Death Valley Atmen bei 56 Grad

Kein Lüftchen regt sich, kein Hauch kühlt den Schweiß, Unter den Schuhen knirscht das Salz, hier gibt es kein Leben: Willkommen in Badwater, willkommen im Death Valley!

Von Oliver Abraham


Willkommen? Wohl weniger. Kaum eine Region dieser Erde ist derart abweisend und lebensfeindlich wie diese Region im Osten Kaliforniens. Es gibt so gut wie kein trinkbares Wasser und das Quecksilber steigt sommers auf sagenhafte 56 Grad Celsius im Schatten. Atmen fällt schwer, eine Flucht bietet nur der klimatisierte Wagen. Klimatische Extreme, bizarre Landschaftsformen und scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Und doch üben diese Umstände den Reisenden von heute.

Death Valley: Abweisend und lebensfeindlich
Oliver Abraham

Death Valley: Abweisend und lebensfeindlich

Eingeklemmt zwischen den gewaltigen Bergmassiven der Panamint- und der Amargosa-Range liegt das tiefe, enge Tal - das eigentliche Death Valley. Am Ufer dieser tischebenen Fläche, ganz früher war dies ein See, geht es nach Norden. Links die platte Fläche, rechts die steilen Hänge in allen erdenklichen Erdfarben. Rostrot, schwarz, ocker, braun. Hinter einer der ungezählten Kurven liegt plötzlich der ausgetrocknete Salzsee - gleißend und schneeweiß. Selbst meine starke Sonnenbrille vermag das grelle Licht nur unzureichend auszublenden.

Ein Trampelpfad führt hinaus in das gleißende, flimmernde Nichts. Selbst das "süßeste" Süßwasser enthält immer noch Mineralstoffe, die Salze. Verdunstet das Wasser, bleibt der Feststoff übrig. Im Laufe der Jahrtausende hat sich hier unten bei Badwater auf diese Weise die Salzfläche gebildet - es handelt sich um eine abflusslose Senke, das Wasser kann nirgendwohin fließen. Feine, durchsichtige Salzkristalle wechseln sich mit großen runden Schollen ab. Eine bizarre, tote Welt.

Furnace Creek: Die Oase, frisches Wasser, ein Geschäft, Unterkünfte, eine Bar, Tankstelle und Schatten. Wer ihn noch nie vermisst hat, wird Schatten hier schätzen lernen. Vom Zeltplatz bis zum gediegenen Hotel hat Furnace Creek samt Visitor-Information-Center alles zu bieten, was der Gast im Death Valley zum Überleben benötigt. In Furnace Creek wird auch das Eintrittsgeld für den Nationalpark entrichtet.

Gegen Abend lässt die Hitze langsam nach, die inzwischen tief stehende Sonne taucht die Landschaft in ein sanftes, gnädiges Licht. Die Felsen fangen an zu leuchten, manche - so scheint es - geben jetzt die tagsüber gespeicherte Energie ab und fangen an zu glühen. Die Nacht ist klebrig - unter dem Kaltluftstrom einer Klimaanlage schlafen bekanntlich nur diejenigen, die am Morgen Halsschmerzen haben wollen. - und der Morgen ist schwül. Statt klarem, blauem Himmel diesiges Weiß. Gestern war es wie üblich nur heiß, heute ist es drückend und unangenehm.

Nur die tapfersten Pflanzen überleben im Tal des Todes
Oliver Abraham

Nur die tapfersten Pflanzen überleben im Tal des Todes

Von "Dantes View" der Blick hinab in die Hölle: Autos quälen sich in der untersten Übersetzung die engen Straßen hoch. Von oben offenbart sich ein grandioses Naturschauspiel: Ganz tief unten liegen die bizarren Muster des Salzsees über die der Sturm die Schattenmuster von Wolkenfetzen jagt. Auf der gegenüberliegenden Seite baut sich das Schwestergebirge, die Panamint Range, auf. An dessen Grat stauen sich bedrohlich die Wolken. Manchmal schwappt das Wolkenmeer über und gischtet nach unten, wo es immer schwüler wird. Hier am "Dantes View" ist es hingegen kühl, dämmerig und der Wind nimmt fast Orkanstärke an. Sprechen geht nicht mehr, man muss schreien.

Auch auf unserer Seite verdichtet sich der Dunst zu einer geschlossenen Wolkendecke. Hin und wieder reißt sie auf, wie ein Spot gleitet das Sonnenlicht über die Landschaft und setzt die Formationen in Szene. Am Zabriskie Point zum Beispiel: Die erodierten Hänge leuchten kurz wie Gold, um im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden.

Es kostet Überwindung, aus dem klimatisierten Auto auszusteigen
Oliver Abraham

Es kostet Überwindung, aus dem klimatisierten Auto auszusteigen

Seit Stunden gaukelt die Luft, doch die Natur will noch nicht, denn heiße Luft kann unvorstellbare Mengen Wasser speichern. Und die nassen, regenreichen Wolkenmassen aus dem Westen werden noch immer begierig von der Hitzeglocke über dem Death Valley aufgesogen. Plötzlich aber hat der beständige Wind nachgelassen. Auch die Adler sind verschwunden. Es wird still, ganz still. Der Himmel ist schwarz. Für einen langen, unvergesslichen Augenblick hält die Natur inne.

Ein einziger großer Wassertropfen fällt vom Himmel und zerspringt auf dem Wüstenboden. Eine Sekunde später sind die Himmelsschleusen voll geöffnet. Die Luft riecht ganz anders, begierig saugen die Pflanzen das kostbare Nass auf. Binnen weniger Stunden blüht die Wüste. Gelb, rot, hellblau - tot ist das Death Valley nur auf den ersten Blick.

INFORMATION

Der Nationalpark Death Valley ist nur ein kleiner Teil der großen Mojave-Wüste, die den Südosten des US-Bundesstaates Kalifornien einnimmt. In diesem fast menschenleeren Gebiet an der Grenze zu Nevada ist die wüstenhafte Ausprägung jedoch am deutlichsten.

Autos quälen sich in der untersten Übersetzung die engen Straßen hoch
Oliver Abraham

Autos quälen sich in der untersten Übersetzung die engen Straßen hoch

Im Sommer kann das Thermometer auf weit über 50 Grad Celsius ansteigen, angenehmer sind der Herbst und der Frühling. Die Infrastruktur im Nationalpark ist vorbildlich. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und die Unterkunftsmöglichkeiten bei Stovepipe Wells und in der "Hauptstadt" Furnace Creek sind wie die Zufahrtswege asphaltiert. Tankstellen und Versorgungsmöglichkeiten gibt es in Furnace Creek, Stovepipe Wells und bei Scottys Castle, einem skurrilen Schloss.

Genügend Trinkwasser sollte man immer bei sich haben. Die Routen ins Hinterland sind geschottert. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Autovermieter, ob Sie diese mit einem zweiradgetriebenen Pkw befahren dürfen. Auch ausgeschilderte Wanderwege und Hiking Trails erschließen diese abwechslungsreiche Landschaft.


Anreise
Anreise zum Nationalpark Death Valley: Von Los Angeles (460 Km) oder Las Vegas (190 Km) über den Interstate 15 bis in das Nest Baker, von dort auf dem Highway 127 bis kurz hinter das Dorf Shoshone oder bis nach Death Valley Junction - dann nach links abbiegen. Der Mojave National Preserve liegt direkt südlich von Baker.



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