Eiserne Seidenstraße Transasiatische Eisenbahn kommt ins Rollen

Es ist ein über 40 Jahre alter Traum: eine Schienenverbindung von Istanbul bis Singapur, die den Pazifik mit Europa verknüpft. 18 von 28 Ländern der Region haben jetzt ein Abkommen über die Verwirklichung der Transasiatischen Eisenbahn unterzeichnet.


Seoul/Pusan – Die Transasiatische Eisenbahn (TAR) soll 28 Länder auf einer Strecke von insgesamt 80.900 Kilometern verknüpfen, den Güter- und Reiseverkehr fördern und per Schiene den asiatischen dem europäischen Kontinent näher bringen: Asien ist der seit Jahrzehnten geplanten Schaffung eines grenzüberschreitenden Schienennetzes einen wichtigen Schritt näher gekommen.

Transsibirische Eisenbahn: Die Strecke wird einen großen Teil der TAR abdecken
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Transsibirische Eisenbahn: Die Strecke wird einen großen Teil der TAR abdecken

Bei einer Transportministerkonferenz der Uno-Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik (Unescap) unterzeichneten heute in der südkoreanischen Küstenstadt Pusan 18 Länder ein Abkommen über die Verwirklichung der Strecke. Zusammen mit dem vereinbarten 141.000 Kilometer langen asiatischen Autobahnnetz werde TAR eine "nahtlose Verbindung durch die Transportarterien zu den asiatischen Häfen und den europäischen Märkten schaffen", sagte Unescap-Exekutivsekretär Kim Hak Su anlässlich der Unterzeichnung. "Das Abkommen schafft den Rahmen für eine koordinierte Entwicklung international wichtiger Eisenbahnstrecken."

Ziel des TAR-Projekts ist es, ein Transportnetz zur Förderung des internationalen Handels und Reiseverkehrs zu entwickeln. Dafür sollen Strecken neu- und ausgebaut werden. Ein großer Teil der Strecke wird beispielsweise bereits durch die 9200 Kilometer lange Transsibirische Eisenbahn abgedeckt. Eine Arbeitsgruppe mit Experten der Länder soll sich jetzt mit einem Programm für die praktische Umsetzung des Infrastrukturabkommens und die erforderlichen Investitionen und der Finanzierung befassen. Die anderen zehn Teilnehmerländer an dem Projekt müssten noch vor dem Beitritt zu dem Abkommen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen, sagte ein Uno-Beamter in Pusan.

Idee entstand in den Sechzigern

Die Diskussionen über die Schaffung einer "Eisernen Seidenstraße" durch den asiatischen Kontinent hatten bereits in den sechziger Jahren begonnen. Doch politische, technische und wirtschaftliche Hürden standen dem Vorhaben immer wieder im Weg. So hängt etwa die Anbindung Südkoreas an den sogenannten Nordkorridor von TAR von der Schienenverbindung mit Nordkorea ab. Auch Nordkorea habe sich prinzipiell zur Teilnahme an TAR bereit erklärt, sagte der Uno-Beamte. Doch während Vertreter aus knapp 40 Ländern an der Konferenz teilnehmen, hat Pjöngjang, das sich derzeit in einem internationalen Konflikt um sein Atomwaffenprogramm befindet, keinen Vertreter geschickt.

Geplant sind ein Nordkorridor, der China, Nord- und Südkorea, die Mongolei und Russland mit Europa verbinden soll. Der Südkorridor soll Länder wie Kambodscha, Thailand, Indonesien und Malaysia ans asiatische Netz anschließen, und der Zentralasiatische und kaukasische Korridor führt durch Staaten wie Georgien, Kirgisien und Usbekistan. Hinzu kommt ein Netzwerk, das Iran, Türkei, Indien und Bangladesch einschließt.

abl/dpa



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