Öffnung nach zwei Jahren Japan empfängt wieder Urlauberinnen und Urlauber

Fans der Inselnation können sich freuen: Ab Dienstag ist die Einreise nach Japan wieder visafrei – und unkomplizierter. Bis der Tourismus sich dort wieder erholt, wird es aber noch Jahre dauern.
Naha (April 2022): Ab 11. Oktober können auch deutsche Touristen wieder ohne Visa nach Japan

Naha (April 2022): Ab 11. Oktober können auch deutsche Touristen wieder ohne Visa nach Japan

Foto: Carl Court / Getty Images

Mehr als zwei Jahre hat sich Japan gegenüber Urlauberinnen und Urlaubern abgeschottet. Ab Dienstag wird der ostasiatische Inselstaat die Visafreiheit für Dutzende von Ländern wieder einführen  und einige der strengsten Grenzkontrollen der Welt aufheben.

Deutsche Reisende können dann wieder ohne Visumsantrag einreisen – sofern sie dreifach geimpft sind oder einen aktuellen PCR-Coronatest am Flughafen vorzeigen können. Die Obergrenze für die Zahl der Touristen, denen die Einreise gewährt wird, wird ganz abgeschafft.

Aus Angst vor dem Coronavirus schloss die Regierung die Grenze im Frühjahr 2020 und begann erst im Juni dieses Jahres, die Einschränkungen für Gruppenreisen zu lockern. Das Verfahren erwies sich für viele Touristen allerdings als zu kompliziert, da es die Einholung einer Genehmigung über ein japanisches Reisebüro erforderte und oft mit hohen Gebühren oder Provisionen verbunden war.

Premierminister Fumio Kishida, der Ende September die Lockerungen der Einreisebestimmungen verkündete, setzt nun auf den Tourismus, um die Wirtschaft anzukurbeln und von der Talfahrt des Yen zu profitieren, der so niedrig steht wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Auf einen sofortigen Boom hoffen allerdings zurzeit nur wenige. Zu viele Geschäfte sind noch oder wurden ganz geschlossen, und der Personalmangel im Gastgewerbe ist erheblich.

»Die Beschränkungen sind immer noch sehr streng«

Auf dem Flughafen Narita bei Tokio, Japans größtem internationalem Flughafen, ist es zurzeit noch ruhig. Etwa die Hälfte der 260 Geschäfte und Restaurants an dem Airport sind verriegelt. »Es ist wie eine halbe Geisterstadt«, sagte eine Passagierin aus Neuseeland über den Abflugbereich von Terminal 1 der Nachrichtenagentur Reuters.

So musste die Kette »Amina Collection Co.« drei ihrer Souvenirläden in Narita schließen, Personal und Waren wurden zu anderen Standorten verlagert. In der Pandemie konzentrierte sich das Unternehmen auf den Tourismus innerhalb Japans. Die Shops auf dem internationalen Flughafen würden wohl erst im Frühjahr wieder öffnen, sagte der Unternehmenschef zu Reuters: »Ich glaube nicht, dass es eine plötzliche Rückkehr zu der Situation vor der Pandemie geben wird. Die Beschränkungen sind im Vergleich zu anderen Ländern immer noch sehr streng.«

In Japan wird nach wie vor dringend empfohlen, in geschlossenen Räumen Masken zu tragen und sich nicht lautstark zu unterhalten. Das Kabinett genehmigte am Freitag eine Änderung der Hotelvorschriften, sodass sie Gäste abweisen können, die sich während eines Ausbruchs nicht an die Infektionskontrollen halten.

Fuji im November: Einreiselockerung rechtzeitig zur Herbstsaison

Fuji im November: Einreiselockerung rechtzeitig zur Herbstsaison

Foto: TORU YAMANAKA/ AFP

Bisher sind in diesem Jahr lediglich etwas mehr als eine halbe Million Besucher nach Japan gereist – nur ein Bruchteil der Zahl von 2019, als ein Rekord von 31,8 Millionen erreicht wurde. 2020, im Jahr der Olympischen Sommerspiele, wollte die Regierung 40 Millionen erreichen, bis sowohl der Wettbewerb als auch das Ziel an der Pandemie scheiterte. Kishida gab in der vergangenen Woche ein neues Ziel aus: fünf Billionen Yen (35,5 Milliarden Euro) Einnahmen durch Touristinnen und Touristen pro Jahr.

Dieses Ziel könnte für die durch die Pandemie geschwächte Industrie jedoch zu ehrgeizig sein: Die Ausgaben ausländischer Besucher würden bis 2023 nur 2,1 Billionen Yen erreichen und erst 2025 das Niveau von vor der Pandemie übertreffen, schrieb der Ökonom Takahide Kiuchi in einem Bericht.

Drei Viertel der Hotels fehlt Personal

Neben eventuell abschreckenden Coronamaßnahmen stellt der Personalmangel ein Problem dar: Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Teikoku Databank gaben im August landesweit fast 73 Prozent der Hotels an, dass ihnen reguläre Arbeitskräfte fehlten, im Vergleich zu 27 Prozent ein Jahr zuvor. Nach Angaben der Regierung war die Beschäftigung im Hotelgewerbe zwischen 2019 und 2021 um 22 Prozent zurückgegangen.

Viele Beschäftigte im Gastgewerbe haben in den letzten zwei Jahren bessere Arbeitsbedingungen und Löhne in anderen Bereichen gefunden, sodass es schwierig sein könnte, sie zurückzuholen, sagte ein Berater für Tourismusunternehmen, der anonym bleiben möchte, gegenüber Reuters: »Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist für seine niedrigen Löhne berüchtigt. Wenn die Regierung den Tourismus als Schlüsselindustrie betrachtet, sind wahrscheinlich finanzielle Unterstützung oder Subventionen erforderlich.«

In Japan waren die strengen Grenzkontrollen während des größten Teils der Pandemie sehr beliebt, und die Angst vor dem Auftauchen neuer Virusvarianten bleibt bestehen. Viele fragen sich nun, ob die Besucher aus Übersee Masken tragen und sich an andere in Japan übliche Infektionskontrollen halten werden. »Vom Beginn der Pandemie bis jetzt hatten wir nur wenige ausländische Gäste«, so ein Tokioter Gastwirt. »Fast alle von ihnen trugen Masken, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Leute, die uns von jetzt an besuchen, das auch tun werden. Mein Plan ist, sie freundlich zu bitten, eine Maske zu tragen, wenn sie sich im Gebäude aufhalten.«

Er freue sich auf die Rückkehr ausländischer Touristen, die früher bis zu 90 Prozent der Gäste in seinem traditionellen, in dritter Generation geführtem Gasthaus ausmachten: »Ich hoffe und erwarte, dass viele Ausländer nach Japan kommen werden, genau wie vor Corona.«

abl/Reuters/AP
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