Culebra und Vieques Grüner Zwerg in der Karibik

Auf Puerto Ricos kleinen Nachbarn, den Inseln Culebra und Vieques, stellt sich an fast unberührten Stränden schnell das Robinson-Crusoe-Feeling ein. Wilde Pferde galoppieren über weiße Strände, die großen Meeresschildkröten legen ihre Eier in viele hundert Nester.


Dewey - Auf dem Rest eines rostenden Panzerrohres hockt eine Möwe. Sie erhebt sich kreischend, fliegt über hellen Pulversand, dann über das Wasser mit seiner reichen Palette aus Blau und Grün und mit Schaumkronen, die sich an kleinen Außenriffen kräuseln. Der bis zu 50 Meter weite Sandstreifen des Flamenco Beach auf Culebra in der Karibik zieht einen über zwei Kilometer langen Bogen zwischen den Türkistönen des Wassers und dem Grün bewachsener Dünen, an deren Rändern viele Seagrape Trees (Meerestrauben-Bäume) und einige Kokosnusspalmen wachsen. Von fast jeder Anhöhe sind Culebras Schwestereiland Vieques und der Ostzipfel Puerto Ricos zu erkennen.

Flamenco Beach auf Culebra: Der bis zu 50 Meter weite Sandstreifen zieht einen über zwei Kilometer langen Bogen zwischen Meer und Dünen
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Flamenco Beach auf Culebra: Der bis zu 50 Meter weite Sandstreifen zieht einen über zwei Kilometer langen Bogen zwischen Meer und Dünen

Zwei Panzer am Rande von Flamenco zählen zu den Überbleibseln der US-Navy, die bis 1975 Culebra als Schieß- und Bombenabwurfplatz nutzte. Wütende Proteste der Insulaner bewegten damals die Militärs zum Abzug. Dies geschah in Vieques erst im Frühjahr 2003. Die Demonstrationen gegen Übungen und Präsenz der US-Army auf der etwas größeren Insel sorgten auch international für Schlagzeilen.

Culebra mit seinem halben Dutzend hellen Stränden, guten Tauch- und Segelgründen ist ein hügeliger, meist begrünter Zwerg. Es fällt wenig Regen. Palmen, Agaven, Kakteen, aber auch Oleander und Hibiskus gedeihen hier in kargem Boden. Riffe und vorgelagerte Koralleninseln laden zum Schnorcheln und Tauchen ein. Ein halbes Dutzend kleiner Anbieter offeriert Tauchausbildung und Bootstouren, vermietet Ausrüstung und Yachten. Die Insel, deren 4000 Bewohner meist spanische, ein wenig französische und kaum afrikanische Wurzeln haben, lebt größtenteils vom Tourismus.

"Blaue Flagge" für den Flamenco-Strand

Gut sieben Kilometer sind es von Ost nach West, knapp vier vom Flamenco Beach im Norden zur Minihauptstadt Dewey im Süden. Flamenco ist einer der ersten offiziellen Öko-Strände der Karibik. Am Rand entstanden Schatten spendende Pavillons ebenso wie behindertengerechte Zugänge aus Holz. So erhielt der Beach die "Blaue Flagge", europäisches Güte- und Ökosiegel für gepflegte Strände und beste Wasserqualität.

Culebra aus der Vogelperspektive: Auf der Karibikinsel wachsen Palmen, Agaven, Kakteen, aber auch Oleander und Hibiskus
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Culebra aus der Vogelperspektive: Auf der Karibikinsel wachsen Palmen, Agaven, Kakteen, aber auch Oleander und Hibiskus

Den Schützern der großen Meeresschildkröten ist es recht, dass sich der Tourismus auf Flamenco konzentriert. So legen an Nachbarstränden wie Resaca, Brava und vor allem Soni Grüne-, Lederrücken- und Echte Karettschildkröte jährlich ihre Eier in viele hundert Nester im warmen Sand. Der Blick ist von jeder Anhöhe spektakulär, besonders an der Westküste von der Terrasse des Ökohauses von José Carlos, das am Hang zwischen Tamarindenbäumen auf hölzernen Pfosten ruht. Das Häuschen hat kunstvoll bemalte Fensterläden, Schnitzereien und Solarenergie. Unten liegen ein grüner Pflanzenteppich, ein Salzsee und das Meer.

Dewey liegt malerisch auf einer Landzunge zwischen Karibikmeer und einer Bucht. Der Ort hat einen kleinen Airport, Kanal, Ziehbrücke, ein paar Läden, Restaurants und einen Pier mit Fährbetrieb. Es ist gerade Siesta-Time, auch für Taxifahrer. Ein Anruf im Hotel genügt. 15 Minuten später fährt José Cortijo, Manager vom "Club Seabourne", mit dem Pick-up vor. Die Fahrt zu der familiären Anlage an der Fulladoza Bay ist gratis. Diesen Service bieten alle Quartiergeber.

Insulaner mit US-Pass

Szenen- und Inselwechsel: Laut tutend nähert sich die "San Juan" dem kleinen Hafen von Isabel Segunda, wie der Hauptort von Vieques heißt. Auf der Anhöhe glänzt das Lighthouse in der Sonne. Zwei Dollar haben die 45 Fährminuten von Culebra gekostet. Dies haben auch die Passagiere auf der "Vieques II" bezahlt, die gerade aus Fajardo von der Ostküste Puerto Ricos kommend am Pier festmacht. Isabel Segunda mit kleinem Fort, Museum und Steinhäuschen ist für Urlauber nur Durchgangsstation. Sie fahren meist hier von der Nordküste mit Mietauto oder klimatisiertem Routentaxi nach Esperanza mit Uferpromenade, etlichen Restaurants, Hotels und Gästehäuser.

Einfahrt in den Hafen von Culebra: Die Insel misst gut sieben Kilometer von Ost nach West
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Einfahrt in den Hafen von Culebra: Die Insel misst gut sieben Kilometer von Ost nach West

Einige etwas entferntere Playas sind meist unberührt, vermitteln Robinson-Crusoe-Feeling. Vieques ist fünfmal so groß wie Culebra, hat ähnliche Struktur, Flora und Fauna und den selben Menschenschlag. Die Bewohner von Culebra und Vieques, die wie die Puertoricaner US-Pässe haben, nennen ihre Inseln auch gern Spanische Jungfrauen-Inseln. Vieques ist aber auch etwas anders als Culebra: Leere Bunker und Kasernen gleichen Geisterstädten. Zu ihren neuen "Bewohnern" zählen langhalsige, weiße Ibisse und wilde Pferde.

Heiße Diskussion über Army-Abzug

Wer abends auf der Landstraße ohne Mondschein läuft, kann schon mal in ein Häufchen dieser Vierbeiner treten. Deren Vorfahren hatten noch als 1-PS-Kräfte im Agrar- und Transportwesen einen Job. Etwa 400 herrenlose Paso Fino, wie die Rasse heißt, leben auf Vieques. Ein brauner Vierbeiner steht am Eingang des Dorfes Monte Santo unbewegt auf dem Asphalt. Es dämmert. Ein Autofahrer hupt, bremst ab. Nun bewegt sich das Tier träge zum Straßenrand und rupft am Gras. Fünf Fußminuten später tauchen die Lichter von "La Gran Parada" auf, ein großer Name für eine kleine Bar. Draußen am Plastiktisch knallen die Dominosteine, am Tresen fließen Bier und Rum in Strömen. Es ist noch nicht einmal acht Uhr. Doch anderswo auf der Insel sind längst die Bürgersteige hochgeklappt.

Karibik: Culebra und Vieques gehören zu Puerto Rico
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Karibik: Culebra und Vieques gehören zu Puerto Rico

In der "Parada" gibt es Karibik pur. Die Debatte der Insulaner wird immer lebhafter. Die knapp 10.000 Insulaner scheinen immer noch gespalten. Ein jüngerer mit breitkrempigem Gauchohut meint: "Wir hätten die Armee viel früher vertreiben sollen." Hector Legrand Sanes, Inhaber eines Barber Shops, spricht für viele der älteren Generation: "Früher war es nicht schlecht. Da hatte ich mehr Kunden. Die Preise waren stabil." Alt und Jung hoffen auf mehr Investoren und einen Tourismusaufschwung.

Von Bernd Kubisch, gms



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