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13. März 2019, 11:06 Uhr

Kultstädtchen an Australiens Ostküste

Ein neuer Tag für Byron Bay

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Er ist der Sehnsuchtsort an Australiens Ostküste: Byron Bay. Hier geht die Sonne als Erstes auf, hier leben Schauspielstars. Doch das Backpacker-Mekka gilt als verlorenes Paradies.

Byron Bay ist einer dieser Barfußorte, wie es sie wohl nur in Australien gibt. Ein Küstenstädtchen, in dem sich der Wohlfühlfaktor daran ablesen lässt, wie viele Stunden pro Tag die Füße in Schuhen stecken - und zwar bestenfalls in Flip-Flops. Frei nach dem Motto: Das Leben ist schön, wenn am Strand die Wellen rauschen.

"Es gibt in ganz Australien keinen Ort, der so ist wie Byron", sagt Tom Ihle. Der 50-jährige Ostberliner ist vor zwölf Jahren nach Australien ausgewandert und hat dort ein Unternehmen für Abenteuertouren gegründet. Eineinhalb Jahre lang ist er zuvor durch das Land gereist, bevor er beschloss, an der Ostküste leben zu wollen. In Byron Bay im Bundesstaat New South Wales. Oder besser: in Byron. So nennen die Einheimischen den Ort.

Was die Lage und Landschaft angeht, könne vielleicht noch Noosa an der Sunshine Coast mithalten, sagt Tour-Guide Ihle. "Aber während dort wohlhabende ältere Menschen und Rentner leben, ist Byron Bay ein Ort voller junger Leute."

Warum diese seit Jahrzehnten herkommen und des Städtchens nicht überdrüssig werden? Anders als an der nur eine Stunde entfernt liegenden Gold Coast gibt es hier keine Hochhäuser und fast keine Fastfood-Läden. Laid back heißt die Zauberformel für den lässigen Lebensstil der Menschen - und einen Hauch davon wollen auch die Touristen atmen. Es sind Leute, die Wellenreiten, die gern in den Tag hineinleben - und sich als moderne Hippies verstehen. "Sie lieben das Kleinstädtische, das Dörfliche an Byron Bay", sagt Ihle.

Bauboom und steigende Mieten

Doch die Idylle hat Kratzer bekommen. In Blogs und Medien beklagen ehemalige Byron-Fans schon das "verlorene Paradies". "Es wurde viel gebaut in den vergangenen Jahren", sagt Ihle. Viele Investoren seien nach Byron gekommen, hätten Baulücken geschlossen. Immer mehr Hotels und Bed & Breakfasts seien in den vergangenen Jahren entstanden. "Die meisten Immobilien in Byron Bay gehören Leuten, die nicht hier wohnen, sondern in Melbourne, Sydney oder Brisbane." Als Konsequenz stiegen die Mieten rasant - ein Zimmer oder ein Apartment in Byron ist für viele unerschwinglich geworden.

Wo Gentrifizierung ist, entstehen oft aber alternative Zentren, die wiederum für ein neues Publikum interessant werden. In Byron Bay ist dies das "Art and Industrial Estate", ein hippes Gewerbegebiet drei Kilometer westlich von Byron. Normalerweise finden sich in solchen Vororten Kfz-Werkstätten und Tischlereien. Aber in Byron haben sich auch kleine Surfshops, Filmproduktionsfirmen und Designer angesiedelt. "Hier ist ein Kreativviertel mit Industrieflair entstanden", sagt Ihle. Cafés, Yoga-Studio und Kunstgalerien inklusive.

Zum Strand ist es aus diesem angesagten Hipster-Vorort auch nicht weit, er liegt ein paar hundert Meter entfernt. Dort, am North Belongil Beach, eröffnete vor einigen Jahren das Elements of Byron Resort, ein Luxushotel, in dem ein Zimmer pro Nacht mindestens 445 australische Dollar kostet (umgerechnet 280 Euro). Teure Resorts gab es zwar auch schon vor 15 Jahren. Aber Byron war in erster Linie berühmt für seine Hostels mit Etagenbetten zum Preis von 20 australischen Dollar pro Nacht (12 Euro).

Byron hat sich verändert. "Klar, dieser Ort leidet unter dem Gewicht seiner unglaublichen Beliebtheit", urteilt auch der Lonely Planet, die Backpacker-Bibel, die im Rucksack vieler Australien-Reisender steckt. Die Schlangen in den Cafés seien zu lang, Byrons Straßen verstopft. "Ziemlich besonders" sei der Küstenort dennoch. Auch wegen seiner Umgebung.

Foodie-Tour und Farm-Besuch

Total im Trend liegt der Gastronomietourismus. In Byrons Industriekiez gibt es inzwischen Foodie-Touren, die zu Bistrobesitzern, Fair-Trade-Kaffeeröstern und Craft-Beer-Brauern führen. Ein günstiges Vergnügen ist so ein kulinarischer Spaziergang nicht gerade. Kadri Kutt, Gründerin von Byron Foodies, verlangt für eine vier- bis fünfstündige Tour 175 australische Dollar (110 Euro) inklusive Verköstigung.

Auch auf dem 80 Hektar großen Bio-Bauernhof The Farm , zehn Minuten von Byron Bay entfernt, hat sich das Thema Essen zur Touristenattraktion entwickelt. Hier laufen Hühner und Schweine frei herum, beim Gemüseanbau verzichten die Betreiber eigenen Angaben zufolge zu 100 Prozent auf Chemikalien. Und Besucher können sich das Ganze gegen Gebühr ansehen.

Zwar bezeichnet sich das 2013 gestartete Landwirtschaftsprojekt des Ehepaars Tom and Emma Lane als working farm, also als bewirtschafteter Bauernhof. Aber es sei irgendwie auch eine display farm, sagt Thomas Ihle. Ein Bauernhof zum Angucken und Staunen. "Dort wird natürlich auch gearbeitet", erklärt Ihle. Die Besucher liefen aber nicht gerade Gefahr, "vom Traktor überfahren zu werden". Dafür gibt es ein Restaurant, ein Café, und die Besitzer verkaufen Bio-Milchprodukte und Blumen.

Die Szene, das Lebensgefühl, die Sonnenscheingarantie - Byron Bays Vorzüge ziehen auch Promis an. Der australische Schauspieler Chris Hemsworth baut derzeit an einer Neun-Millionen-Dollar-Villa. Und auch Kollege Matt Damon mietete sich bereits zeitweise in Australiens Kultküstenort ein - angeblich, weil er es in den USA wegen Präsident Donald Trump nicht mehr aushielt, wie das Nachrichtenportal News.com.au berichtete.

"Damon und Hemsworth trifft man hier tatsächlich auf der Straße", sagt Tour-Guide Tom Ihle. Aber das ist es nicht, warum er so gern in Byron lebt. "Es ist das Hinterland, es ist das subtropische Klima - und der Ozean, der immer so zwischen 20 und 25 Grad Celsius warm ist."

Hier gibt Tom Ihle weitere Tipps für Byron Bay und Umgebung:

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