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San Diego: Burger à la Bavaria

Foto: Mike Nelson/ DPA

Burger-Restaurant in San Diego Alles im Brötchen

Alligator-Burger mit Curry, Reh-Sandwich mit Pflaumensoße: Zwei bayerische Auswanderer machen die besten Hamburger von San Diego. Manchmal jedoch geht ihre Experimentierfreude zu weit - die gegrillte Klapperschlange wurde ihnen verboten.

San Diego - Auf den Hamburger mit Zimt und den Schneckenburger bissen die Kalifornier nicht so recht an. Und den Klapperschlangen-Burger mussten die deutschen Gastronomen Wolfgang Peter Schlicht, 64, und Lothar Manz, 52, schnell wieder von der Speisekarte streichen.

Doch alles andere, was beim "Crazee Burger"  vom Grill auf den Tisch kommt, ist ein Volltreffer, versichert das bayerisch-schwäbische Duo im südkalifornischen San Diego. "Trotz der Rezession ist es bei uns immer gerammelt voll", sagt der langjährige Wahlkalifornier Schlicht mit deftigem Münchner Dialekt. 2006 taten sich der weit gereiste Restaurantmanager Schlicht und Chefkoch Manz zusammen und machten den "verrückten" Burgerladen auf.

Nerin Gonzales ist seither Stammkundin. "Ich habe fast alles auf der Karte probiert, Strauß, Wildschwein, Känguru, Reh und den Alligator-Burger", zählt die 28-Jährige stolz auf. "Und natürlich alle Rindfleischvarianten, doch Reh schmeckt mir am besten". Den beiden Deutschen bescheinigt die Kalifornierin, dass sie gute amerikanische Kost "mit europäischem Gefühl" servieren.

Rotweinbirne zum Rehfleisch

Für das zweifellos exotische "Gefühl" sorgt Chef Lothar mit seinen kühnen Kreationen am Grill. "Mein Lieblingsburger ist der aus Rehfleisch, mit Rotweinbirne, Speck, ein bisserl Schlagsahne und Pflaumensoße". Das sei eine "feine" Kombination, versichert der Schwabe, der seine Kochkunst bereits in Frankreich, in der Schweiz und seit zehn Jahren in Kalifornien unter Beweis stellt.

Der Name "Crazy Burger" war schon vergeben, als das Duo mit seinen "verrückten Sachen" in das hart umkämpfte Restaurantgeschäft einstieg, erzählt Schlicht. Doch "Crazee" machte bald seinem falsch geschriebenen Namen alle Ehre. Erst kam die Nachbarschaft, dann die Restaurantkritiker, TV-Kameras und Touristen, dann die Auszeichnung "Best Burger" in San Diego. Nach anfangs tausend Portionen kommen jetzt jeden Monat 12.000 Burger auf den Grill.

Bei der Happy Hour am späten Nachmittag mit Burger und Bier zum Sonderpreis sind die 40 Plätze in der Esskneipe schnell belegt. Eine Fahnengirlande mit bayerischen Biersorten hängt von der Decke, auf der Speisekarte gibt's Sauerkraut und Bratwurst als "german" Leckerbissen. Doch am Ende dreht sich alles um die Burger, knapp fünf Dollar für den "guten alten einfachen" aus Rindfleisch bis zum "schnappenden Gator", Alligatorfleisch mit einer Soße aus Curryfrüchten für knapp 14 Dollar.

Das Kängurufleisch kommt aus Australien, der Alligator aus Florida, der Strauß von einer Farm im kalifornischen Santa Barbara, das Büffelfleisch wird aus Colorado importiert. Anfangs stand auch Klapperschlange auf der Karte und wenig später der Jagdaufseher vor der Tür. "Das Schlangenfleisch kam aus dem Nachbarstaat Nevada, wo der Verkauf erlaubt ist, nicht aber in Kalifornien, aber das wussten wir nicht", entschuldigt Schlicht das kulinarische Vergehen. Das Fleisch wurde beschlagnahmt, die Schlange vom Menü gestrichen.

40 Prozent wollen exotisches Fleisch

Auch der Schneckenburger wurde von der Hauptkarte verbannt, er taucht höchstens noch als seltenes "Special" auf. "Da haben wir Schnecken püriert und mit Truthahn vermischt, aber die Kunden konnten sich mit den Schnecken doch nicht recht anfreunden", bedauert Manz. Seiner Schätzung nach bestellen 60 Prozent der Gäste "normales" Fleisch, die übrigen mögen es exotisch.

So auch Stammkundin Nerin, die gewöhnlich Reh bestellt, aber auch schon mal den Alligator probiert hat. "Dazu braucht man schon etwas Mut", sagt sie lachend. "Es schmeckt anders als Rind, eher wie Huhn aus dem Meer". Die Belohnung: "Das muss man einmal im Leben versucht haben, dann kann man bei seinen Freunden damit angeben."

Und wo sind die Grenzen des guten Geschmacks? "Eigentlich kann man alles auf den Grill werfen", weiß Weltenbummler Schlicht von seinen Reiseerfahrungen. In Korea sei etwa Hundefleisch eine seltene Delikatesse. "Keine Sorge, das wird es bei uns nicht geben, dann werden wir eingesperrt", sagt er im selben Atemzug. Sie hielten sich an die strikten Auflagen. Exotisches Fleisch müsse aus anerkannten Betrieben kommen und werde bei der Einfuhr nach Kalifornien genau kontrolliert.

Anfang Oktober wollen sich die "Crazee Burger"-Erfinder weiter vergrößern. In der historischen Altstadt von San Diego eröffnen sie die erste Filiale, mit doppelt so viel Platz für wagemutige Gäste. Ob sie ihre verrückten Burger auch nach Deutschland bringen würden? In einem Viertel wie München-Schwabing könne das sicher "wunderbar" laufen, meint Schlicht. Die Kundschaft würde ihm nicht fehlen, bestimmt aber die kalifornische Sonne, setzt der gebürtige Münchner gleich hinterher.

Barbara Munker, dpa