Extrem-Shopping in Tokio Mangas, Maids und miese Mitbringsel

Aus Tokio berichtet

4. Teil: 17:15 bis 18:00 - Schlimmer als im Ein-Euro-Shop


17:15

Kleine Korrektur: Das mit den Kopfschmerzen könnte auch an folgender Geräuschkulisse liegen:

Im zu diesem Soundmix gehörenden Laden kostet ein Bettlaken mit einem Mangamädchen in Dessous als Motiv satte 1200 Yen - zu teuer. Für den Preis würde man im "Autumnleaf"-Laden nebenan schon drei Pornocomics kriegen, reger Zulauf der Altersgruppe 45 bis 60 kündet von der Beliebtheit des Angebots.

17:38

Warum so viel Zeit seit dem vorigen Eintrag vergangen ist, wird nicht verraten. Ich beschließe, meine Erwartungen auf der Suche nach dem Super-Souvenir ein wenig der Realität anzupassen. Keine überfahrenen Plastikkatzen weit und breit, stattdessen: Dutzende Automaten voller undefinierbarem Hello-Kitty-Unsinn aus Plastik.

Ich werfe 200 Yen in einen davon. Heraus kommen vier Plastikkügelchen, eine davon mit dem in Japan allgegenwärtigen Katzenkopf bemalt. Sinn und Zweck sind nicht zu erkennen. Ich schmeiße die Plastikkugeln weg. Langsam wird dieser Ausflug zum Desaster.

17:43

In die Elektronik-Shops wage ich mich schon gar nicht rein, viel zu teuer sind Casio-Uhren und Canon-Kameras. Dafür entdecke ich endlich einen Laden mit bezahlbaren Manga-Miniaturen. Für 300 Yen kaufe ich ein niedliches braunhaariges Männchen, das mahnend den Zeigefinger hebt und auf Knopfdruck mit tiefer Stimme irgendwas auf Japanisch sagt.

17:49

Eins brauch ich noch. Vielleicht ein gelbes Gummihuhn, das bei Druck auf den Magen quietscht? Oder ein als "New Relaxation Item" angepriesenes Kopfkissen in Form kniender Damenbeine ohne Oberkörper? Ist ja schlimmer als im Ein-Euro-Laden hier.

In meinen Gedanken sehe ich das Löwen-Orakel aus dem Tempel wissend nicken. Hätte ich doch auf seine Ratschläge gehört!

17:59

Ich gehe zum "Don Quijote"-Laden am Bahnhof, ein Riesenkaufhaus, das bekannt ist für riesige Mengen an höchst absurdem Krimskrams. Vorbei an Bikinis im Weihnachtsmann-Look und Hautbleichungscremes, an Fußmassagegeräten und Furzkissen gehe ich zielstrebig in die Lebensmittelabteilung und kaufe eine Zehnerpackung Instant-Misosuppe. 296 Yen.

Die Suche nach skurrilem Quatsch gebe ich hiermit auf und freue mich endlich mal über etwas Sinnvolles: Die Suppenpaste ist klarer Spitzenreiter meiner Souvenir-Top-Five.

Ergebnis der Shopping-Tour (zum Vergrößern bitte anklicken): Stillleben mit Suppe
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Ergebnis der Shopping-Tour (zum Vergrößern bitte anklicken): Stillleben mit Suppe



insgesamt 8 Beiträge
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freibier0815 21.12.2009
1. Akihabara
Naja, wer wirklich passende Mitbringsel sucht, der sollte vielleicht auch nicht unbedingt in Akihabara einkaufen. Das vom Autor beschriebene ist ja alles noch recht harmlos. Wirklich abgefahren wird's erst, wenn man in die Adult-Video-and-Manga-Abteilungen der Geschäfte geht. Da findet man so einiges, was schon hart an der Grenze zur Kinderpornografie ist. ;) In Tokyo kann man auch ganz billig schöne kleine Geschenkchen wie Hashi (Essstäbchen) oder kleine Glücksbringer kaufen. Ach, ich fahr trotzdem immer wieder gerne mal nach Akihabara. Allein wegen diesen Elektronikmärkten. Man bekommt alles und das auch noch billig. Wirkt trotzdem immer ein wenig wie das, was man sich unter einem chinesischen Lebensmittelmarkt vorstellt - nur eben mit Handies, Messgeräten, Schraubenziehern, Lämpchen etc.
Huscheli, 21.12.2009
2. Sagt mal...
Kann Spiegel eigentlich auch noch über irgendwas andres aus Japan berichten anstatt neueste Elektronik, Mangakram, Pornozeug, Sushi und Hello Kitty? Jeder der Akihabara kennen muss, kennt es schon lange - und auch die andren werden in ihren Japanferien in Tokyo früher oder später drüberstolpern - so what? Mal davon abgsehen kommts drauf an für wen man das Mitbringsel braucht, diese Stereotypisierung nervt. Meine mangaliebenden Freundinnen wären sauer, würde ich nichts von dort mitbringen, aber für die liebe Oma findet man dort höchstvermutlich nichts, ja. Da wären wir nie selbst drauf gekommen!
Greta Pan 21.12.2009
3. Doch eher Shinjuku oder Shibuya
Meine Geschenkesuche würde ich wohl auch nicht auf Akihabara beschränken. Mir erscheint dieser Stadtteil viel zu sexualisiert, fast schon pervertiert. Tokyu Hands in Shibuya bietet wirklich genügend und wenn man es etwas verrückter mag, dann reicht auch schon Harajuku, Takeshita-dori. Ich persönlich würde wohl je nach Wetterlage nach Asakusa gehen. Irgendein Haarspay oder ein Lipgloss, den bei ranking ranqueen kaufen kann, hat nichts besonderes und schon gar nicht typisch japanisch.
st_anja 21.12.2009
4. nicht schon wieder !
es ist schade, dass es wiedermal nur so einen albernernen artikel über japan gibt. wer zur geschenksuche nach akihabara geht ist selbst schuld. ich denke, die geschenksuche ist nur ein misglückter aufhänger für einen spass-artikel über japan. es gibt nicht nur in tokyo genug gelegenheiten japanische geschenke mitzubringen und ich meine nicht hello kitty oder so einen kram. das fängt beim eingelegten meerrettich an, geht über glöckchen und säckchen aus verschiedenen tempeln, unterschiedliche tücher (zum verpacken, naseputzen, aufhängen und erstellen von einkaufstaschen) und endet bei mochi und sonstigen leckereien oder wunderschön geschnitzten oder bemalten essstäben inkl. etui. ein bericht über asakusa wäre für geschenkekauf in japan sicherlich passender gewesen.
bigglesworth 21.12.2009
5. Schon wieder ...
Ich kann mich Huscheli und st_anja nur anschließen. Diese permanente Exotisierung Japans geht langsam auf die Nerven. Als ob es über das gegenwärtige Japan nicht genug Relevantes zu berichten gäbe, besonders nach dem Regierungswechsel.
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