Dominikanische Republik Öko-Urlaub für Kaltduscher

Von Kai Schächtele

2. Teil: Warum Tourbegleiter immer Macheten dabei haben und wie Baumers Projekt die ganze Region verändert, lesen Sie im 2. Teil


Ökotourismus auf Baumersche Art

Von Beginn an hat Baumer die Einheimischen in die Arbeit auf seiner kleinen Farm eingebunden. Angel Antonio Baez de Jesus, ein drahtiger Mitvierziger mit buschigem Schnauzbart, beispielsweise ist Baumers Vorarbeiter, seine Frau arbeitet als Köchin, die Jungs aus dem Dorf halten die Fahrräder in Schuss. "Es nutzt nix, wenn's nur mir gut geht", sagt Baumer. "Nur wenn auch die Leute, die hier arbeiten, was vom Tourismus haben, kann ich hier in Frieden leben." Sein Vorarbeiter sitzt zufrieden daneben. "Seit Rudi hier ist, ist alles besser geworden. Früher waren wir arm, heute müssen wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob wir morgen etwas zu essen haben."

In Deutschland würde man so ein Konzept wohl mit dem Gütesiegel "Öko-Tourismus" veredeln. Baumer schert sich nicht um solche Etiketten: "Mir ist der Name egal, bei mir is sowieso alles Natur." Und die ist reichhaltig und bezaubernd: Seine Gästen fahren, reiten oder wandern durch dicht bewachsene Urwälder, vorbei an Wasserfällen und Palmenhainen, über steinerne Pfade, auf denen Hühner gackernd vorbeistaksen.

In der Luft liegt der Duft von Eukalyptus und von reifen Orangen, die auf Bäumen am Wegesrand wachsen. Gelegentlich haben die Tourteilnehmer einen atemberaubenden Ausblick auf das Flusstal, das sich in sattem Grün vor einem ausbreitet. Am Ende der Tour springen sie dann zur Erfrischung von einem Felsen aus ins klare Flusswasser und essen danach ein paar Orangen, die die Tourbegleiter mit einer 30 Zentimeter langen Machete in zwei Hälften teilen.

Mühsame Überzeugungarbeit in der Gemeinde

Nur langsam erkennen auch die verantwortlichen Politiker dieses Potential. Im nächstgelegenen Ort San José de Ocoa, der Hauptstadt der Region im Tal mit demselben Namen, etwa 30 Kilometer von der "Rancho Cascada" entfernt, steht am Abend Danilo Tejeda, der Tourismusbeauftragte, in einem kahlen, mintgrün gestrichenen Saal des Gemeindehauses, neben ihm der Bürgermeister Roberto Meija. Gelegentlich flackert das Licht, die Stromversorgung ist hier instabil.

Beide sollen nun davon erzählen, wie sie versuchen wollen, einen Teil der Touristen ins Landesinnere zu locken. Und man merkt ihnen an, wie schwer sie sich dabei tun, weil sie immer noch nicht so recht glauben wollen, dass das klappen kann: Nach ihrer Überzeugung kommen nur Touristen hierher, die sich einen All-inclusive-Urlaub nicht leisten können.

Dass Touristen, die genug Geld für den Strand hätten, manchmal aber auch nur ein kleines Stück unberührter Natur im Inselinneren erleben wollen, erscheint ihnen nicht plausibel. "San José de Ocoa ist eine Stadt, die bislang nur von der Landwirtschaft gelebt hat", beginnt der Bürgermeister, "und wir hoffen sehr, dass der Tourismus eine echte Alternative werden kann." Und Tejeda sagt: "Rudi hat gezeigt, was hier möglich ist. Er hat mit seiner Arbeit den Startschuss gegeben."

Baumer steht ruhig daneben, sein Gesicht ist jetzt zu einem sauren Lächeln erstarrt. Man kann sich in diesem Moment gut vorstellen, wie oft und hartnäckig er in den letzten Monaten auf die beiden eingeredet hat. Denn die Wahrheit hinter den Aussagen der beiden Männer liegt auf der Straße. Zu Baumers Ranch führt noch immer kein geteerter Weg. An der Straße wurde zuletzt zwar noch gearbeitet. Plötzlich aber ging das Geld aus. Seitdem stehen die Bagger verlassen am staubigen Wegesrand.

Nach dem Treffen steigt Baumer in seinen Geländewagen und rumpelt auf der holperigen Piste zurück in die Berge. Er wird weiterarbeiten an seiner Idee eines naturnahen Tourismus abseits der Traumstrände. Mit der "Rancho Cascada" hat er sich so bereits seinen Alterssitz geschaffen. Ob daraus auch die Zukunft des dominikanischen Fremdenverkehrs werden kann, wird er sich von seiner Terrasse aus gelassen ansehen – mit der Katze auf dem Schoß und einem Glas Rum vor sich auf dem Tisch.



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