Tour durch El Salvador Erst mal einen Kaffee

Nur so groß wie Hessen ist El Salvador und schnell erkundet. Dörfer, Maya-Ruinen, Kraterseen und Vulkane stehen auf dem Rundreiseprogramm - und immer wieder ein Tässchen Hochlandkaffee.

Andreas Drouve/ TMN

Héctor Aguirre kann sich ein Leben ohne Kaffee kaum vorstellen. "Seit meinem zweiten Lebensjahr trinke ich den", sagt der 28-Jährige. "Hier gibt man Kleinkindern Fläschchen mit Kaffee, nicht mit Milch."

Aguirre verdient mit den Bohnen sein Geld. Schon als Jugendlicher schulterte er bei der Ernte auf der Farm El Carmen Estate im Hochland El Salvadors schwere Säcke. Heute zeigt er den Besuchern des Landguts am Rand seines Heimatortes Ataco Lager, Maschinen und Fließbänder mit der Qualitätsauslese. Unter Neonlicht sitzen Frauen, die die guten Bohnen von den schlechten trennen. Was daraus wird, präsentiert Aguirre im Anschluss: Spitzenkaffee.

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El Salvador: Rundtour zu Kaffee, Dörfen und Vulkanen

So mancher hat vielleicht schon Kaffee aus El Salvador getrunken. Doch nur wenige kennen das Land in Mittelamerika aus eigener Anschauung - nicht zuletzt, weil sein Name immer noch für ein brutales Militärregime und einen blutigen Bürgerkrieg steht.

Das Friedensabkommen von Chapultepec 1992 brachte demokratische Wahlen, die Kriminalitätsrate aber ist laut Auswärtigem Amt sehr hoch. Die Sicherheitslage hat sich im Vergleich zu früheren Jahren jedoch verbessert - die Jugendbanden haben in der Regel keine Ausländer im Visier.

Um Kultur, Alltagsleben und Natur kennenzulernen, müssen in dem Land keine langen Fahrten bewältigt werden: El Salvador ist ungefähr so groß wie Hessen. Die trockenen Monate November bis April eignen sich am besten für eine Tour zu Städten, Stränden und Vulkanen.

Ataco zum Beispiel, eines der schönsten Dörfer des Landes, wirkt herausgeputzt und bodenständig zugleich. An Häuserwänden leuchten bunte, zeitgenössische Wandmalereien, auf dem Zentralplatz mit der Kirche Inmaculada Concepción die Hibiskussträucher. In den Gassen sind Karrenschieber mit ihren Waren unterwegs, manche auch mit der Nationalspeise Pupusas: Maismehlfladen mit Käse, Hühnerfleisch, Spinat oder Bohnenmus gefüllt.

In Ataco ist der Tourismus auf dem Vormarsch, wie überall in El Salvador - wenn auch auf überschaubarem Niveau. Kunsthandwerksläden, kleine Galerien und die Webwerkstatt Casa de los Telares sind die Zeichen dafür. "Weben ist nicht nur Frauenbeschäftigung", sagt Jorge Martín, 25, der früher auf dem Bau arbeitete und gerade an einer bunten Tischdecke sitzt.

Nationalvogel gegen Gewalt

Noch hübscher als Ataco ist Suchitoto im Herzen des Landes. Tagsüber strahlen Fassaden in Orange, Blau und Grün. Abends sitzen Dorfbewohner auf Plastikstühlchen vor ihren Häusern oder auf Bordsteinen in der Wärme. Sorgsam drapierte Blumentöpfe bilden Fotomotive für die Touristen.

Vom Hauptplatz führt der Weg zu einer Frauenvereinigung, dahinter befindet sich wiederum eine Initiative gegen häusliche Gewalt. Die Vorsitzende Ana María Menjíbar, 65, beklagt den anhaltenden Machismus und ruft Frauen dazu auf, die Stimme zu erheben und selbst aktiv zu werden. So entstand auch die Werkstatt, der zehn Frauen aus umliegenden Gemeinden angehören.

Wer durch die kopfsteingepflasterten Gassen Suchitotos streift, entdeckt neben Hauseingängen öfters Graffiti mit dem Nationalvogel Torogoz. Prangt der Vogel an der Fassade, bedeutet das: Hier gibt es keine häusliche Gewalt - eine Kampagne der Frauenvereinigung.

In der Hauptstadt San Salvador geht es naturgemäß hektischer zu. Zigaretten- und Kaugummiverkäufer mit Bauchläden kämpfen im Verkehr um ihr tägliches Auskommen. Schuhmacher sitzen in winzigen Stuben, Wühltische bersten vor Second-Hand-Klamotten.

Straßenhändler preisen "Rattengift, Rattengift" und "Fliegenklatschen" an, den schnellen Haarschnitt gibt es für einen Dollar. Die Freiluftstände reichen bis zum Nationalpalast und zum Platz vor der Kathedrale. In deren Krypta liegt der heilige Óscar Romero begraben, die nahe Kirche El Rosario hat symmetrische, moderne Buntglasfenstern.

Maya-Alltag in Asche konserviert

In Santa Ana, der zweitgrößten Stadt El Salvadors, liegen am Zentralpark das Nationaltheater und die Kathedrale. Im Gotteshaus besuchen Gläubige ein kitschiges Jesuskind mit femininen Zügen und im rosa Gewand, davor warten Schuhputzer im Schatten. Ein Tipp ist das Café Cadek, ein paar Straßenblocks entfernt und mit stets verschlossener Tür. Einfach klopfen, dann ist der Zugang zu Kaffee und Kuchen frei.

Vielen Bauten in El Salvador haben Vulkanausbrüche zugesetzt. In einem Fall war dies keine Katastrophe: Den Ascheschichten des Vulkans Loma Caldera ist es zu verdanken, dass Joya de Cerén, ein Mayadorf aus dem 7. Jahrhundert nach Christus, bis zur zufälligen Wiederentdeckung 1976 erhalten blieb. Die Bewohner des Dorfes hatten sich rechtzeitig retten können.

Wer das einzige Weltkulturerbe des Landes besichtigt, darf jedoch keine Tempel wie in Mexiko und Guatemala erwarten. "In Joya de Cerén lebte die niedere soziale Klasse der Maya, die Landwirtschaft betrieb", sagt Guide Dionisio Mejía, 43. Entsprechend bescheiden kommen die Gebäudereste unter Schutzdächern daher.

Für die Forschung ist die eher unspektakuläre Mayastätte aber ein Glücksfall: So soll im Haus des Schamanen kein Mann, sondern eine Frau tätig gewesen sein, sagt Mejía. Und der Fund eines Dampfbads belegte, dass dieses nicht - wie vormals angenommen - einzig den höheren Schichten vorbehalten war. Zeugnisse der Maya finden sich auch in anderen archäologischen Parks - San Andrés, wenige Kilometer von Joya de Cerén entfernt, und Tazumal bei der Stadt Chalchuapa im Westen des Landes.

Ausflug in die Natur: Kraterseen, Pazifikstrände und Vulkane

Nicht weit entfernt liegt der Kratersee Coatepeque auf 746 Meter Höhe, bekannt als einer der schönsten Naturseen Mittelamerikas. In den Süden, an den Pazifik, reisen Surfer - Traumstrände gibt es dort allerdings nicht. Extraklasse dagegen ist das Seafood, für dessen Nachschub allein im Städtchen Puerto La Libertad etwa 200 Fischer sorgen.

Sind die Gründe nicht längst überfischt? Luis Alberto Aguilar, 42, weicht aus: "Das liegt alles in den Händen des Herrn." Der Fischer schaut gen Himmel. Die Fänge von heute, die er an der Mole filetiert, seien ein Segen und bereits an Restaurants verkauft. Sein Onkel habe ihn erstmals mit aufs Meer genommen. "Da war ich zwölf."

Und dann sind da noch die Vulkane. Über der Hauptstadt thront der gleichnamige San Salvador, der seit über 100 Jahren inaktiv ist. Der Weg vom Parkplatz zu den Aussichtsvorsprüngen über dem Krater dauert zehn Minuten.

Ein größerer Kraftakt ist die Besteigung des Santa Ana, mit 2381 Metern der höchste Vulkan des Landes. Die geführte Wanderung vom Besucherzentrum im Park Cerro Verde aus dauert etwa zwei Stunden und führt durch Wald und Gesträuch, über Felsen, Wurzelwerk und Geröll. Der Trail ist mit gelben Pfeilen markiert, nur vereinzelte Grüppchen sind unterwegs.

Am Kraterrand angekommen, ist die Aussicht großartig: Die Farben der Steilwände reichen von Pechschwarz bis Schwefelgelb, der See in der Tiefe leuchtet smaragdgrün. Gase zischen aus Spalten. Über dem Wasser wabern Dämpfe. Nach dem Aufstieg freut man sich auf eine Rast im Tal - und kräftigen Hochlandkaffee.

Andreas Drouve, dpa



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