Feinschmecker-Guide Michelin Tokio erhält doppelt so viele Sterne wie Paris

Der französische Gourmetführer Michelin ist hellauf begeistert von Tokios Restaurants. Die erste Ausgabe ist eine einzige "Hommage an die außergewöhnliche Küche" der japanischen Hauptstadt. Die Tester bescherten deren Köchen wesentlich mehr Sterne als den Parisern oder New Yorkern.

Tokio - Tokio ist heute die Stadt mit den weltweit meisten Sternen geworden - in der ersten Ausgabe des renommierten Michelin-Restaurantführers für ein Land außerhalb Europas beziehungsweise der Vereinigten Staaten. Der "Guide Michelin Tokyo 2008" führt Japans Hauptstadt mit einem Paukenschlag ein: Gleich 191 Sterne verlieh das gestrenge Gastronomiebrevier an Feinschmeckerlokale in Tokio, fast doppelt so viele wie an Paris (97) und mehr als dreimal so viele wie an New York (54). Erstmals in der 108-jährigen Geschichte des Gourmet-Führers erhielten alle 150 ausgewählten Restaurants mindestens einen Stern. Laut Michelin ist das eine "Hommage an die außergewöhnliche Küche" in Japan.

In die Spitzenriege der Drei-Sterne-Etablissements, die damit nach Michelin-Verständnis allein schon die Reise nach Japan lohnen, schafften es acht Lokale: fünf mit japanischer und drei mit französischer Küche. Auf 25 weitere entfielen jeweils zwei Sterne, mit einem Stern wurden immerhin noch 117 bedacht. Der Anteil der Restaurants mit japanischer Küche liegt bei 60 Prozent. Unter den 59 "ausländischen" Lokalen (mit überwiegend japanischen Küchenchefs) dominieren mit 44 diejenigen, in denen die französische Haute Cuisine zelebriert wird. In den übrigen wird italienisch, chinesisch oder spanisch gekocht.

Unter den sterngekrönten "Japanern" sind solche mit mehrgängigen Kaiseki-Menüs und Sushi-Kreationen, aber auch auf Buchweizen-Soba-Nudeln spezialisierte Lokale oder solche, die den legendären Fugu-Kugelfisch im Angebot haben. Die Zubereitung dieser Delikatesse ist in Deutschland verboten. In Japan ist dafür eine Spezialausbildung der Köche und eine besondere Lizenz erforderlich, weil bei einem auch nur leisen Anritzen der Leber des Fisches die ganze Mahlzeit zum tödlichen Gift werden kann.

Kritiker wurden hoch geehrt

Käuflich zu erwerben ist der auf Japanisch und Englisch abgefasste "Guide Michelin" ab Mittwochabend. Vor seiner Veröffentlichung hatte es in Japan in einschlägigen Kreisen, aber auch in den Medien eine heiße Diskussion darüber gegeben, ob das ganze Unternehmen nicht Ausdruck eines typisch französischen Kulturimperialismus sei. Dieser wisse die Besonderheiten der einheimischen Essgewohnheiten und Traditionen nicht zu würdigen, ereiferten sich japanische Starköche und Gourmet-Kritiker.

Den Michelin-Führer focht das nicht an. Das Sushi-Restaurant "Sukiyabashi Jiro" eines seiner Hauptkritiker, Yoshikazu Ono, nahm er mit drei Sternen in die begehrte Höchstkategorie auf.

abl/AFP

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.