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Radreise zu zweit: Bestandsprobe für die Ehe

Foto: Yuily Hsia

Per Fahrrad um die Welt Liebestest auf der Langstrecke

Eine Taiwanerin und ein Deutscher lernen sich bei einer Reise in Neuseeland kennen und verlieben sich. Bei einer Radtour durch Europa entscheidet sich, ob sie ein Paar bleiben.

An dem Tag, an dem Yuily Hsiao und Stephan Teusch in ihr Abenteuer aufbrechen wollen, regnet es. Die von Wolkenkratzern geprägte Skyline von Taichung ist oft von Smog umhüllt - an diesem Donnerstag mischt sich der Dunst mit Regenwolken. Die Straßen der taiwanesischen Millionenstadt sind nass von den Schauern am Vormittag.

Ausgerechnet an diesem Tag im Januar 2016 will das Paar seine Tour starten: einmal mit dem Rad um Taiwan herum. Als sie um die Mittagszeit die geschmückten und mit roten Satteltaschen beladenen Räder auf die Straße schieben, reißt die Wolkendecke auf und sie können im Trockenen radeln - zumindest vorerst.

"Wir hatten diese Reise mehr als ein Jahr lang geplant", sagt Stephan Teusch. Der 33-Jährige kommt aus Schweich. Die Kleinstadt nahe Trier ist so ziemlich das Gegenteil der 2,8-Millionen-Metropole Taichung, in der er die vergangenen zwölf Monate mit seiner 34-Jährigen Freundin gelebt hat.

Knapp zwei Jahre zuvor, im April 2014, lernte sich das Paar in Neuseeland kennen. Für solche, die an grenzenlose Liebe glauben, klingt die Geschichte romantisch - für diejenigen, die über den ein oder anderen Urlaubsflirt hinweggekommen sind, eher unglaublich: In der Sauna eines Hostels trafen sich der Deutsche und die Taiwanerin zum ersten Mal. Ihr Kennenlernen haben sie in einem Comic auf ihrem Blog  verbildlicht: beide eher schüchtern, beide voneinander angetan. Dann gingen sie wandern. Und verliebten sich.

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Nach ihrer Zeit in Neuseeland entschieden Teusch und Hsiao, dass sie sich wiedersehen wollen. "Wir wollten danach beide sowieso weiter nach Malaysia reisen", sagt er. "Also haben wir uns dort getroffen."

Und als die Reise beendet war? Beschloss Teusch, zur Freundin nach Taiwan zu ziehen. "Ein wenig Angst hatte ich schon, da ich die Sprache ja nicht konnte", sagt er. "Aber das war völlig unbegründet." Nach zwei Wochen hatte der Mediengestalter einen Job als Deutschlehrer.

Noch in Malaysia habe Yuily von einer Freundin erzählt, die eine Radtour im Ausland machte, sagt Teusch. "Yuily meinte, sie sei nicht so mutig, sie würde sich maximal trauen, um Taiwan zu radeln." Er sei begeistert gewesen von der Idee. "Dabei meinte Yuily das eigentlich nur als Scherz." Doch er habe begonnen, sich über Radreisen zu informieren, von der Ausrüstung bis zur Route um die Insel.

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Radreise zu zweit: Bestandsprobe für die Ehe

Foto: Yuily Hsia

An jenem Januartag fuhren die beiden also los, den Highway entlang, der aus Taichung herausführt. "Wir waren uns sicher, dass es super werden würde", sagt Teusch. "Wir waren ja schon so viel zusammen gereist." Doch er machte die Rechnung ohne die Räder - und ohne den Regen.

"In der ersten Woche haben wir uns sehr viel gestritten", sagt er. Es ging bergauf, es war kalt, es regnete beinahe ununterbrochen, und die beiden wollen unterschiedlich schnell fahren. "Auf einmal lernt man eine ungeduldige und gestresste Seite von der anderen Person kennen, die man nie für möglich gehalten hätte", sagt Teusch. Es habe eine Weile gedauert, bis sie sich eingespielt hätten. Doch es klappte.

Los geht's in Taichung

Los geht's in Taichung

Foto: Yuily Hsia

Es klappte irgendwann sogar so gut, dass sie beschlossen, nicht nur um die Insel zu fahren, sondern bis nach Deutschland. Nach einem Stopp in Taichung radelten sie über China, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Iran und die Türkei nach Europa. Nachts schlugen sie meist ihr Zelt an Tankstellen oder versteckten Orten auf. Sie kochten fast ausschließlich selbst auf dem Campingkocher, um Geld zu sparen: "So sind wir mit etwa drei bis vier Euro pro Tag gut ausgekommen."

Mindestens einmal die Woche bräuchten die Muskeln einen Tag Pause, sagt Teusch. "Und alle paar Wochen der Kopf." In Albanien hätten sie sich ein kleines Haus gemietet und seien drei Wochen geblieben.

Im Januar 2017 begannen sie, übers Heiraten nachzudenken. "Ich dachte, dass es schön wäre, zu heiraten, wenn wir in Deutschland ankommen", sagt Teusch. "Yuilys Bruder wollte uns dann sowieso besuchen kommen, das passte gut."

Als sie vier Monate später in Deutschland ankamen, ließen sich die beiden trauen. Einen Monat später ging es weiter nach England, Schottland und Irland. Danach radelten die beiden durch Skandinavien. "Als Nächstes wollen wir nach Afrika", sagt Teusch, als sie auf Zwischenstation in der Heimat Schweich sind. "Es gibt nur zwei Gründe, warum wir aufhören könnten: Wir haben es satt, oder wir haben kein Geld mehr."

Foto: Sarah Hill

Was sie seit Beginn ihrer Fahrradreise gelernt haben? "Wir sind entspannter geworden", sagt Teusch. Und sie hätten gelernt, mit Regen umzugehen. "Am Anfang dachten wir, bei Regen müssen wir trotzdem fahren, so haben wir uns das nun einmal ausgesucht." Heute wissen sie es besser: Bei Regen radelt kein Mensch. "Wenn es regnet, bleiben wir einfach, wo wir sind, und fahren am nächsten Tag weiter."

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