Folgen der Coronakrise Auf Weltreise - und plötzlich ist Schluss

Per Fahrrad, Van oder Anhalter sind sie unterwegs, oft seit Monaten. Doch das Coronavirus stoppt auch Weltreisende. Wie geht es ihnen? Sieben Menschen erzählen.
Von Melanie Maier

Urlaube werden aufgrund der Coronakrise abgesagt, Touristen aus ihren Reiseländern nach Deutschland zurückgeholt. Und Menschen, die zurzeit auf Weltreise und fern ihres Heimatlandes sind, stellt sich die Frage: Soll ich weiterreisen? Oder doch lieber so schnell wie möglich nach Hause?

Die Entscheidung hängt unter anderem davon ab, wie die Situation vor Ort ist, ob Grenzen gesperrt und Flüge verfügbar sind, ob das Aufenthaltsland Visa verlängert, man sich selbst oder andere mit der Weiterreise gefährdet. Dazu kommt: Die Lage vor Ort kann sich zu jeder Zeit verändern. Egal ob es sich um Vietnam, Martinique, Ecuador oder die Schweiz handelt. Hier erzählen sieben Paare und Soloreisende von ihren Erlebnissen.

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Weltenbummler in Corona-Zeiten: Vom Virus ausgebremst

Fahrradfahrerin in Ecuador: nach 41.000 Kilometern ausgebremst

Seit mehr als Tausend Tagen radelt Luisa Rische, 31, aus Lübeck um die Welt. Der Ausbruch des Coronavirus überraschte die Journalistin auf dem Weg von Ecuador nach Kolumbien: Kurz vor ihrer geplanten Einreise wurde der Grenzübergang geschlossen. Nun ist sie auf dem Weg zurück nach Deutschland.

"Nur ein paar Tage lang war ich offline. Trotz Dauerregen bin ich lange Strecken geradelt, um von Ecuador schnell nach Kolumbien zu kommen. Aber plötzlich hat sich alles geändert. Als ich in Ibarra, nur 150 Kilometer entfernt von der kolumbianischen Grenze, ankam, wurde ich darüber informiert, dass die Grenze geschlossen ist. Nichts geht mehr.

Laut den aktuellen Nachrichten lässt die kolumbianische Regierung bis 30. Mai niemanden mehr ins Land. In Ecuador herrscht komplette Ausgangssperre. Nur zum Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten dürfen wir unsere Häuser noch verlassen. Das Militär setzt den Hausarrest durch. Die Maßnahme ist richtig. Aber für mich fühlt es sich so an, als wäre ich gegen eine Wand gefahren. Vor ein paar Tagen war ich noch im kompletten Vorwärts-Modus, dann konnte ich mich plötzlich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Ich musste die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass ich zehn Wochen lang am selben Ort festsitzen könnte.

Das fühlt sich seltsam an, nachdem ich innerhalb von drei Jahren ungefähr 41.000 Kilometer geradelt bin, immer in Bewegung war. Plötzlich ist diese Freiheit verschwunden, mich mit meinem Fahrrad uneingeschränkt durch diese Welt bewegen zu können. Vielleicht könnte das die positive Seite des Coronavirus sein: dass wir dieses Privileg wieder zu schätzen lernen.

Mein ursprünglicher Plan war es, an die Küste Kolumbiens zu radeln und von dort per Anhalter mit einem Boot zurück nach Spanien, Portugal oder auch Marokko zu fahren, anschließend je nach Lust und Laune per Rad durch Europa zurück nach Deutschland. Daraus wird nun nichts mehr.

Das Coronavirus stellt seit Wochen die Welt auf den Kopf, doch in Südamerika und auf meiner Reise ist es erst jetzt spürbar. Petra und Johannes, zwei deutsche Auswanderer, die in Nueva Loja am östlichen Grenzübergang nach Kolumbien leben, haben angeboten, mich auf ihrer Finca aufzunehmen. Doch die Distanz von 340 Kilometern ist zurzeit unüberwindbar. Denn wer dabei erwischt wird, den Hausarrest zu verlassen, dem drohen ein bis drei Jahre im Gefängnis.

Inzwischen habe ich einen Flug nach Deutschland erwischt. Es geht nach Hause."

Auf Instagram: @mybiketheworldandi 

Segler in Martinique: zwei Schritte vor und zwei zurück

Auf dem eigenen Segelschiff in der Karibik: So lässt sich die Coronakrise aushalten. Das Virus gefährdet allerdings die Existenz von Romina Mikoteit, 37, und Martin Geißler, 36. Die Digitalnomaden vermieten möblierte Zimmer in Hamburg. Einige Mieter haben bereits abgesagt.

"Wir liegen mit unserem Segelschiff 'flow' in Sainte-Anne vor Anker. Das ist eine große Bucht auf dem französischen Übersee-Départment Martinique in der Karibik. Eine Woche hätten wir noch gebraucht, um Reparaturen zu erledigen, dann wäre Zeit gewesen, um weiterzureisen. Vom Norden Martiniques wollten wir zur Nachbarinsel Dominica segeln - ein Traum seit dem Beginn unserer Reise. Dominica soll superschön sein, mit vielen Wasserfällen und Regenwäldern. Darauf hatten wir uns schon gefreut.

Lange haben wir hier von der Coronakrise gar nichts mitbekommen. An einem Abend waren wir noch am Strand. Es war rappelvoll, alle waren draußen, grillen und Bier trinken, das pure karibische Leben. Am selben Tag ist die erste Frau am Coronavirus gestorben, nicht weit entfernt von unserer Bucht. Daraufhin wurden die Schulen geschlossen, jetzt gilt eine zweiwöchige Ausgangssperre.

Seither sieht es auf Martinique ganz anders aus. Die Supermärkte sind nur vormittags geöffnet und lassen nur wenige Kunden auf einmal herein. Viele Menschen tragen Atemschutzmasken, die Angestellten an den Kassen Handschuhe. Die Schlangen vor den Supermärkten sind sehr lang, nur im Bioladen kommt man noch relativ schnell durch. Angst vor dem Coronavirus haben wir nicht. Natürlich wollen wir das Virus aber auch nicht übertragen, deshalb sind wir vorsichtig und halten uns an die Vorschriften.

Sorgen machen wir uns eher um unsere Finanzen. Wir haben zwei große Gewerbeflächen in Hamburg angemietet, auf denen wir möblierte Zimmer monatsweise vermieten. Für April haben die ersten Mieter abgesagt, andere sind frühzeitig abgereist. Die Mieten sind unsere einzige Einnahmequelle. Außerdem sind wir für eine Mitarbeiterin verantwortlich, die sich vor Ort um alles kümmert.

Für uns bedeutet die Ausgangssperre, dass wir unser Schiff nur noch verlassen dürfen, um Wasser und Lebensmittel einzukaufen oder vielleicht am Strand zu spazieren. Immerhin ist das noch möglich - auf der 'flow' können wir quasi nur zwei Schritte vor und zwei zurückgehen.

Die geplanten Reparaturen können wir nicht erledigen: Die Bootsausrüster sind wie alle kleinen Läden geschlossen. Aber zu bleiben, wo wir sind, ist sowieso gerade das Einzige, was uns übrig bleibt. Unser Schiff ist unser Zuhause, und Flüge gibt es ja auch kaum mehr zurück nach Deutschland. Für uns ist das in Ordnung. Wir haben es ja nicht schlecht getroffen in der Karibik, mit Sonnenschein, in einer Bucht. Außerdem sind wir auf europäischem Boden, Martinique gehört zu Frankreich. Wir müssen uns also keine Sorgen um unsere Aufenthaltsgenehmigung machen.

Andere Segler hatten nicht so viel Glück: Ein paar haben die Nachbarinsel St. Lucia verlassen, als das noch möglich war, und konnten bei der nächsten nicht einreisen. Nach St. Lucia dürfen sie aber auch nicht mehr zurück. Jetzt treiben sie auf dem Meer."

Auf Instagram: @flow.adventure 

Digitalnomaden in Vietnam: keine Heimat mehr

In Vietnam fühlen sich Ieva Augusto, 34, und César Augusto, 37, aus Litauen und Brasilien momentan relativ sicher. Statt wie geplant durch Korea, Taiwan und Japan zu reisen, werden sie versuchen, ihre Visa für Vietnam zu verlängern und bis auf Weiteres im Land zu bleiben.

"Seit Mitte Januar sind wir in Vietnam. In der Küstenstadt Da Nang haben wir uns eine Wohnung gemietet und einen Roller gekauft. Seit fast dreieinhalb Jahren verbringen wir die Sommer in Europa, die Winter in Asien. Normalerweise bleiben wir drei Monate an einem Ort und arbeiten, danach reisen wir etwa einen Monat. Das ist für uns der ideale Rhythmus.

Wir haben eine eigene Digitalagentur. Seit die Regierungen in Europa die Lage ernster nehmen, haben unsere Kunden angefangen, einige Projekte neu auszurichten. Zum Glück haben wir gespart, und die Lebenshaltungskosten in Asien sind erschwinglich. Wir brauchen nicht viel Geld zum Leben. Nun würden wir unsere Visa in Vietnam gern verlängern, wenn möglich. Hier fühlen wir uns sicherer als in Europa. 

Die vietnamesische Regierung geht unserer Meinung nach gut mit der Situation um und hat den Ausbruch des Virus von Anfang an sehr ernst genommen. Die Grenzen wurden geschlossen, ganze Straßen unter Quarantäne gestellt, wenn sich jemand infiziert hatte. Die Armee versorgt Betroffene und ihre Familien mit Lebensmitteln. Schulen und Kindergärten sind, soweit wir wissen, seit dem chinesischen Neujahrsfest geschlossen. Weil es damals erst wenige Fälle gab, wirkte die Maßnahme ein bisschen übertrieben, jetzt erscheint sie uns angemessen.

Der Alltag in Vietnam ist noch relativ unverändert. Erst vor Kurzem wurden Museen und andere Touristenattraktionen geschlossen. Supermärkte und Läden sind noch geöffnet, die Regale voll - bis auf Reisnudeln. Auch die kleinen Läden, die nur Reis verkaufen, sind wie leer gefegt. Toilettenpapier zu bekommen ist aber kein Problem: Hier in Asien haben alle Toiletten eine Bidetfunktion.

Atemschutzmasken dagegen sind aus den Läden verschwunden. Unser Vermieter hat uns zum Glück dabei geholfen, welche zu bekommen, denn alle Einheimischen tragen Masken, und als Tourist ist man gut beraten, das ebenfalls zu tun. In Vietnam herrscht der Eindruck, Europäer und andere Ausländer würden die Situation nicht ernst genug nehmen und die Krankheit auf Vietnamesen übertragen.

César kommt aus Brasilien, hat aber einen britischen Pass. Ieva war zehn, als sie Litauen verlassen hat und nach Frankreich gezogen ist. Wir fühlen uns als Weltbürger. Das ist zwar sehr schön - in einer Situation wie dieser aber auch ein bisschen komisch. Denn wir haben keine Heimat, in die wir einfach zurückkehren könnten. Wenn wir von der vietnamesischen Regierung weggeschickt würden, wüssten wir nicht, wohin wir wollten."

Van-Fahrer in Deutschland: verhinderte Abschiedstour

Die Fahrt mit ihrem Campervan "Justus" durch die Beneluxstaaten sollte für Jana Evers, 32, und Mark Schulze, 35, aus Hamburg und Berlin die Abschiedstour vom Nomadenleben sein. Zwei Jahre waren sie in Europa unterwegs und haben währenddessen gearbeitet. Jetzt geht es durch die deutschen Nationalparks.

"Die Fahrt durch die Beneluxstaaten sollte unsere Abschiedstour vom Nomadenleben sein. Wir haben entschieden, dass wir wieder in unsere Wahlheimat Stuttgart ziehen wollen. Nach zwei Jahren unterwegs haben wir uns nach der Normalität eines Alltags gesehnt, in der wir abends Freunde treffen oder zum Sport gehen können - aber daraus wird ja erst mal nichts.

Am 12. März sind wir aus dem Saarland nach Luxemburg gefahren, da war die Lage noch nicht so kritisch. Zu dem Zeitpunkt wurden Großveranstaltungen abgesagt. Wir hatten Corona auf dem Schirm, hielten es aber für in Ordnung, loszufahren. Während der ersten zwei Tage war alles noch normal. Aber dann kamen stündlich Nachrichten-Updates. Da haben wir uns zum ersten Mal überlegt, ob wir zurückfahren sollen. Ob es momentan überhaupt Sinn ergibt zu reisen.

Als verkündet wurde, dass die Ausgangssperre in Belgien kommt, war für uns sofort klar, dass wir zurück nach Deutschland fahren. Es ist zwar auch in Belgien nicht verboten, in der Natur zu sein, aber für uns hätte es sich falsch angefühlt, als Ausländer mit dem Bus durch Belgien zu reisen.

Wir erkunden nun Nationalparks in Deutschland und werden uns in ein paar Tagen bei Janas Eltern südlich von Hamburg einquartieren. Wir haben von Tag zu Tag geplant, weil die Nachrichtenlage sich fast stündlich änderte - brechen aber nun unsere Reise ab. Wir fühlen uns wie in einem schlechten Film. Einem, den man ansieht und denkt: Das passiert uns nie.

Wir haben uns natürlich gefragt, ob es unverantwortlich war, in Deutschland weiterzufahren. Jetzt denken wir, dass es das Beste war, was wir machen konnten. Im Bus, isoliert zu zweit, fühlen wir uns noch relativ sicher. Städte meiden wir, auch Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, in denen man sich als Tourist nicht aufhalten sollte, und sind eigentlich nur in der Natur. Wir sind kaum anderen Menschen begegnet - das fehlte uns. Auch Freunde haben wir nicht besucht, die uns eingeladen hatten.

Trotzdem fühlt sich das Unterwegssein komisch an. Während viele andere zu Hause bleiben müssen, erleben wir schöne Momente in der Natur."

Auf Instagram: @project_justus 

Fotograf in Chile: Selbstquarantäne im Van

In Hongkong hat Alexander Friedrich, 31, die Massenproteste gegen die Peking-nahe Regierung miterlebt, auf den Philippinen den Ausbruch des Vulkans Taal. Jetzt hat der Fotograf und Videograf aus Bamberg am Lago General Carrera, dem größten See Chiles, seinen Van geparkt und sich in Selbstisolation begeben.

"In Chile hatte ich mir einen Campervan ausgeliehen. Damit wollte ich von Patagonien bis in den Norden Chiles fahren. Einen relativ langen Teil der Strecke hätte ich in Argentinien zurücklegen müssen, weil es in Chile keine Straße, sondern nur eine Fährverbindung gibt.

Am Tag, nachdem ich in Argentinien angekommen bin, hat die argentinische Regierung aber alle Nationalparks geschlossen. Das war am 15. März. Kurz darauf habe ich die Nachricht bekommen, dass Chile drei Tage später die Grenzen dichtmachen würde. Weil ich den Van dort wieder abgeben muss, habe ich mich sofort auf den Weg dorthin gemacht: rund 800 Kilometer auf teilweise nicht asphaltierten Straßen. Es wurde zu einem Rennen gegen die Zeit. Ich bin die komplette Strecke durchgefahren, ohne mir unterwegs etwas anzusehen.

Zwischen den beiden Grenzregionen habe ich ein bisschen Taxi gespielt. Alle Chilenen, die noch in Argentinien waren, wollten zurück in ihre Heimat. Die Beamten in Argentinien haben uns mit Mundschutz und Handschuhen zur Grenze eskortiert, getestet wurde keiner.

Angst vor dem Coronavirus habe ich persönlich nicht. Ich habe Maschinenbau studiert, ich sehe das als Naturwissenschaftler. Ich bin gesund, und es heißt ja, dass das Virus für meine Altersgruppe weniger bedrohlich sei als für andere. Selbstverständlich halte ich mich an die Hygienemaßnahmen, halte Abstand von anderen, im Speziellen von der Risikogruppe, den Älteren.

Ich verfolge natürlich auch, welche Anweisungen das Auswärtige Amt gibt, ob man nach Hause kommen soll. Aus meiner Sicht bin ich in meinem eigenen kleinen Quarantänelabor in Patagonien, wo kaum jemand unterwegs ist, gerade aber sicherer als in Deutschland. Am See General Carrera, nahe dem Ort Chile Chico an der Grenze zu Argentinien, habe ich mir jetzt ein schickes Plätzchen am Strand gesichert und mich mit Essen eingedeckt. Da die Nationalparks in Chile ebenfalls geschlossen sind, werde ich an Orte fahren, die außerhalb des Touristenradars liegen. Frei bewegen darf man sich im Moment zum Glück noch.

Mal sehen, ob ich es bis Juni nach Peru schaffe. Von dort geht mein Flieger nach Alaska. Auf der Insel Kodiak wollen mein Bruder und ich zusammen Bären filmen - das ist ein gemeinsamer Kindheitstraum von uns beiden. Ob das klappt, weiß ich nun nicht - und wohl niemand."

Auf Instagram: @weltreisemitalex 

Vollzeitnomaden in Indonesien: "Corona, Corona!"

Mit einer der letzten Fähren sind Sina Bohsung, 28, und Niels Angne, 29, von Malaysia nach Indonesien übergesetzt. Wegen des Coronavirus muss das Paar aus Lörrach seine Route zwar nicht groß ändern, wohl aber ihre Art zu reisen: Statt per Anhalter zu fahren, bleiben die beiden länger an einem Ort.

"Wäre das Virus nicht ausgebrochen, hätten wir zwei weitere Wochen in Malaysia verbracht. Wir hatten vor, nach Singapur zu reisen und von dort mit dem Schiff nach Indonesien zu fahren. Dort wollten wir sechs Monate bleiben. Als jedoch klar war, dass verschiedene Länder anfangen, ihre Grenzen zu schließen, haben wir uns dazu entschieden, so schnell wie möglich weiterzureisen.

Von dem Ort Malakka sind wir mit der Fähre nach Dumai, einer Stadt auf der Insel Sumatra, gefahren. Am Hafen durfte zunächst niemand aussteigen. Mitarbeiter des Gesundheitsamts kamen aufs Schiff und haben bei allen Fieber gemessen. Da wir bereits seit Anfang des Jahres in Malaysia waren, war die Einreise kein Problem. Am Zoll mussten wir unsere Fingerabdrücke abgeben. Uns fiel auf, dass der Fingerabdruckscanner nicht desinfiziert wird - obwohl überall Schilder hängen, die zeigen, wie man sich verhalten soll.

Mit dem Nachtbus ging es weiter zum Tobasee, rund 400 Kilometer westlich von Dumai. Normalerweise trampen wir. Aber seit dem Ausbruch des Virus versuchen wir, so wenig Kontakt wie möglich mit anderen zu haben. Deshalb haben wir uns hier, auf dem Land, für zwei Wochen eine Unterkunft gemietet und uns quasi selbst in Quarantäne begeben.

Seit wir in Indonesien angekommen sind, ist uns vor allem eine Situation im Kopf geblieben. Ein paar Leute haben mit dem Finger auf uns gezeigt, den Pulli über den Mund gezogen und gerufen: "Corona, Corona!" Einige Einheimische sind wohl der Meinung, dass die Europäer das Coronavirus einschleppen.  Auch die Frage, ob wir aus Italien kommen, wird uns nun oft gestellt.

Wir wollen nun Atemschutzmasken kaufen. Wir möchten auf keinen Fall den Eindruck vermitteln, dass Europäer keine Rücksicht auf andere nehmen. Denn egal in welcher Situation: Als Reisende hinterlassen wir immer ein Bild im besuchten Land. Diese Verantwortung ist uns mehr denn je bewusst."

Auf Instagram: @travel.owls 

Schweizer daheim: Flucht aus Ecuador

Deborah Zenhäusern, 24, und Jean-Marc Vogel, 31, wollten insgesamt ein Jahr unterwegs sein - wegen des Ausbruchs des Coronavirus mussten sie ihre Weltreise nach zehn Monaten unterbrechen. Seit dem 15. März sind sie wieder zu Hause in der Schweiz.

"Wir hatten eigentlich schon am Flughafen in Ecuador eingecheckt und standen am Gate für unseren Flug nach Peru. Dort hätten wir an einer 21-tägigen Gruppenreise teilnehmen sollen. Wir redeten über den Ausbruch des Virus und die Auswirkungen auf unsere Reise - das hatten wir bis dahin noch gar nicht so richtig gemacht. Vielleicht, weil wir ein bisschen Angst hatten vor dem, was passieren könnte. Unsere Eltern haben uns auch geschrieben, ob wir nicht nach Hause kommen wollen.

In den zwei Wochen in Ecuador haben wir von der Krise kaum etwas bemerkt. Es gab erst 17 Infizierte zu dem Zeitpunkt. Erst am Tag, bevor wir abreisen wollten, haben die Leute angefangen mit Hamsterkäufen. Donald Trump hatte zwar schon verkündet, dass er keine Europäer mehr in die USA lässt - aber eben nur diejenigen, die innerhalb der letzten 14 Tage in Europa waren. Am Tag unserer Abreise kam aber noch die Nachricht, dass Peru, unser nächstes Reiseland, Flüge nach Europa einstellen würde. Und da, am Gate, hat Deborah dann richtig Panik bekommen.

Wir entschieden uns dazu zurückzufliegen. Als Erstes mussten wir schauen, dass wir unser Gepäck wiederbekommen. Und dass wir den Ausreisestempel annullieren lassen, der war nämlich schon im Pass. Das hat ungefähr zwei Stunden gedauert. Draußen, vor dem Flughafen, haben wir den Rückflug in die Schweiz gebucht für denselben Abend.

Wir sind von Quito über Houston und Washington nach Zürich geflogen. 24 Stunden bis nach Hause. Beim Check-in hat uns die Dame gefragt: "Wollt ihr wirklich in die Schweiz? Da sieht die Lage gar nicht gut aus!" Während des Fluges wussten wir noch nicht, ob es eine gute Entscheidung war. Aber als wir gelandet sind, haben wir vom Auswärtigen Amt die Nachricht bekommen, dass alle, die sich in Ecuador befinden, das Land sofort verlassen sollen. Seither sind wir sehr froh, dass wir rechtzeitig gegangen sind.

Hier in der Schweiz fühlen wir uns eigentlich sehr gut soweit. Es gibt zwar viele Infizierte, und es sind nur die Läden geöffnet, die gebraucht werden. Aber man kann draußen noch spazieren gehen. Wir machen uns eher Sorgen um unsere Großeltern als um uns. Die haben wir jetzt auch noch gar nicht besucht. Nur angerufen und gesagt, dass wir wieder da sind."

Auf Instagram: @guet.de.tschau 

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