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Proteste in Bangkok Bei Touristen in Thailand wächst die Angst

Der Protest gegen Thailands Regierung eskaliert, die Bilder vom Chaos in Bangkok verunsichern Urlauber. Die Tourismusbranche der Hauptstadt muss schon jetzt starke Verluste hinnehmen. Viele hoffen nun auf den König.
Von Mathias Peer

Noch hält der Schutzwall: Seit dem Wochenende ist der Amtssitz der thailändischen Premierministerin Yingluck Shinawatra mit einer provisorischen Betonmauer von der Außenwelt abgeriegelt.

Am Montagvormittag versuchen Regierungsgegner in Bangkok abermals, die Blockaden zu durchbrechen. Die Polizei schießt mit Tränengas und Wasserwerfern in die Menge. Dicke Rauchwolken steigen auf. Immer wieder müssen die Demonstranten zurückweichen. Manche von ihnen tragen Helme und Gasmasken. Die meisten schützen sich aber nur mit einem feuchten Tuch vor dem Mund.

Die Proteste gegen die Regierung haben am Wochenende eine neue Dimension erreicht: Die bisher friedliche Auseinandersetzung wurde blutig. Bei Schießereien zwischen den Gegnern und Befürwortern der Regierung sind mindestens drei Menschen getötet worden. Dutzende wurden verletzt. Die Bilder der chaotischen Zustände in der thailändischen Hauptstadt gehen nun um die Welt. Nicht nur politisch ist die Situation daher brenzlig: Auch der Tourismus in der Hauptstadt fürchtet einen erheblichen Schaden durch den Konflikt.

Buchungen brechen ein

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Tourismus in Bangkok: Buchungen brechen ein

Foto: CHAIWAT SUBPRASOM/ REUTERS

Bei Städtereisenden wurde Bangkok zuletzt immer beliebter. Mit fast 16 Millionen Gästen im Jahr hat die Metropole in diesem Jahr London von Platz eins der weltweit meistbesuchten Touristenziele verdrängt. Doch angesichts der Eskalation von Thailands politischer Krise ist dieser Erfolg massiv gefährdet. Zu sehen ist das schon heute an der Khao San Road, die mit ihren günstigen Gästezimmern seit Jahrzehnten die erste Anlaufstelle für Backpacker ist.

Die sonst guten Geschäfte sind in den vergangenen Wochen auf einen Schlag eingebrochen. Der Grund: Die Khao San Road liegt nur einige hundert Meter entfernt vom Demokratiedenkmal, das die Regierungsgegner als einen ihrer wichtigsten Versammlungsorte für Massenkundgebungen auserkoren haben.

Viele Touristen wollen den Demonstranten aus dem Weg gehen - wie auch das Auswärtige Amt rät - und scheuen die massiven Verkehrsbehinderungen in der Umgebung. Die Folge: Jedes zweite Gästezimmer steht frei. Normalerweise liege die Auslastung bei rund 80 Prozent, sagt Sanga Ruangwattanakul, der die Unternehmer an der Khao San Road vertritt. Die Buchungen für die nächsten Wochen sind nur halb so hoch wie normalerweise. Wenn die Proteste weitergehen, dann könnten Entlassungen unausweichlich werden, sagt Sanga.

Nach Angaben des thailändischen Tourismusministeriums sind den Hotels und Gaststätten allein im November umgerechnet rund 365 Millionen Euro verloren gegangen, weil Besucher aus dem Ausland aufgrund der Proteste auf eine Reise nach Thailand verzichteten.

Unruhen treffen Branche zur Hochsaison

Die gewaltsamen Ausschreitungen am Wochenende dürften die Sorgen der Urlauber noch verstärken. Die Unruhen treffen die Tourismus-Wirtschaft zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Dezember und Januar gelten eigentlich als die besten Reisemonate für Thailand-Besucher. Die Temperaturen in dem tropischen Land sind zu dieser Zeit angenehm kühl. Zu Regenfällen kommt es fast nie.

Hoteliers bemühen sich nun um eine Beruhigung der Gäste: "Hier bei uns am Fluss ist es absolut ruhig", sagt Klaus Sennik, der ein Hotel der amerikanischen Kette Ramada am Ufer des Chao Phraya leitet. "Wer am Flughafen landet und von dort weiter reist, bekommt von den Protesten nichts mit." In der Lobby von Senniks Hotel liegt eine Mappe aus, die Gäste darüber informiert, welche Stadtteile gemieden werden sollten. Groß sind die Beeinträchtigungen nicht. Auch das Auswärtige Amt empfiehlt lediglich, die Touristenattraktionen in der Nähe des Regierungssitzes  wie den Königspalast, Wat Po und Wat Phra Kaeo zurzeit nicht zu besuchen.

Zu den bisher schwersten Auseinandersetzungen kam es in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Nähe der Ramkhamhaeng-Universität östlich des Stadtzentrums. Mehrere Stunden lang herrschten dort bürgerkriegsähnliche Zustände. Doch ausländische Besucher verschlägt es so gut wie nie in diese Gegend. Zur am stärksten spürbaren Störung des Urlauberalltags kam es am Sonntag, weil einige große Einkaufszentren in der Innenstadt schließen mussten. Die Shopping-Tempel haben normalerweise an allen sieben Tagen der Woche geöffnet.

Hoffnung liegt auf Königsgeburtstag

Auch die Umgebung des Amtsitzes von Regierungschefin Yingluck liegt abseits der üblichen touristischen Pfade. Am frühen Nachmittag thailändischer Zeit kam es dort erneut zu schweren Auseinandersetzungen. Die Demonstranten versuchten mit Hilfe eines in Beschlag genommenen Müllwagens die Barrieren zu durchbrechen. Wie lange die Proteste anhalten, ist nicht abschätzbar. Protestführer Suthep Thaugsuban forderte die Regierung am Sonntag auf, innerhalb der nächsten zwei Tage zurückzutreten.

Premierministerin Yingluck erteilte den Forderungen in einer Pressekonferenz am Montag eine Absage. Sie betonte jedoch, dass die Türen für Verhandlungen offen stünden. Sie sei bereit, alles zu tun, um Gewalt zu vermeiden. Auch um die Sicherheit der Touristen will sie sich kümmern: "Touristen und Ausländer sind uns genauso wichtig wie Thailänder", sagte Yingluck.

Die größten Hoffnungen liegen nun auf dem Geburtstag des thailändischen Königs am Donnerstag. Dieser gilt als Tag der Harmonie in Thailand. Die Auseinandersetzungen dann fortzusetzen, könnte in weiten Teilen der Bevölkerung als Respektlosigkeit gegenüber der Monarchie gewertet werden.

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