Expat Show in Peking Alles, was sich Fremde wünschen
Peking - Ausländer in Peking wollen frische Luft, pestizidfreien Joghurt und zweisprachige Grundschulen. Außerdem wollen sie neue Zähne für sich selbst und für das Baby einen Strampelanzug aus Seide. Wer über die jüngste Schau für Expatriates in Peking streift, der bekommt schnell mit, was Ausländer wünschen - oder was Chinesen vermuten, was Ausländer sich wünschen.
Im Erdgeschoss des Pekinger Welthandelszentrums buhlten am vergangenen Wochenende insgesamt 150 Aussteller der Expat Show Beijing um Gunst und Geld der Zugereisten. Und das mit beachtlicher Hartnäckigkeit: Zwischen der Paris Avenue in Halle 1 und der Vancouver Street in Halle 2 versuchen zahllose Hostessen die Besucher zu überreden, sich für kostenlose Chinesisch-Schnupperkurse anzumelden oder Mitglied einer der zahlreichen Fitnessstudios zu werden. Zur Belohnung bekommen sie niedliche Visitenkartenhalter-Figürchen, Zahnseide oder roten Glücksbringer-Wandschmuck zugesteckt.
"Wenn Sie sich in diese Liste eintragen, können Sie zwei Karten für die Olympischen Spiele gewinnen", flötet die Repräsentantin eines Reiseveranstalters. Welcher Wettkampf? "Das erfahren Sie, wenn Sie gewonnen haben!" Grinsen, Zwinkern, Zungenschnalzen das Verkaufsgespräch endet wie ein Limonade-Werbespot aus den Achtzigern.
"Sehr gut und aus Amerika"
Am Stand des Anbieters von Öko-Nahrung Lohaocity sind die Vertreter auf allzu genaue Nachfragen nicht vorbereitet. Was denn der Spezial-Obstreiniger enthalte, fragt ein Besucher. "Das weiß ich nicht, ich bin eigentlich Studentin und arbeite hier nur nebenher. Aber Veggie Wash ist sehr gut und kommt aus Amerika", sagt die Verkäuferin.
In Peking arbeiten und studieren zahlreiche Ausländer, viele haben ihre Ehepartner und Kinder mitgebracht. Für Diplomaten, Geschäftsleute, Techniker, Journalisten und Praktikanten ist die chinesische Millionen-Metropole zeitweise zur zweiten Heimat geworden. Rund 7000 Deutsche arbeiten hier, schätzt Jörg Höhn vom German Centre for Industry and Trade in Peking. "Niemand hat genaue Zahlen."
Zwar sind die Zeiten lange vorbei, als in Peking nur zwei sogenannte Freundschaftsläden westliche Güter verkauften. Längst haben Ikea und Wal-Mart, Carrefour und Cartier Filialen eröffnet. In Internet-Foren wie thebeijinger.com tauschen Ausländer Tipps fürs Einkaufen und für die Wohnungssuche aus, es gibt westliche Restaurants, Clubs und Sportvereine.
Doch nicht allen fällt es leicht, sich anzupassen. Vor allem sind die Ausländer besorgt: Sind die Lebensmittel auch wirklich hygienisch sauber? Wo gibt es Kliniken, die nach westlichen Standards arbeiten, was sind die besten Schulen der Stadt? Und banaler noch: Wo gibt es Schokolade, die wenigstens annähernd so schmeckt wie in Europa?
Taxi-Tipps im Scheckkartenformat
"Ich war bisher in 70 Ländern, aber China ist das einzige Land, in dem niemand Englisch spricht", sagt ein weißbärtiger britischer Besucher der Messe. Dabei ist es inzwischen kein Problem, auch ohne Chinesisch ein Sandwich mit Käse und Schinken oder eine Nudelsuppe zu bestellen. Taxifahrer mit Englischkenntnissen sind dagegen trotz aller offizieller Nachhilfeprogramme eine Rarität. Deshalb bieten mehrere Stände scheckkartengroße Büchlein mit wichtigen Pekinger Adressen in chinesischen Schriftzeichen an.
Kein Wort Chinesisch sprach der französische Veranstaltungsorganisator Sasha Dunas, als er vor vier Jahren nach Peking zog. Die eigenen Orientierungsprobleme will er den anderen "Expats" ersparen. Außer einen Peking-Führer speziell für ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien konzipierte er im September 2007 die Expat Show in Shanghai, nun findet die Messe erstmals in Peking statt.
Besonders groß ist der Andrang am Stand von IQAir, einem Anbieter elektrischer Luftreiniger. "Wir testen kostenlos die Luftqualität in Ihrem Wohnzimmer", wirbt die Verkäuferin. Denn nicht nur durch Pekings Straßen wabert der Smog. In den Wohnungen schwirren mehr Staub- und Formaldehydpartikel durch die Luft, als für die Bewohner gut sind.
Reine Atemluft und sauberes Obst eines ist sicher: Ausländer sind in Peking keine Exoten mehr. Und die chinesischen Gastgeber drücken nicht mehr so häufig ein Auge zu, wenn sie sich schlecht benehmen.
Viele Zugereiste beklagen sich mittlerweile, dass das Klima rauer geworden ist. Die Visa-Regeln wurden jüngst verschärft, Verkehrssünder verlieren schneller als zuvor ihren Führerschein. Und vor wenigen Tagen nahm sich die Polizei in einem Vergnügungsviertel ausländische Jugendliche vor, die sie im Verdacht hatte, Ecstasy und Marihuana zu nehmen.
Da hilft dann auch keine Messe mehr.