Fotoserie über die Raute Die letzten Nomaden Nepals

Das Nomadenvolk Raute lebt in abgeschiedenen Regionen Nepals, Kontakte zur Außenwelt gibt es kaum. Seit acht Jahren besucht der Fotograf Kishor Sharma diese Menschen - es dauerte lange, bis er ihr Vertrauen gewann.

Kishor Sharma

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Fast ein Woche lang musste der nepalesische Fotograf Kishor Sharma aus Kathmandu die Raute suchen, bis er die Männer und Frauen schließlich mit Hilfe von Einheimischen im Distrikt Salyan im Westen Nepals finden konnte. Die Gruppe gilt als das letzte nomadische Volk Nepals und wandert durch oft sehr abgeschiedene Gegenden des Landes.

Sharma hatte eine Dokumentation über die Raute gesehen und wollte mehr über ihre Lebensweise erfahren. 2011 begann er mit seiner Fotoserie und besucht das Volk seitdem regelmäßig jeweils für ein paar Wochen.

Es dauerte lange, bis er das Vertrauen der Menschen gewinnen konnte. "Obwohl ich nicht die erste Person war, die mit einer Kamera dort war, zögerten sie sehr, mit mir als Außenstehendem zu sprechen", sagt der Fotograf. Er musste mehrere Tage mit ihnen verbringen, bevor er sie fotografieren durfte.

Die jüngeren Mitglieder der Gemeinschaft und die Männer sprechen alle ebenso wie der Fotograf Nepali, sodass sie kommunizieren konnten. Miteinander unterhalten sich die Raute allerdings in Khamchi, einer chinesisch-tibetischen Sprache.

Auch wenn sie sich nach einer gewissen Zeit gut verstanden, mit den Menschen zusammenleben durfte Sharma nicht - das bleibt jedem Fremden verweht. Daher übernachtete er immer in Dörfern rund um die temporären Siedlungen.

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Die letzten Nomaden Nepals: Zu Besuch bei den Raute

Sharma gibt mit seinen Fotos einen Einblick in den Alltag der Menschen: Er zeigt Kinder, die ihren Eltern bei der Arbeit helfen; Frauen, die in jungen Jahren schon verheiratet wurden, und Männer, die beim Baumfällen einen Zeh verloren haben.

Um die 150 Personen gehören nach Schätzungen von Sharma der Gruppe an. Meist sind sie zusammen unterwegs. Nur manchmal trennen sie sich, wenn sie nicht genügend Nahrung finden oder aus anderen Gründen, die sie dem Fotografen nicht genauer erklären wollten.

Alle paar Wochen oder Monate ziehen die Raute an einen anderen Ort. Im Sommer gehen sie in höhere Gebiete, im Winter bleiben sie weiter unten. Sie bevorzugen die hügeligen Waldgebiete des Landes, dort fällen die Männer Holz oder jagen Tiere, unter anderem Affen. Die Frauen kümmern sich währenddessen um die Hausarbeit.

Die Raute werden von der nepalesischen Regierung offiziell anerkannt. Mit anderen Menschen haben sie laut Sharma jedoch außer beim Handeln nur wenig Austausch. Sie heiraten auch nicht außerhalb ihrer Gemeinschaft, mögen es nicht, wenn Fremde sie besuchen. Für den Fotografen ist es eine Ehre, dass sie sich trotzdem von ihm porträtieren ließen.

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