Tel Avivs Busbahnhof Im Bauch des Elefanten

Der Busbahnhof im Süden von Tel Aviv ist architektonisch eine gigantische Fehlplanung - dafür aber viel mehr als bloß ein Knotenpunkt für Reisende: Auf sieben Etagen hat sich eine ganz eigene Welt entwickelt.

REUTERS/Corinna Kern

Wie ein Amboss aus Sichtbeton wirft der Bau seinen Schatten auf eine Nachbarschaft, die ohnehin wenig Sonne abbekommt. Wer versucht, seinen Weg zu einem der Busse zu finden, die im Minutentakt über Rampen vom Dach des Gebäudes in den Stadtverkehr donnern, und stattdessen hilflos im Bauch des Elefanten herumirrt, der versteht, wieso die Tel Aviver den Bahnhof verfluchen.

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Busbahnhof von Tel Aviv: Schönheit im Chaos

Rotunden, Rampen und Galerien zwirbeln durch die Eingangshalle. Ein Strudel aus Schragen, Winkeln und Walzen hängt über den Köpfen. Von Fahrplänen und Durchsagen nichts zu sehen oder zu hören. Dass die unteren Etagen einmal in Betrieb waren, daran erinnert sich heute kaum noch jemand.

Trotz alledem lohnt es sich, diesem Irrsinn einen Besuch abzustatten: Wo findet man schon mal einen Busbahnhof, in dem sich ein Naturschutzreservat für Fledermäuse verbirgt? Theater und Kirchen, exotische Garküchen und eine Street-Art-Galerie? Oder wie es Mendy Cahan, Kurator der Jiddischen Bibliothek im fünften Stock, ausdrückt: "Gerade im Chaos kann Leben entstehen, wie eine Blume, die durch den Beton bricht."



insgesamt 7 Beiträge
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mafreschi 29.07.2019
1. Ja, der Busbahnhof ist/war cool
In Israel kann man mit dem Bus überall hinkommen und von jeder Ecke des Landes kommt man immer zurück an diesen Busbahnhof. Wirklich ein Dreh- und Angelpunkt. Zu Studienzeiten war das mein "drittes Zuhause". Und immer eine Möglichkeit, auch zu unmöglichsten Zeiten etwas zu essen zu bekommen oder, wenn dann doch kein Bus mehr fuhr, in den umliegenden Straßen ein Sammeltaxi aufzutreiben... Super Bilder, sollte mal wieder hin!
christian.weger 29.07.2019
2. Bisschen kurz
Ich dachte das hört sich interessant an. War schon selbst mal dort. Doch nach der Einleitung... war der Artikel schon zu Ende. Wer arbeitet dort, was ist mit den unteren Etagen, warum nicht mehr in Betrieb, wer hängt dort ab...???
mafreschi 29.07.2019
3. In den 1990ern dachten viele in Israel sehr positiv,
weil die damals obersten beiden Stockwerke des Busbahnhofs für den Fernverkehr in den Libanon sowie nach Syrien und Jordanien gedacht waren. Tja, und wo sind wir jetzt? "Peace now" war damals der Slogan bis I. Rabin ermordet wurde. Immerhin, nach Jordanien kann man mittlerweile direkt einreisen, man muss nicht mehr über Umwege/Drittländer fahren. Ein sehr kleiner Fortschritt in 30 Jahren, der Rest sind eher Rückschritte.
wiesbear 29.07.2019
4. Halbe Nächte dort verbracht
Ich habe als Student Mitte der 90er Jahre im College Beit Berl bei Kfar Saba und an der Universität Tel Aviv studiert und war auf den Bus angewiesen. Dr letzte Bus von Beit Berl ging um 21:00 Uhr und der erste vom Busterminal zurück um 5:00 Uhr morgens. Ich habe halbe Nächte dort verbracht, um mit der Busgesellschaft Eged wieder nach Hause zu kommen.... Ich habe immer wieder spannende Menschen und aufregende Situationen (z. B. Bomben erdacht) erlebt....
Spiegelbild1970 29.07.2019
5. Wo ist der Rest?
Die Einleitung ist ja ganz nett und macht Lust auf mehr. Aber dann ist der Text schon zu Ende. Wo ist der Rest? Oder ist das schon alles? Ratlos.
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