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Campen in Oman: Wüsten, Wadis, Sternenhimmel

Foto: Claus Hecking

Geheimtipp für Reisende Wildes Campen in Oman

Junge Omaner haben den Trend gesetzt, die Touristen machen es ihnen nach: wildes Zelten in Fjorden, Wadis und Wüsten des arabischen Landes. Wir stellen die schönsten Plätze zum Campen vor.

Als der Muezzin irgendwo in weiter Ferne zum Spätgebet ruft, sind die Stars Omans bereits am Firmament aufgezogen: der Große Bär, Cassiopeia, der Andromeda-Nebel und wie sie alle heißen. Das Abendprogramm am Strand von Fins hat begonnen: Das Meer rauscht, ein laues Lüftchen vertreibt die Hitze des Tages, und über dem Horizont leuchten Galaxien um die Wette.

Wir liegen auf Luftmatratzen im weißen Sand und schauen nach oben. Irgendwann werden wir einschlafen. Friedlich, unter freiem Himmel. Ohne dass wir Angst haben müssen vor Kälte, Regen, Kriminellen, Terroristen oder wilden Tieren. Es hat sich gelohnt, das kleine Abenteuer zu wagen: alle Hotels links liegen zu lassen. Und stattdessen einfach wild zu campieren: in einem arabischen Staat. Auf einem Traumstrand in Oman.

Das Land auf der arabischen Halbinsel ist erstaunlich vielfältig: 2000 Kilometer Küste, Korallenriffs voller bunter Fische, hier und da tummeln sich auch Delfine, Schildkröten oder riesige Sardinenschwärme. Bis zu 3000 Meter hohe Berge ragen in die Höhe, dazwischen mäandern Wadis. In den teils ausgetrockneten Flussläufen tun sich plötzlich grüne Oasen mit natürlichen Schwimmbecken auf.

Wild und sicher zelten

Dazu kann die einstige Weihrauch- und Seefahrernation jahrhundertealte Forts, Bienenkorbgräber und andere Weltkulturerbestätten herzeigen. Der Islam ist hier gemäßigt und vergleichsweise tolerant. Und all das liegt keine sieben Flugstunden entfernt von Deutschland.

Noch immer ist Oman ein touristischer Geheimtipp. Vielleicht liegt es daran, dass einiges hier richtig teuer ist - Mietautos etwa und ganz besonders Hotels. Wer nicht genau vorher plant und klug bucht, der muss schon mal schnell 200 Euro für Durchschnittszimmer hinblättern.

Die Lösung heißt Campen. Reguläre Campingplätze gibt es kaum. Aber dafür kann man fast überall im Land wild zelten. Wir sind ja schließlich in Arabien. Junge Omaner, die man am Wochenende an den schönsten Plätzen oft trifft, haben den Trend geschaffen. Nun machen es ihnen die Touristen nach. Auch Fastanfänger wie wir kriegen das hin. Denn die Kriminalitätsrate ist niedrig, das Wetter fast immer warm und sonnig und zu entdecken gibt es jede Menge.

Ob am Strand oder am Rande eines Canyons, in der Wüste, im Wadi oder im Fjord - SPIEGEL ONLINE stellt die schönsten Campingorte in Oman vor. Und wenn das Lagerfeuer partout nicht zünden will, hilft der Ziegenhirte von nebenan.

Foto: Claus Hecking

Strand-Camping: Der "White Beach" bei Fins

Nomen est omen: Der Sand dieses Traumstrands ist so hell, dass er blendet. Das Meer erscheint noch ein wenig azurblauer als sonst an Omans Ostküste. Und an Tagen mit wenig Brandung können Schnorchler nahe der Felsen am linken und rechten Strandende eine prächtige Unterwasserwelt bestaunen: Korallen, kleine Fische aller Farben, Barracudas - sowie mit etwas Glück sogar den einen oder anderen Rochen.

Das Allerbeste an diesem Platz ist aber die Lage: Keine zehn Autominuten entfernt und auch ohne Allradfahrzeug erreichbar beginnt das Wadi Shab, Omans vielleicht schönstes Flussbett. Nach einer kurzen Bootsfahrt und 45 Minuten Wanderung stößt man auf eine Reihe von Süßwasserpools, in denen man baden kann. Vom vierten Pool aus führt ein schmaler Durchgang in eine natürliche Höhle, ein Wasserfall wird zur Dusche.

Anreise: Von Maskat aus Route 17 etwa 140 Kilometer bis zur Ausfahrt Fins. Durch das Dorf Fins fahren, nach dem Ortsausgang geradeaus auf der Schotterpiste weiter entlang der Küste in Richtung Süden. Nach etwa fünf Kilometern geht links ein Weg zum Strand ab. Ein Allradfahrzeug ist für die Piste nicht notwendig.

Ungefähre Koordinaten: 22.89 N, 59.22 O

Der Platz: Weicher, weißer Sandstrand, oft mit Spuren vergangener Lagerfeuer und Partys. An Wochenenden und Festtagen zelten und feiern hier öfter Gruppen junger Omaner, ansonsten sind die wenigen Touristen meistens unter sich.

Nicht vergessen: Süßwasser zum Trinken und Waschen - in unmittelbarer Nähe gibt es nur Salzwasser. In Fins kann man nur das Allernötigste kaufen, wenn die Läden überhaupt mal offen sind. In Tiwi, etwa zehn Kilometer weiter, kann man besser einkaufen und seinen Hunger in zwei passablen indischen Restaurants stillen.

Canyon-Camping: Auf dem Plateau des Jebel Shams

Foto: Claus Hecking

"Grand Canyon von Arabien" nennen Reiseveranstalter das Wadi Nakhar zu Füßen des rund 3000 Meter hohen Jebel Shams, des "Bergs der Sonne". Die Schlucht ist längst nicht so lang und nicht ganz so tief wie das Original in den USA, aber ähnlich abenteuerlich. Fast tausend Meter senkrecht geht es stellenweise abwärts.

Blicke in die Tiefe bietet eine Wanderung, die vom Dörfchen Al Khitaym auf 1900 Meter Höhe zu einer Geistersiedlung führt. Der markierte Weg, ein alter Eselspfad, läuft immer am Rand des Canyons entlang. Der beliebteste Ort zum wilden Campen ist gerade mal zehn Fahrminuten von Al Khitaym entfernt: ein felsiges Plateau am Canyonrand. In unmittelbarer Nähe kann man auch in den Zelten des Jebel Shams Resort nächtigen.

Anreise: Von Maskat aus Route 15 gen Süden nach Nizwa, danach bei Bahla in Richtung Al-Hamra fahren, immer auf die Berge zu. Dann geht es steil aufwärts, zwischendurch auch über Schotterstraßen. Allradantrieb ist empfehlenswert; Touristen berichten aber, sie hätten es auch mit normalen Fahrzeugen geschafft. Immer der Ausschilderung zum Jebel Shams Resort folgen; das Camping-Plateau liegt wenige Kurven vor dem Resort auf der linken Seite in der Nähe eines kleinen Dorfs.

Ungefähre Koordinaten: 23.18 N, 57.18 O

Der Platz: Fester Sandboden, zwischendrin harte Felsen und Steine. Den Omanern ist es zu kalt; hier nächtigen fast nur Touristen und die mutigsten direkt am Rand der Schlucht. Nachts kommen bisweilen Ziegen vorbei. Menschen ohne mitgebrachter Verpflegung können es im Restaurant des Jebel Shams Resort probieren, sofern es geöffnet ist.

Nicht vergessen: Auf fast 2000 Meter Höhe kann es selbst im Oman nachts richtig kühl und windig werden. Schlafsack und ein gutes Zelt leisten daher gute Dienste, ebenso wie ein Hammer zum Verankern der Heringe. Wer zu nahe am Rand der Schlucht zeltet, riskiert sein Leben.

Wüsten-Camping: Das Wüstenwunder-Camp

Foto: Claus Hecking

Dutzende Meter hohe Dünen, Kamele, Frauen mit Masken vor dem Gesicht, Skorpione und Spuren von Vipern im staubfeinen Sand - wo sonst auf der Welt kommt man so einfach in ein Bilderbuchwüste wie im Norden der Wahiba Sands?

Keine drei Autostunden vom Flughafen Maskat entfernt beginnt die kleinere der beiden großen omanischen Wüsten: 15.000 Quadratkilometer Abenteuer. Die Wege bestehen hier fast nur aus tiefem Sand. Wer kein Auto mit Allradantrieb hat, wenig Fahrerfahrung auf diesem Terrain besitzt oder nicht vorher den Luftdruck der Reifen absenkt, der bleibt garantiert stecken. Aber das gehört ja auch zum Abenteuer dazu. Sofern man weiß, wie man wieder rauskommt.

Anreise: Von Maskat aus Route 15 gen Süden nach Nizwa, danach südöstlich auf Route 23 abzweigen in Richtung Ibra. Von dort aus weiter bis Bidiyah, dem Ausgangsort für die Wahiba und Treffpunkt mit den Campbetreibern. Ohne Allradantrieb geht in der Wüste nichts. Viele Camp-Betreiber holen normalmotorisierte Gäste aber ab, meist gegen Aufpreis.

Ungefähre Koordinaten: 22.36 N, 58.89 O

Der Platz: Aus Angst vor den giftigen Tieren und vor dem Steckenbleiben haben wir in der Wüste nicht wild campiert, sondern uns ins gemachte Zelt bei einem der knapp ein Dutzend kommerziellen Camps einquartiert. Wir haben das "Desert Wonders Camp" gebucht - weil es im Web das preiswerteste war (rund 80 Euro pro Nacht) und gute Bewertungen hatte.

Eigentümer Nasser hat uns abgeholt und zum Camp eskortiert. Von dort bietet er gegen Aufpreis mehrstündige Wüsten-Touren in seinem privaten Geländewagen an. Das Camp selbst besteht aus einem knappen Dutzend soliden Zelten, wir waren in dieser Nacht die einzigen Gäste, ein Koch hat für uns Abendessen gemacht. Sogar eine Art Dusche gab es. Andere Anbieter bieten ähnliche, teilweise auch luxuriösere Dienste an.

Nicht vergessen: Wasser, Wasser, Wasser - gerade dann, wenn man ganz auf eigene Faust unterwegs ist. Unbedingt in einer der zahlreichen Autowerkstätten in Bidiyah für 0,5 Rial (gut ein Euro) den Luftdruck der Reifen absenken lassen.

Pool-Camping: Wadi Bani Khalid

Oman ist berühmt für seine Wadis: Oasen in ausgetrockneten Flussbetten mit wunderbar warmen Naturpools. Und das Wadi Bani Khalid ist eines der grünsten, attraktivsten, obwohl es nur wenige Kilometer Luftlinie von der Wahiba-Wüste entfernt ist. Keine fünf Minuten Fußmarsch hinter dem Eingang zur Schlucht stößt man auf ein türkisfarbenes, stellenweise zwei Meter tiefes Becken voller Fische, das größer sein dürfte als die künstlichen Poollandschaften der meisten Luxushotels. Gerade am Wochenende kommen oft omanische Familien hierher.

Wer sich rechts vom großen Becken leicht bergauf hält, gelangt bald an einsamere, kühlere Pools - und schließlich zur kleinen Muqhal-Höhle, die sich mit eigener Taschenlampe erkunden lässt, allerdings sehr eng und schwül ist. In der Nähe dieser Pools kann man auch sein Zelt aufschlagen.

Anreise: Von Muscat aus Route 15 gen Süden nach Nizwa, danach südöstlich auf Route 23 abzweigen in Richtung Ibra. Etwa zwölf Kilometer hinter Bidiyah links abbiegen, den Berg hoch, dann den Ausschilderungen "Muqhal" oder "Wadi Bani Khalid" folgen. Die Straße endet bei einem Parkplatz. Allradantrieb ist nicht erforderlich.

Ungefähre Koordinaten: 22.55 N, 59.10 O

Der Platz: Teilweise Fels, teilweise Kies. Abends unter der Woche hat man das Wadi oft für sich, sobald die Tagesbesucher verschwunden sind. An Wochenenden zelten hier manchmal junge omanische Männer; stets ist genug Platz für alle da. In den Dörfern auf dem Weg zum Wadi gibt es Lebensmittel und vereinzelt auch Restaurants.

Nicht vergessen: Insektenspray, einen Hammer zum Befestigen der Heringe. Wenn Regengefahr besteht, bloß nicht im Wadi campen. Dort kann es schnell zu unvorhersehbaren Springfluten kommen.

Fjord-Camping: Strand bei Khasab

Foto: Claus Hecking

Die Ausläufer des Hadschar-Gebirges fallen fast tausend Meter senkrecht ab ins Meer, dazwischen liegen schmale, ruhige Buchten mit tiefblauen Wasser. Mit ihren zerklüfteten Fjorden erinnert Musandam an der Nordostspitze der arabischen Halbinsel ein bisschen an Norwegen. Bloß dass das Meer an der Straße von Hormus gut 20 oder 25 Grad wärmer ist als im Atlantik. Und dass hier Delfine über das Wasser springen.

Ein etwa 100 Kilometer breiter Streifen durch die Vereinigten Arabischen Emirate trennt Musandam vom restlichen Oman. Dennoch ist es die Extratour wert - gerade wenn man in Dubai landet oder von hier wieder abfliegt. Die Gebirgswelt ist schroff und wild, und Schnorchler kommen sich schon wenige Meter vor der Küste vor wie im Tropenaquarium. Einzige größere Ansiedlung ist der 19.000-Einwohner-Ort Khasab. Hier kann man am Sandstrand westlich der Stadt zelten.

Anreise: Von Dubai aus immer an der Künste entlang gen Nordosten: über Ras-Al-Khaima und den Grenzübergang Tiwat nach Khasab. Beim Verlassen der Vereinigten Arabischen Emirate wird eine Ausreisegebühr von etwa umgerechnet sieben Euro fällig, bei der Einreise nach Musandam ein neues Visum für fünf Rial (gut zehn Euro). Der große Strand, der etwa ein Kilometer vor dem Ortseingang kommt, ist nicht zu übersehen.

Ungefähre Koordinaten: 26.21 N, 56.24 O

Der Platz: Goldgelber, muschelübersäter Sandstrand. Zur Dämmerung hat man immer Gesellschaft von Einheimischen, die hier ihren Feierabend verbringen, baden oder picknicken gehen. Danach muss man ihn sich allenfalls mit ein paar Touristen teilen. Am Wochenende kommen Expats aus Dubai in ihr Naherholungsgebiet. In Khasab gibt es mehrere gute Restaurants.

Nicht vergessen: Für die Durchreise durch die Vereinigten Arabischen Emirate braucht man für im Oman geliehene Fahrzeuge eine Extra-Versicherung. Sonst kann es passieren, dass man am Übergang abgewiesen wird.

Reiseziel Oman

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