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Weingut im Shan-Hochland: Ein Gläschen aus Burma

Foto: SRT/ Simone F. Lucas

Weingut in Burma Dornfelder aus dem Shan-Hochland

Ein gebürtiger Düsseldorfer betreibt mit Gleichgesinnten ein Weingut im Shan-Hochland. Für Bert Morsbach ist das Selbstverwirklichung und Entwicklungshilfe. Die Region ist ihm ans Herz gewachsen - obwohl der Wein nicht so gedeiht wie erhofft.

Im Fass aus Pfälzer Eiche reift der Rote, in laborartigen Stahltanks lagert der Weiße. Das ist wie in den meisten anderen Weinkellern auch - die Lage des Weinguts ist das Außergewöhnliche. Denn dieser Keller befindet sich in Burma. Im Shan-Hochland, in den blauen Bergen von Ayetharyar unweit des Inle-Sees im Osten des Landes.

1997 hat der gebürtige Düsseldorfer Bert Morsbach hier das Weingut Aythaya mit Gleichgesinnten gegründet. Der 75-Jährige hat Bergbau studiert, für die Weltbank gearbeitet, Basmati-Reis importiert und eine Windsurf-Firma gegründet. Warum nicht auch Wein herstellen in Burma, einem Land, in dem es schon seit 1960 Tafeltrauben gibt?

Morsbach ging mit Elan ans Werk: Bodenproben ließ er entnehmen, Wetterdaten sammeln - nur Grund und Boden fehlten. Das Weingut entstand schließlich auf Regierungsland. 13 Hektar wurden auf 35 Jahre gepachtet, acht Hektar sind bewirtschaftet, auf weiteren fünf entsteht die Ferienanlage Monte de Vino - Bungalows in den Weinbergen.

Nur ein Viertel der normalen Erträge

Morsbach hat das Erreichte auch Hans-Eduard Leiendecker zu verdanken. Der diplomierte Weinbauingenieur, der 16 Jahre lang für ein Weingut in der edlen Lage Bernkasteler Doctor gearbeitet hat, unterstützt Aythaya seit sechs Jahren. Die Aufgabe ist für ihn eine echte Herausforderung. "Wir stecken hier noch in den Kinderschuhen", sagt der 55-Jährige.

Wegen des immergleichen Klimas gebe es fast keine Qualitätsunterschiede zwischen den Jahrgängen. "Es fehlt die Lichtmenge, damit die Rebe Früchte ansetzt." Gerade mal ein Viertel der normalen Erträge erreichten sie hier. "Wir können nur versuchen, die Lichtverhältnisse zu verbessern, etwa durch Ausrichten der Triebe und durch Pflanzenschutz gegen Pilze, die schneller wachsen als die Trauben", sagt Leiendecker. Deshalb seien die Produktionskosten zweieinhalb Mal so hoch wie in Europa.

Nicht alle Trauben eignen sich für die Witterung: Mit Shiraz, Sauvignon Blanc und Dornfelder ist der Winzer zufrieden, Cabernet Sauvignon brachte zu geringe Erträge. Rund 120.000 Flaschen hat das Weingut im vergangenen Jahr produziert. Zu wenig, sagt Leiendecker: "Ich komme nicht nach mit der Produktion."

Um einen Teil der Nachfrage zu decken, füllen sie in Ayetharyar inzwischen auch südafrikanischen Wein ab. Immerhin würden in Burma jährlich 500.000 bis eine Million Flaschen Wein importiert, sagt Leiendecker. "Die Mittelschicht fängt an, Wein zu trinken." Er möchte noch lange bleiben. Vor einem halben Jahr hat der geschiedene Vater von drei Kindern wieder geheiratet - eine Burmesin.

Skeptisches Wohlwollen gegenüber den Reformen im Land

Auch Bert Morsbach will nicht mehr zurück nach Deutschland. Er sucht Investoren für die geplanten Bungalows. Die Reichen aus Taunggyi, der nahen Shan-Hauptstadt, sollen hier entspannen und noch mehr Einheimische Arbeit finden. Als ein "Labor der Liebe" betrachtet der Deutsche seine Aktivitäten rund um das Weingut. Er unterstützt vor allem ein von Mönchen geführtes Waisenhaus, in dem 90 Kinder betreut werden - auch von Lehrern, die Morsbach bezahlt.

Die Reformen in Burma betrachten die Deutschen mit skeptischem Wohlwollen. "Kein Land schafft es in zwei Jahren, von einem Paria-Staat zu einem respektierten Land zu werden, in dem sich auch Investoren wohlfühlen", sagt Morsbach. Deutsche Geldgeber sollten sich auf die neuen Möglichkeiten trotzdem einstellen und nicht den asiatischen Nachbarn das Feld überlassen, meint er. "Die machen schon jetzt die ganz großen Geschäfte."

Vor allem der malerische Inle-See lockt Investoren. Die Hotels stehen hier auf Stelzen, die Beete schwimmen auf dem See, Klöster und Dörfer sind mit dem Boot zu erreichen. Der See ist seit dem zwölften Jahrhundert die Heimat der Inthas. Die "Söhne des Sees" wurden aus dem Südosten des Landes vertrieben und waren auch im Land der Shan nicht willkommen. Als Lebensraum blieb ihnen nur der See, auf dem sie schwimmende Gärten anlegten.

Morgens bewegen sich die Fischer in der hier typischen Weise über das Wasser: Während sie auf einem Bein die Balance halten, rudern sie mit dem anderen und haben so beide Hände zum Fischen frei. Doch zunehmend verdrängen Motorboote die alten Kähne. Meist sitzen Touristen darin - auf dem Weg zum Nga-Phe-Chaung-Kloster, das sich sieben Mönche mit Hunderten von Buddhas und ein paar Dutzend Katzen teilen.

Kleidung aus Lotos, Zigarillos aus Tabak mit Zitronensaft

Auch nach Indein fahren die Boote, ein magischer Ort mit größtenteils zerfallenen Stupas. Wie im kambodschanischen Angkor hat sich auch hier die Natur ihren Platz zurückgeholt: Bäume wachsen aus den Ruinen. Am blaugrünen Fluss unter dem Stupa-Hügel plantschen Kinder im Wasser, Frauen baden, ein Schild mahnt Touristen, Menschen nicht in intimen Situationen zu fotografieren. Welch ein Gegensatz zur Phaung-Daw-U-Pagode, der Pagode der königlichen Barke, wo ein Betrieb herrscht wie auf dem Markusplatz in Venedig.

Die Menschen in den Pfahldörfern halten sich mit Handarbeit über Wasser. In Innpawkhon fertigen Frauen an altertümlichen Webstühlen Kleidung aus Seidengarn. Die teuersten Stücke sind unscheinbar grau, aus feinen Fäden, die aus den Fasern des Lotosblumenstängels gesponnen werden.

Etwas weniger aufwendig ist die Herstellung burmesischer Zigarillos. Die leicht süßlich schmeckende Mischung besteht aus Tabak, gehackten Tabakwurzeln, Ananassaft, Palmzucker, Honig, Reisschnaps, Anis und Zitronensaft. Das Ganze wird gedämpft, in Pfefferblätter gerollt und mit Sago verklebt. "Burma war mal Zigarrenland", sagt Morsbach und pafft genüsslich. "Es könnte auch heute wieder Zigarrenland sein." Womöglich hat er schon wieder eine Geschäftsidee.

Simone F. Lucas/srt/emt
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