Entlang dem Mississippi Die Plantagenhäuser von Louisiana

Das Herrenhaus der "Rosedown Plantation" im US-amerikanischen Bundesstaat Louisiana schimmert weiß durch die moosbewachsenen, mächtigen Bäume. Großzügig angelegte Veranden in einem französischen Garten erwarten den Besucher am Unterlauf des Mississippi.

Baton Rouge - Subtropisches Klima sorgt für üppige Vegetation. Die zwölf Hektar Bäume und Blumenstauden, Schlingpflanzen und Moos, Rasenflächen und kleine Teiche findet man im Städtchen St. Francisville nahe des Mississippi.

Die Geschichte der Rosedown Plantation ähnelt jener vieler Herrenhäuser auf Louisianas Plantagen. Das Haus wurde 1834 von der Turnbull-Familie errichtet, deren Vorfahren aus England kamen. Auf der Rosedown-Plantage wurde vor allem Baumwolle angebaut. Der Besitzer Daniel Turnbull besaß bis zu 450 Sklaven. Sein Reichtum schlug sich in der erlesenen Ausstattung des Wohnhauses, in den aus Europa importierten Möbeln und Stoffen und der aufwendigen Gartenanlage nieder.

Ebenfalls in St. Francisville findet sich die Butler Greenwood Plantation. Das eher bescheidene Haus besitzt eine breite Veranda mit kühlenden Ventilatoren an der Decke und zur Rast einladenden Hängematten. Der Garten der ehemaligen Plantage von 1790 wird von riesigen, moosbewachsenen Eichen dominiert. Schmale Seitenwege führen über verschlungene Pfade. Butler Greenwood ist einer der vielen Plantagensitze, die zu Bed & Breakfast-Herbergen ausgebaut wurden. Gäste wohnen in kleinen Cottages und sogar im früheren Küchenhaus.

"Wir versuchen hier, einen Eindruck vom Leben damals zu vermitteln", sagt die Besitzerin des Anwesens, Anne Butler, deren Vorfahren die Erbauer der Plantage waren. "Die viktorianische Einrichtung, die Möbel, Gemälde, das Porzellan und auch die Gärten draußen erzählen von der Vergangenheit." In der Region von St. Francisville gibt es fast ein Dutzend sehenswerter Plantation Homes. Weitere finden sich in Richtung Süden in der Umgebung von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas. Auch entlang dem Mississippi, von Baton Rouge in Richtung Südosten, liegen große Herrensitze aus der Bürgerkriegszeit.

Einer von diesen ist die Madewood Plantation in der Nähe von Napoleonville. Dieses Herrenhaus bietet Bed & Breakfast mit Gourmet-Küche. Der Bau grüßt den Besucher mit mächtigen Säulen an der hohen neoklassischen Front. Symmetrisch liegen an den Seiten die Nebengebäude, das Ganze umrahmt von gepflegtem Rasen und alten Baumriesen. Das 21 Zimmer zählende Herrenhaus wurde im Jahr 1846 von Colonel Thomas Pugh, einem Zuckerrohrfarmer, erbaut.

Das Haus bietet edles Holzparkett, Kamine, Säulengänge und Gemälde, und die herrschaftliche Treppe sieht so schön aus, dass eine Scarlett O'Hara hier hätte herunterschweben können. Man wohnt in hohen Zimmern mit kleinen Bädern und riesigen Himmelbetten. Um 18 Uhr wird zu Wein und Käse in die Bibliothek gebeten, um 19 Uhr folgt im Speisesalon das erlesene Dinner bei Kerzenlicht.

Es werden lokale Spezialitäten wie Krabbenkuchen und Maisbrot gereicht, anschließend im Salon Kaffee und Brandy. Vor dem Zubettgehen können sich die Gäste draußen im Dunkeln noch einen Spuk zu Gemüte führen: Es heißt, eine Vorfahrin der Besitzer finde keine Ruhe. Und tatsächlich sieht man hoch oben in einem Giebelfenster ein bleiches Frauengesicht.

Im amerikanischen Bürgerkrieg war Louisiana Mitglied der Konföderation der Südstaaten. Der interessante Schmelztiegel des heutigen Louisiana bietet eine Fülle von Einflüssen, die sich in Küche, Sprache, Dialekt und in den Lebensgewohnheiten niederschlagen. Spanier, Franzosen, Indianer, Deutsche, Engländer, Schwarze aus der Karibik und andere trafen sich hier.

Berühmt ist die Geschichte der Acadianer: Die Briten siedelten um 1755 rund 4000 französische Einwanderer von Kanada aus gewaltsam nach Louisiana um. Deren Nachfahren sind als Cajuns bekannt. Und der spanische Gouverneur brachte 1770 Einwanderer von den kanarischen Inseln mit. In den Dialekten Louisianas findet man daher heute viele spanische und französische Einflüsse.

Die beste Art, eine größere Auswahl von Plantation Homes zu besuchen, ist eine Reise entlang der so genannten Great River Road. Von St. Francisville bis nach New Orleans windet sich die Route über verschiedene Highways, Land- und Nebenstraßen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Mississippi. Hier liegen Plantagen mit klingenden Namen wie "Ashland Belle Helene", "Magnolia Mound", "The Myrtles", "Oakley House" oder "Laura". Die bekannteste jedoch ist wohl die "Oak Alley Plantation" nahe der Ortschaft Vacherie, die nur einen Steinwurf vom Mississippi entfernt hinter dem Deich liegt.

Die Zufahrt zur Plantage, eine von großen Eichen gesäumte Allee, ist eines der am meisten fotografierten Touristenmotive im amerikanischen Süden. Die Geschichte von Oak Alley begann Anfang des 18. Jahrhunderts, als ein Einwanderer aus Frankreich südlich des Mississippi ein kleines Haus baute und davor eine Allee aus 28 Eichen pflanzte. 1839 dann errichtete Jacques Roman, ein reicher Zuckerfarmer, hier eine Villa der Superlative.

Die Oak Alley Plantation steht heute unter Denkmalschutz und wird von einer gemeinnützigen Stiftung verwaltet. Die gesamte Anlage samt Gärten, Zuckerrohrfeldern und Wald umfasst rund 400 Hektar. Es gibt ein Restaurant und Cottages zum Übernachten, die im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet sind.

Das weiße Haus ist im neoklassischen Stil des "greek revival" erbaut und besitzt die für den Süden typischen Veranden, die einfachen, klaren Linien, die Säulen und das relativ flache Dach. Innen kann man handgefertigte französische Wollteppiche bestaunen, Möbel aus Mahagoni, Marmor-Verzierungen und all die kleinen Tricks und Einrichtungen, mit denen man sich früher in den Sommern Kühle schaffte. Draußen besticht die einzigartige Lage am Mississippi, mit den geraden Wegen, den Zuckerrohrfeldern, den Alleen und Zäunen.

Louisiana bietet Reisenden eine ganz spezielle Erfahrung. Neben den Plantagen locken Ausfahrten in die weit erzweigten Irrgärten der Bayous: Louisianas Seen, Flüsse und seine Küstengewässer im Golf von Mexiko gelten als Mekka für Angler und Sportfischer. Auf Fans kulinarischer Künste wartet die Küche der Cajuns. Und Musikliebhaber finden hier die Wiege des Jazz, dazu Blues, Folk und Bluegrass. Das subtropische Louisiana quirlt mit buntem Leben, mit einem Gewirr aus Farben, Gerüchen und Lauten. Es ist ein Platz für die Sinne, vor allem in der feuchten Hitze des Sommers.

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