Dominikanische Republik Zigarren, Zucker, Krokodile

"Die schönste Insel, die das menschliche Auge je sah" - so erlebte Christoph Kolumbus dereinst Hispaniola. Die Natur hat es dort wirklich in sich: Immerhin steht der höchste Berg der Karibik im ehemaligen Vize-Königreich Klein Spanien, und zwischen Gipfel und Küsten liegen tropische Dschungel und weite Savannen.

Von Frank Schneider


Mal Steppe, mal Dschungel: Die Landschaften Hispaniolas machten die Insel für Kolumbus zur "schönsten, die ein Auge je sah"
Frank Schneider

Mal Steppe, mal Dschungel: Die Landschaften Hispaniolas machten die Insel für Kolumbus zur "schönsten, die ein Auge je sah"

Ob es stimmt, dass es vor der Ankunft der spanischen Entdecker am Ende des 15. Jahrhunderts keine Kokospalmen auf Hispaniola gegeben hat, sei dahingestellt. Grün überwuchert war die größte der karibischen Inseln auf jeden Fall, und die Hügel und Berge im Hinterland des heutigen Cap Haitién bildeten sicher eine beeindruckende Kulisse für die ersten Europäer. Zwischen den Erhebungen schlängeln sich Flüsse durch Savannen- oder Dschungellandschaften. So muss sich der Entdecker der neuen Welt wohl im Paradies gewähnt haben. Zumindest was die Natur betraf - denn die goldenen Dächer, die er im vermeintlichen West-Indien zu sehen erwartete, fand er nicht.

Heute ist Hispaniola die einzige Karibikinsel, auf der es zwei Staaten gibt - und die mit den meisten Bewohnern, nämlich 15 Millionen. Die Insel steckt allerdings voller Gegensätze. Der Vergleich mit dem armen Haiti im Westen fällt auch in Sachen Natur zu Gunsten der Dominikanischen Republik aus. In der ehemaligen französischen Kolonie im Westen sind ganze Küstenabschnitte und Landstriche abgeholzt worden und verödet, dort ist kaum an touristische Attraktivität zu denken.

Im Inneren der größten Karibikinsel liegen riesige Obstplantagen wie dieses Ananasfeld
Frank Schneider

Im Inneren der größten Karibikinsel liegen riesige Obstplantagen wie dieses Ananasfeld

Ganz anders präsentieren sich die östlichen zwei Drittel Hispaniolas. Zwar ist die Hafenstadt Santo Domingo längst eine ausgeuferte Millionenmetropole, die um die koloniale Altstadt mit ihren zahlreichen Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert - von der Unesco 1990 als Weltkulturerbe eingestuft - von durchgestylten Shopping-Malls bis zu ausgedehnten Slumvierteln alle Facetten einer modernen Stadt zeigt. Aber vor ihren Toren grünt es wie eh und je tropisch. Ähnlich sieht es in den Ferienregionen des Landes an den Küsten aus. Im Hinterland der Badeorte mit den ausgedehnten, vor allem an der Ostküste palmengesäumten Stränden liegen riesige Zuckerrohrfelder, Obst- und Reisplantagen. Die Zuckerrohrfelder dienen dabei auch einem ganz wichtigen Wirtschaftszweig der Insel: der Herstellung von Rum, dem heimlichen Lebenselixier der dominikanischen Bevölkerung.

Straßen ins weitläufige Innere der Insel sind längst nicht alle befestigt. Oft münden holprige Asphaltstreifen in einfache Pistenstraßen, wo sich nur Allradfahrzeuge wohl fühlen. Aber auch auf den ausgebauten Landstraßen lässt sich die Vielfalt des dominikanischen Teils Hispaniolas erschließen, und so vermitteln viele Hotels Ausflüge mit dem Bus. Entlang vieler Flüsse wuchert tropischer Dschungel. Nicht von ungefähr hat Hollywood hier Szenen für Filme wie "Apocalypse Now" oder "Platoon" gedreht. Schon hinter der nächsten Kuppe kann man vielleicht in eine riesige Senke blicken, die mit ihren Akazienbäumen, Dornenbüschen und dem trockenen, sandigen Boden eher an Afrika erinnert. Der nächste Kontrast wartet ein paar Kilometer weiter: Ananas, so weit das Auge reicht. Oder vielleicht Reis. Oder Bananen.

An der Ostküste Hispaniolas gibt es lange Palmenstrände
Frank Schneider

An der Ostküste Hispaniolas gibt es lange Palmenstrände

Die Natur hat es gut mit der Insel gemeint, auch an der Ostküste in Punta Cana: Kilometerlange Palmenstrände locken Jahr für Jahr Urlauber hierher, denen der Trubel der Ferienorte im Norden weniger liegt. Und dann ist da noch der Lago Enriquillo fast in der Mitte der Insel. Ranger passen auf den Nationalpark auf. Und auf die Besucher. Denn dort leben Krokodile noch genauso frei wie zu Kolumbus' Zeiten und beanspruchen zumindest diesen Teil der Naturschönheiten als ihr eigenes Revier.

Neben Obst exportiert die Dominikanische Republik auch Zigarren: 80 Prozent des weltweiten Gesamtexports pro Jahr - also weit mehr als Kuba. Boden und Klima entsprechen fast dem der Nachbarinsel und lassen Genießer weltweit in blauem Dunst dominikanischer Zigarren schwelgen. Das hat auch Zigarrenzar Zino Davidoff gewusst und seine Produktion nach Erlass des amerikanischen Handelsembargos von Kuba nach Hispaniola verlegt.

Boden und Klima von Hispaniola stehen dem in Kuba in nichts nach und machen die Dominikanische Republik zum wohl bedeutendsten Zigarrenhersteller der Welt
Frank Schneider

Boden und Klima von Hispaniola stehen dem in Kuba in nichts nach und machen die Dominikanische Republik zum wohl bedeutendsten Zigarrenhersteller der Welt

Aber nicht nur Marken mit großen Namen rollen den Tabak zu den braunen Räucherstäben in der Dominikanischen Republik. Auch handgemachte Zigarren ohne markante Bauchbinde sind begehrt. Aber aufgepasst: Bei den Strandverkäufern gibt es Fälschungen von Cohiba, Davidoff & Co zuhauf - eher originell verpackt, denn original hergestellt. Und manchmal sogar aus Bananenblättern statt Tabak. Da lohnt sich doch eher der Gang in die Zigarrenboutique. Denn da gibt es echte teure und echte preiswerte Rauchwaren: Nicht selten kosten die im Souvenirshop eines Hotels für 300 Dollar angebotenen 50 handgerollten Zigarren im Zigarrenladen gerade mal 75 Dollar. Die echte aus Kuba importierte Cohiba gibt's allerdings auch im paradiesischen Hispaniola nicht zu Schleuderpreisen - da lösen sich auch auf Kolumbus' Lieblingsinsel rund 25 Dollar pro Stück in blauen Dunst auf.



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