Der Nordosten Balis Wie ein Flügel in der Java-See

Berge, Vulkanseen und Reisterrassen trennen den turbulenten Süden Balis vom stillen Nordwesten. Hier erlebt der Gast noch ein Stück ursprüngliches Bali: In Air Panas sprudeln heilige Quellen, das einzige buddhistische Kloster der Insel hat Nachwuchssorgen, und der seltene Bali-Star flattert noch durch die Wälder.


Europäer werden neugierig beäugt: Markt in Banjar
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Europäer werden neugierig beäugt: Markt in Banjar

Singaraja - Wie ein Flügel schwingt der Nordwesten Balis sich in die Java-See, sagen die Einheimischen, die hier als Fischer und Bauern, Handwerker und Händler leben. Hier erlebt der Gast noch ein Stück ursprüngliches Bali, das kaum berührt ist vom Massentourismus. Einzige Ausnahme ist Lovina - der Strand des Dorfes Kalibukbuk, schon in den dreißiger Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, bildet heute das Pendant zu den bekannten Badeorten im Süden Balis.

Dennoch geht es im Vergleich zu Candi Dasa oder Kuta Beach auch in Lovina fast familiär zu. Der Strand ist der längste der Insel, sein Aussehen entspricht aber nicht den gängigen Vorstellungen eines Traumziels: Die Farbe schwankt zwischen Schwarz und staubigem Grau - ein schmales Band grobkörniger Lava, das gesäumt wird von bunten Auslegerbooten. Ein kleines Riff bricht die Wellen und macht das Meer ruhiger als im Süden. Fliegende Händler verkaufen Muscheln, und jeden Morgen starten bei Sonnenaufgang Motorboote zu einem umstrittenen Spektakel: Gäste können Delfine bei der Futtersuche beobachten.

Einige hundert Meter von den Hotels und Bungalowanlagen entfernt stehen die Hütten und Häuser der Fischerfamilien. Hier beginnt das ursprüngliche Bali. Auch in Banjar, nur wenige Kilometer von Lovina entfernt, werden Europäer neugierig beäugt: Lachend zeigen die Marktfrauen auf die helle Haut der Fremden, die blonden Haare und die großen Körper. Doch zudringlich wird niemand. Kleine Apfelbananen und anderes unbekanntes Obst werden gereicht - Probieren ist angesagt. In Palmwedelkörben liegen Guaven, Mangos und Litchis; auf Holztischen stapeln sich Kartoffeln, Tomaten, Avocados, Ingwer und Okraschoten.

Kleine Weingärten unterbrechen das dichte Grün

Den Staub der Stadt spült ein Bad in den nahen Air Panas fort, zwei heiligen Quellen inmitten üppig tropischer Vegetation. 30 Grad Celsius warm sprudelt schwefelhaltiges Wasser aus steinernen Dämonenköpfen. Im Nachbarbecken ziehen zwei ältere Männer ihre Runden. Duschen und Toiletten sind in einer Felswand versteckt, an der Treppe zu einem Terrassenrestaurant mit Blick über die beiden Badebecken führen.

Das einzige buddhistische Kloster auf Bali hat nur noch einen Mönch: Brahma Asrama Vihara in Dencarik
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Das einzige buddhistische Kloster auf Bali hat nur noch einen Mönch: Brahma Asrama Vihara in Dencarik

Im Nachbardorf Dencarik plagen Nachwuchssorgen das einzige buddhistische Kloster auf Bali. Nur noch ein alter Mann lebt hinter den Backsteinmauern des Brahma Asrama Vihara. Einen Stock in der Hand und den Kopf leicht gesenkt, steigt der Mönch die Stufen zur obersten Tempelplattform hinauf. Weit öffnet sich der Blick bis zur Küste. Zu seinen Füßen säumen Kaffee- und Kakaoplantagen die Schluchten. Die kleinen Weingärten, die immer wieder das dichte Grün unterbrechen, gehen auf die Holländer zurück, die von 1850 an den Norden Balis kolonialisierten - 60 Jahre früher als den Süden. Als Hauptstadt wählten sie Singaraja, heute mit 130.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Balis und Verwaltungssitz für den Bezirk Buleleng.

Bis heute säumen europäisch wirkende Villen die Straßen. Moscheen, chinesische Tempel und christliche Kirchen erinnern an die strategisch günstige Lage der einst bedeutenden Hafenstadt. Doch der Hafen versandete, und der Weinbau scheiterte am extremen Klima: hohe Luftfeuchtigkeit, tropische Hitze und Parasiten schädigten die Reben. Doch aufgegeben wurde die Vision, Wein anzubauen, nie. Nach vielen Rückschlägen gelang dem Unternehmen Hatten Wines der Durchbruch. Das ganze Jahr hindurch werden in den Weingärten Trauben gepflückt und stundenlang über kurvenreiche Straßen nach Sanur im Süden gefahren, dort gekeltert und von Kellermeister Vincent Desplat zu international anerkannten halbtrockenen Rosé- und Schaumweinen verarbeitet.

Papageienfische, Skorpionfische, Büschelbarsche

Für Taucher lohnen sich Touren nach Menjangan Island, einer unbewohnten Insel innerhalb des Bali-Barat-Nationalparkes ganz im Westen der Nordküste. Als einziges Hotel hier bietet das bei dem Ort Pulaki gelegene "Matahari Beach Resort" Ausflüge mit eigenen Booten an, die die Insel direkt ansteuern. Hinter dem schmalen Strand der Insel fällt eine Wand aus Korallen 50 Meter steil in die Tiefe. Ein junger Fledermausfisch mit orangem Flossenrand schwimmt dicht an der Tauchermaske vorbei. Papageienfische, Skorpionfische, Büschelbarsche: Die Vielfalt der Unterwasserwelt ist beeindruckend. Mehr als 500 Fischarten tummeln sich im sehr klaren Wasser der Java-See.

Der Norden Balis wurde zuerst von den Holländern kolonialisiert: Bauern auf Reisfeldern
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Der Norden Balis wurde zuerst von den Holländern kolonialisiert: Bauern auf Reisfeldern

Nur mit Führer oder Genehmigung der Nationalparkverwaltung sind Wanderungen durch die Wildnis des Bali-Barat-Nationalpark gestattet - einzige Ausnahme ist der 15 Kilometer lange Küstenweg. In dem 77.000 Hektar großen Schutzgebiet im äußersten Nordwesten Balis leben Zibetkatzen, javanische Büffel, Leoparden, Wildscheine, Hirsche und Affen. Nur selten zu sehen ist der Bali-Star - der Vogel mit schwarz geränderten Flügeln und einem blauen Fleck am Auge ist vom Aussterben bedroht. Sein Bestand zählt nur noch weniger als hundert Exemplare.

Zu Füßen der unberührten Natur erhebt sich in dem kleinen Ort Banyupoh eines der sechs wichtigsten Heiligtümer Balis: Pura Pulaki. Berühmter als die Architektur des recht schmucklosen Tempels ist seine Aussicht: Über eine Treppe geht es über vier Höfe hinauf zu einem Plateau hinter der Tempelmauer. Von dem kleinem Holzschrein aus ist die Fernsicht über Tempel und das Meer einfach überwältigend.

Von Hilke Maunder, gms



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