Exuma Cays Fallobst für die Drachen

Es gibt sie noch: Die kaum entdeckten Inseln mit der berühmten einen Palme - auf den Bahamas. Eine der 365 Eilande der Exuma Cays beherbergt sogar Drachen.

Von Frank Schneider


Raus aus dem Trubel der Metropole Nassau. Wenn man die kleine Hafenstadt mit dem typisch karibischen Flair denn als solche bezeichnen will. Während am Anlegesteg für die Ozeanriesen die Leinen manchmal von einem gigantischen Touristendampfer an den nächsten weitergereicht werden können, bieten die Bahamas auf den Out Islands das genaue Gegenteil.

Natur pur

Mehr agil als putzig: Bahama Leguan auf Allan's Cay
Frank Schneider

Mehr agil als putzig: Bahama Leguan auf Allan's Cay

Einsam geht es nicht nur auf dem Meer über dem flachen Sandgrund zu, dem die Bahamas ihren Namen verdanken. In südöstlicher Richtung der Hauptinsel New Providence liegen die Exuma Cays: Eine verschlafene Inselkette, mal mit mehr mal mit weniger Abstand von Eiland zu Eiland. Platz genug für Natur pur. Im Norden gibt es Naturschutzgebiete über und unter dem Meeresspiegel.

Häuser sind nur spärlich gestreut, manche nicht größer als die berühmte Blockhütte unter Palmen. Nur rund 3600 Menschen leben auf den Exumas, die meisten in Georgetown. Damit die Natur auch weiterhin die Oberhand behält, werden die Bestimmungen hinsichtlich einer Bebauung überaus streng ausgelegt.

Weil vor allem die nördlichen Exuma Cays manchmal wie unbewohnt wirken - die wenigen Häuser haben schon etliche Jahre auf dem Buckel oder sind gar dem allmählichen Verfall preisgegeben - war das Gebiet auch für Reisende der speziellen Art recht attraktiv. Drogenschmuggler nutzten versteckte Buchten oder fernab gelegene Landepisten als Zwischenstation für das Umladen der heißen Ware aus Mittel- und Südamerika vor dem Weitertransport nach Florida. Bei einem dieser illegalen Abenteuer gingen die Kuriere allerdings mächtig baden.

Flugzeug mit nassen Füßen

Jede Menge Einsamkeit: 'One Palm Tree Island'
Frank Schneider

Jede Menge Einsamkeit: 'One Palm Tree Island'

Weil die Behörden der Bahamas eng mit den Drogenfahndern aus den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, kann man davon ausgehen, dass dieses Team mit allen Wassern gewaschen ist. Als der Tipp durchsickerte, dass bald ein Flugzeug aus Kolumbien mit einer Ladung Drogen erwartet wird, wurde die Landebahn auf der kleinen Insel anlässlich dieses Ereignisses einfach um dreihundert Meter nach vorne verlegt. Mitten in die Lagune der Bucht.

Nachts sind alle Katzen grau und alle unbeleuchteten Inseln kaum zu erkennen. Lediglich die Pistenbeleuchtung war zu sehen. Schwimmfackeln gaukelten einen nicht vorhandenen Landestreifen vor... Die Drogen wurden einkassiert, die Transporteure und einer der Bosse wanderten in den USA hinter schwedische Gardinen.

Anders ihre Propellermaschine: Mit ausgefahrenem Fahrgestell und durch ein Feuer bei der Wasserlandung halb ausgebrannt, steht der Drogenflieger seitdem bis zur Fensterlinie auf sandigem Grund im karibischen Meer. Heute haben Schnorchler ihren Spaß mit dem Flugzeugwrack.

Fallobst für Drachen

Segelrevier für jeden Tag: 365 Inseln bilden die Exuma Cays der Bahamas

Segelrevier für jeden Tag: 365 Inseln bilden die Exuma Cays der Bahamas

Eine der interessantesten Inseln in der Kette der Exumas ist Allan's Cay. Scheinbar völlig unbewohnt tobt das Leben dort auf ganz besondere Art. Schon vom Wasser aus erkennt man, das am Strand von Zeit zu Zeit irgendetwas hin und her huscht: Drachen im Miniformat. Der Bahama-Leguan mit der blauen und roten Zeichnung am Kopf ist die wohl schönste Art der karibischen Echsen.

Dass sie echt sind, beweisen sie gerne: Man darf den Strand der Insel betreten. Das zaghafte Herantraben der Tiere kann allerdings in einen überraschenden Trippelgalopp umschlagen, sobald sie kleine Leckerbissen aus Obst erspähen. Und scheinbar macht ihnen die Jagd auf nackte Touristenfüße besonderen Spaß. Weil es doch ganz schön heftig zwickt, wenn sie ihre Kiefer in Ferse oder Fußballen schlagen, gibt es von den Besuchern statt einer Fütterung aus der Hand dann doch meistens Fallobst aus einigem Abstand. Vor allem wenn die größten Vertreter dieser Art nahen - sie werden über einen Meter lang.

Exumas unter Wasser

Ausgeflogen: Vor Norman's Cay steht ein Flugzeugwrack im Wasser
Frank Schneider

Ausgeflogen: Vor Norman's Cay steht ein Flugzeugwrack im Wasser

Unter eingefleischten Tauchern zählen die Bahamas zu den schönsten Spots der Welt. Ob die hautnahe Begegnung mit friedlichen Stachelrochen oder das Abtauchen in James Bonds Grotte aus "Feuerball": Die Exumas haben allerhand unter dem Meeresspiegel zu bieten. Gut organisierte Tauchbasen findet man in Georgetown, etwa das Exuma Dive Center, das Kooperationen mit verschiedenen Hotels anbietet.

Von Nassau werden Ausflüge zu den Minidrachen mit einem Powerboot angeboten, die Fahrtzeit ins Naturschutzgebiet dauert knapp eine Stunde. Wer sich dem Trubel der Hauptinsel dauerhaft entziehen will, kann eines der wenigen Hotels auf den Exumas buchen, die meisten davon befinden sich in und um Georgetown auf Grand Exuma im Süden der Kette. Ein kleineres Haus ist das Eco-Resort Higginsland auf Stocking Island. Wem die halbstündige Flugzeit von Nassau einfach zu schnell ist, kann die Anreise von dort auch mit dem wöchentlich verkehrenden Postschiff hinter sich bringen.

Sind Leguane und Korallenfische immer noch zu lebhaft, bleibt - wenigstens für ein paar Stunden - immer noch der Abstecher nach "One Palm Tree Island". Wie der Name schon sagt: Einsamer geht's wirklich nicht.



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