Belize Spielende Haie

Der kleine Karibikstaat zwischen Mexiko und Guatemala ist noch nicht völlig von Touristen überlaufen. Belize gilt weitgehend immer noch als unentdecktes Juwel.

Von Britta Scholtys


Belize City. Mittags am Hafen. An den bunt verputzten Pfahlbauten entlang der Straßen und Kanäle blättert die Farbe ab. Auf der Veranda eines verwitterten Holzhauses schaukelt eine schwarze Kreolin in der Hängematte. Vor einer halben Stunde hätte das Motorboot nach Caye Caulker auslaufen sollen. Doch immer noch warten die Touristen am Anlegesteg. Zeit spielt hier keine Rolle. Zeit hat man.

Zum Beispiel der Bootsmann, der die Fähre zu den Cayes fahren soll. Anstatt mit uns über die türkisblaue Karibik zu schippern, sitzt er da. Schaut. Pfeift zwei indianischen Maya-Frauen hinterher. Beobachtet einen Chinesen auf dem Fahrrad. Wartet. Worauf? Das ist keinem so recht klar. Klar ist nur: Hier läuft das Leben nach einem anderen Rhythmus.

Seemann Harry: "You will see...."
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Seemann Harry: "You will see...."

Der winzige Karibikstaat zwischen Mexiko und Guatemala unterscheidet sich in vielem von den anderen zentralamerikanischen Ländern. Zum Beispiel spricht man offiziell Englisch. Die Bevölkerung ist vorwiegend schwarz. Und Queen Elizabeth II. ziert nach wie vor den Belize-Dollar. Trotz der 1981 erlangten Unabhängigkeit von der britischen Krone.

Neben schwarzen Kreolen leben in Belize Maya- und Garifuna-Indianer, Mestizen, Chinesen, Araber und Mennoniten, hellhäutige, blauäugige und blonde Einwanderer aus Kanada und dem Norden Mexikos. So bunt wie die ethnische Mischung ist auch das sprachliche Kauderwelsch. "Vamos, vamos" ruft der Seemann jetzt auf Spanisch. Plötzlich zum Leben erwacht, treibt er die Touristen an. Sie sollen sich zwischen die Fahrräder und Kisten auf das Boot quetschen - Rucksäcke und Koffer auf dem Schoß. Das Boot liegt bedenklich tief im warmen Karibikwasser, was jedoch keinen der Seeleute irritiert. "Have a nice trip", sagt einer.

Nach 40 Minuten Fahrt über das türkisblaue Meer taucht Caye Caulker auf. Nur 600 Meter breit und sieben Kilometer lang ist die Insel. Viele Kokospalmen. Keine Autos. Sie soll zu den schönsten Tauch- und Schnorchel-Eldorados der Welt gehören. Zunächst sind wir aber enttäuscht: Keine langen weißen Traumstände. Nur Mangroven, die die Insel fast bis zur Küste bewachsen. Dafür wartet das Barriere-Riff, mit rund 300 Kilometern eines der längsten weltweit, mit Attraktionen auf, von denen wir bislang noch nichts ahnen.

Die Schnorcheltour am nächsten Tag beginnt mit Manatees. Keiner weiß, was sich hinter dem Namen verbirgt. "You will see....", erklärt Harry, der Bootsmann, an. Vorbei an kleinen Robinson-Crusoe-Inseln prescht das Motorboot auf die Mangrovenwälder eines entlegenen Eilands zu.

Seekuh: 15 Minuten tauchen ohne zu atmen
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Seekuh: 15 Minuten tauchen ohne zu atmen

"Absolute Ruhe" fordert ein Schild etwa hundert Meter vor der Insel. Harry schaltet das Knattern ab. Während wir gespannt ins Wasser starren, stochert er mit einem langen Stab darin herum. Wonach man Ausschau halten soll, ist niemandem klar. "Da", sagt unser Bootsführer plötzlich. Aus dem Meer bäumt sich ein Koloss auf. Ein Manatee - eine Seekuh. Ganz kurz streckt sie ihre Schnauze aus dem Wasser, um Luft zu holen. "15 Minuten können sie tauchen ohne zu atmen ", erklärt Harry. Und bis zu fünf Metern lang können sie werden. Weltweit soll es nur noch wenige von diesen Säugetieren geben.

Nach den Manatees fährt Harry weiter an den Rand des Barriere-Riffs, wo sich auf der anderen Seite die meterhohen Wellen brechen. Auf unserer Seite ist das Wasser der karibischen See ruhig. Kleine dreieckige Flossen bewegen sich zwischen schwimmenden Touristen. Haie! "Sie sind ungefährlich", behauptet Harry. Nachgerade heldenhaft stürzt er sich zu den planktonfressenden Fischen ins Wasser. Die Dreiecksflossen kommen näher. Die Haie schwimmen um ihn herum. "Sie wollen nur spielen", ruft er zum Boot herüber und packt seinen Lieblingshai am Schwanz. "Los, springt ins Wasser". Überwindung kostet es dennoch.

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