Dominikanische Republik Öko-Urlaub für Kaltduscher

Abseits der All-Inclusive-Clubanlagen der Dominikanischen Republik bietet ein Aussteiger Abenteuerurlaub in unberührter Natur an. Viele Einheimische bekamen bei ihm einen Job – trotzdem erntet der Öko-Unternehmer wenig Verständnis vom Bürgermeister.

Von Kai Schächtele


So hat sich der Mann wahrscheinlich sein Leben vorgestellt, als er in Österreich aufgebrochen war, um sich in der Fremde seine neue Existenz zusammenzuzimmern: Rudi Baumer sitzt auf seiner Terrasse, es ist tiefe Nacht, im Hintergrund plätschert der Fluss Rio Nizao vorbei, auf dem Schoß sitzt eine Katze, der er ausgiebig den Nacken krault.

"Mei Altersvorsorge? Dös is mei Altervorsorge!", sagt er und zeigt in Richtung der Schlafräume, wo sich seine Gäste längst zur Ruhe gelegt haben. Er nimmt einen Schluck dominikanischen Rum und grinst milde vor sich hin. Hier, mitten in den Bergen der Dominikanischen Republik, hat sich Baumer ein kleines Paradies geschaffen. In der "Rancho Cascada" wird er alt werden. Und er ist nicht der Einzige, der sich hier inzwischen daheim fühlt.

Seit 1998 lebt der 46-Jährige, dessen Spanisch ebenso einen österreichischen Akzent hat wie sein Deutsch, in der Karibik. In der ersten Zeit hielt sich der gelernte Zimmermann als Kellner, Kanu- und Bergführer über Wasser. Vor drei Jahren dann schlug er sein Lager in Las Avispas auf. In dem Dörfchen, das sich im höchsten Gebirge der Karibik, dem "Cordillera Central", versteckt, gibt es keine geteerten Straßen. Viele der Häuschen an der staubigen Hauptstraße beherbergen vier-, fünfköpfige Familien.

Die Männer arbeiten auf Bananen- oder Avocadofarmen, die Frauen kümmern sich um den Haushalt und darum, dass die Kinder jeden Tag in die Dorfschule gehen. Und samstagabends hören sich alle gemeinsam die Übertragung der Baseballspiele, die in den Städten ausgetragen werden, auf einem Kofferradio an. Das Leben scheint sich hier seit Generationen nicht verändert zu haben.

El Dorado für Abenteuerurlauber

Der Massentourismus, für den die Dominikanische Republik jahrzehntelang berühmt war und inzwischen berüchtigt ist, nimmt davon keine Notiz: Die Urlauber mit den neonfarbenen All-inclusive-Bändchen am Handgelenk, die in den großen Clubanlagen an den Stränden wohnen, wissen nicht, wie das Leben im Inneren dieser Insel funktioniert. Sie werden es wohl auch nie erfahren.

Denn das, was Rudi Baumer gemeinsam mit den Einwohnern von Las Avispas aufgebaut hat, ist für die kleine Zahl an Abenteuerurlaubern gedacht, die sich nicht daran stören, dass sie sich mit kaltem Quellwasser waschen müssen und beim Abendessen auf der Terrasse ein Hund und eine Katze um den Tisch schleichen. Dafür wird man auf der "Rancho Cascada" mit dem besten Kaffee der Welt belohnt, dem Ausblick auf bewaldete Berge und einem Urlaub, der einem noch Wochen später in Augen, Ohren und Knochen steckt.

Ursprünglich war dieser Ort als Basisstation für Mountainbike-Touren und Wanderungen ins Gebirge angelegt worden. Mit den Männern aus dem Dorf hatte Baumer einen Felsen, der bis ans Ufer des Rio Nizao ragt, gerodet, darauf ein Betonfundament gesetzt, eine Terrasse und ein kleines Türmchen gebaut und das Wasser von einem kleinen Seitenarm des Flusses abgezweigt. Dann besorgte er sich Pferde, Fahrräder und Landkarten vom Militär und arbeitete die Touren aus. Und irgendwann wollten sich seine Gäste abends nicht mehr ins nächstgelegene Hotel fahren lassen, sondern vor Ort schlafen, unter einem Sternenhimmel, wie sie ihn zu Hause nie sehen. Also bauten Baumer und seine Männer weiter. Inzwischen gibt es vier Zimmer, bald sollen es zwölf sein.



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