Cape Canaveral Griff nach den Sternen

Einmal den Mond berühren, einmal Astronaut sein: Solche Kinderträume locken jährlich 1,5 Millionen Besucher nach Cape Canaveral. Besucher des US-Raumfahrtzentrums können bald am eigenen Leib spüren, wie sich ein Raketenstart anfühlt - im Space-Shuttle-Simulator mit Sternenblick.


Cape Canaveral - Manchmal wirkt der Mond am Nachthimmel zum Greifen nahe. An einem Ort kann man ihn tatsächlich berühren - im Kennedy Space Center (KSC) an der Ostküste Floridas in den USA. Rund 3,7 Milliarden Jahre alt ist das 17 Gramm schwere Stück Mondgestein, das dort im Apollo/Saturn-V-Zentrum auf einem Sockel liegt.

Zur Erde gebracht hat es der Astronaut Jack Schmitt mit der Apollo-17-Mission im Jahr 1972. Heute ist es ein Stück Raumfahrtgeschichte zum Anfassen und nur eine von vielen Attraktionen in Cape Canaveral. Etwa 1,5 Millionen Touristen kommen pro Jahr in das Besucherzentrum des "Weltraumbahnhofes", von dem aus die NASA auch ihre Space Shuttles ins All starten lässt.

Im Kennedy Space Center lässt sich locker ein ganzer Tag verbringen. Wer sich für die US-Raumfahrtgeschichte interessiert, wird selbst das als nicht genug empfinden. Auf dem Freigelände sind zum Beispiel acht Raketen aus den Mercury-, Gemini- und Apollo-Programmen der sechziger und siebziger Jahre ausgestellt und dienen als beliebte Fotomotive. Mit der "Explorer" steht der originalgetreue Nachbau eines Space Shuttles nicht weit entfernt.

Höhepunkt ist eine Saturn-V-Rakete

Eine Gedenkstätte erinnert an die 24 NASA-Astronauten, die im Einsatz ums Leben gekommen sind. Und dann ist da noch der Mann im dicken weißen Raumanzug, der Hände schüttelnd die Runde macht. In seinem Rucksack befindet sich - wie einst auf dem Mond - eine Art Lebenserhaltungssystem: eine Klimaanlage, ohne die es für den Darsteller in der Hitze Floridas wohl nicht auszuhalten wäre.

Zum Besuch gehört auch eine Tour, die über das weitläufige Gelände der Raketenabschussbasen von Cape Canaveral führt. Der Bus legt etliche Kilometer zurück, um zum Beispiel das "Vehicle Assembly Building" zu erreichen, in dem einst die Mondraketen montiert wurden. Auch die Abschussrampen 39a und 39b, an denen die Space Shuttles in den Weltraum starten, bekommen die Teilnehmer zu sehen, wenn auch nur aus einiger Entfernung. Zu den Höhepunkten der Tour zählt dann das Apollo/Saturn-V-Zentrum. Hier ist eine von den drei Saturn-V-Raketen ausgestellt, die nach Einstellung des NASA-Mondprogramms übrig waren.

Raketenstart im Kinosessel

In einem zum Kino umfunktionierten Kontrollzentrum erleben die Besucher mit, wie ein Apollo-Start in den späten sechziger Jahren abgelaufen ist. Wer anschließend an der 110 Meter langen Rakete mit den fünf riesigen Triebwerken entlang spaziert, lernt die Geschichte der Apollo-Missionen kennen: von der ersten Mondumrundung mit Apollo 8 über die dramatische Rettungsaktion für Apollo 13 bis zur bislang letzten Reise, von der das Stück Mondgestein zum Anfassen stammt.

Der Eintrittspreis des Besucherzentrums beträgt regulär 38 Dollar (30,15 Euro) und für Kinder bis elf Jahre 28 Dollar (22,20 Euro). Für Familien kann der "Ausflug Richtung All" also schnell ein teurer Tag werden. Die KSC-Betreiber kontern solche Einwände mit dem Hinweis, für ein Tagesticket zahle man in vielen Vergnügungsparks in den USA mehr Geld. Außerdem sei das Besucherzentrum unabhängig von Steuergeldern und müsse sich aus eigener Kraft finanzieren.

Im Jahr 2007 wird das Besucherzentrum 40 Jahre alt. Gewissermaßen als Geschenk gönnt sich das Kennedy Space Center dann auch eine neue Attraktion: Vom 26. Mai an sollen die Besucher nachempfinden können, wie sich ein Space-Shuttle-Start für die Astronauten anfühlt.Bis zu 1200 Besucher pro Stunde sollen durch die vier parallel arbeitenden Simulatoren geschleust werden. In ihnen werden die Touristen 4,5 Minuten lang durchgerüttelt und -geschüttelt, ehe sich die "Dachluke" des Raumgleiters öffnen und einen Blick auf die Sterne freigeben wird. Der Simulator werde "einzigartig auf der Welt sein", verspricht KSC-Sprecherin Andrea Farmer. Der Countdown zur Eröffnung läuft.

Christian Röwekamp, gms



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.