen unter Sternen und einem 19-jährigen Rodeo-Clown, der mich zur Frau nehmen wollte. Ich war 21 und hatte keine Ahnung von der Welt. Es war großartig.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, als in einer fremden Stadt aufzuwachen und den ganzen Tag ohne Grund oder Ziel umherzuwandern, zu entdecken und zu beobachten. Noch besser ist nur noch: nach einem Tag am Meer mit sandigen Füßen und Salz auf der Haut, von der Sonne gewärmt und erschöpft vom Nichtstun eiskalt duschen und anschließend auf frischer Bettwäsche ein Buch lesen und einschlafen.

Bitte schreiben Sie für uns exklusiv ein Kurz-Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

Nach den ersten Surfversuchen auf Bali landete das Board auf meinem Kopf, mit dem Motorroller ging's in die Notaufnahme, offene Platzwunde, fünf Stiche und eine Narbe unterm Haarschopf als Souvenir.

Ihr eigener Lieblings-Blog-Eintrag?

In meinem Blog geht es nicht um Reisetipps. Ich habe keine Ahnung, welches Hotel das Beste ist und wie du für wenig Geld möglichst weit kommst. Ich erzähle Geschichten vom Reisen. Wie fühlt sich das an in der Fremde, allein, vollkommen frei und chronisch aus dem Lot zu sein? Diesen Zustand erforsche ich. Die Geschichte von Daeng, dem Tuk-Tuk-Fahrer aus Bangkok , bringt auf den Punkt, wie groß der Schlund zwischen unterwegs und zu Hause sein kann. Und wie schnell wir das Erlebte vergessen.

Ein völlig unterschätztes Reiseziel ist:

Ganz klar: Deutschland. Ich glaube, was wir in der Ferne suchen, lässt sich durchaus auch vor der eigenen Haustür finden. Zwischen zwei Reisen bin ich darum liebend gern zu Hause, verlaufe mich in meiner Kreuzberger Nachbarschaft, erkunde versteckte Seen in Brandenburg oder wandele auf Goethes Spuren in Weimar. Jeder Tag birgt ein Abenteuer - ich muss es nur finden.

Was war Ihre schlimmste Reisepanne?

Pannen à la "Ich hab mich verlaufen" passieren natürlich ständig, und die machen eine Reise auch erst spannend. Meine schlimmste Panne war aber zu denken, ich könnte die halbe Welt zwischen mich und meine Probleme bringen. Das ging gewaltig in die Hose. Danach war's auch erst mal vorbei mit der Reiselust. Wer reist, um wegzulaufen, der sollte lieber zu Hause bleiben.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Mein Notizbuch - als Alleinreisende mein bester Freund und Weggefährte.

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Ich reise bewusster, mache Notizen, behalte Bilder im Kopf und versuche, Reiseanekdoten in einen größeren Kontext zu bringen. So formulierte ich auf einem Motorroller in Bali mit blutender Wunde am Hinterkopf bereits in Gedanken die Story, die dieses Erlebnis einmal werden würde , anstatt mich um meine Gesundheit zu sorgen. Die Gefahr, die ich aber im Bloggen sehe, besteht darin, dass Facebook-Likes und der Traffic der eigenen Seite schnell in den Vordergrund rücken können. Das versuche ich zu kontrollieren. Ich bin eher der Underdog unter den Reisebloggern - und das gefällt mir. Mein Blog ist meine Spielwiese, auf der ich frei darüber schreiben kann, was mich bewegt. Natürlich freue mich über neue Leser und ehrliche Kritik, aber am Ende zählt für mich immer das Erlebte und wie ich es in Worte fassen kann.

Wie oft sind Sie unterwegs und wie finanzieren Sie die Reisen?

Letztes Jahr habe ich von zwölf Monaten neun mit Reisen verbracht  und drei mit Arbeiten, in diesem Jahr ist es genau umgekehrt. Als Fernsehredakteurin arbeite ich projektbezogen, und es steht mir selbst frei, wie groß ich die Pause zwischen zwei Projekten ausfallen lasse. Ich spare also wie jeder andere Mensch für meine Reisen, und sobald ich genug zusammen habe, geht es wieder los. Das nächste Abenteuer heißt Südafrika, mit Ende des Projektvertrags sitze ich wieder im Flieger. Momentan passt mir dieser Lebensrhythmus ganz gut in den Kram. Ich weiß, wo das Geld herkommt, die nächste Reise ist aber immer gleich um die Ecke.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Unterwegs habe ich gelernt, dass Zeit der einzige Luxus ist, den ich je haben kann. Ich reise mit leichtem Gepäck und brauche nicht viel. Das Gefühl, nirgendwo sein zu müssen, das ist unschlagbar.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Peter Hinze von reception-insider.com

Heike Kaufhold von koeln-format.de

Johannes Klaus von reisedepeschen.de Die Fragen stellte Stephan Orth

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