Covid-19-Testzentrum am Frankfurter Flughafen: Reisen der Zukunft?
Covid-19-Testzentrum am Frankfurter Flughafen: Reisen der Zukunft?
Foto: Luis Velasco / Stocksy United

Geimpft, getestet, eingecheckt? Wie wir in Zukunft wieder per Flugzeug verreisen könnten

Kaum einer verbringt seinen Urlaub in Flugferne, die Flugzeuge stehen am Boden. Wie soll es weitergehen? Die Branche unternimmt viel, womit sie Reisenden und Regierungen die Angst vor dem Fliegen nehmen will. Ein Überblick.
Von Franziska Bulban und Antje Blinda

Die Natur atmet auf, die Flugbranche leidet – so lässt sich das Corona-Jahr 2020 mit Blick auf die Luftfahrt zusammenfassen. Allein im zweiten Quartal 2020 ging die Zahl der in Deutschland startenden Passagierinnen und Passagiere laut Statistischem Bundesamt um 97 Prozent zurück . Deshalb arbeitet die Flugbranche weltweit daran, Reisen sicher genug zu machen – mit unterschiedlichen Ansätzen: Wird es zum Beispiel eine Impfpflicht oder eine Corona-Testpflicht für Fluggäste geben? Und wie könnten die Passagiere ihre Nachweise vorzeigen?

Ob ein Testergebnis beim Check-in vorgelegt werden muss, hängt zurzeit vor allem von den Einreisebestimmungen am Zielort ab – und weniger von den Vorgaben der Airlines. Zum Beispiel müssen ab kommenden Montag alle, die nach England fliegen wollen, ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Das gilt auch für alle, die von Großbritannien nach Deutschland wollen. Ab 26. Januar wird dies auch für Flüge in die USA gelten – zumindest für jene, die überhaupt einreisen dürfen.

Gibt es jedoch keine behördlichen Vorgaben der Ein- oder Ausreiseländer, verlangen die Airlines auch keine negativen Testergebnisse. In Pilotprojekten führen sie dennoch Probeläufe durch – wie etwa die Lufthansa im Herbst auf mehreren »Corona-freien« Flügen zwischen München und Hamburg. Freiwillige konnten an den Flughäfen Antigen-Schnelltests durchführen, die Airline akzeptierte aber auch negative PCR-Testbescheide. Wer das nicht wollte, konnte andere Verbindungen nutzen. Lufthansa-Tochter Austrian probte dies zwischen Wien und Berlin, Alitalia ähnlich zwischen Rom und Mailand.

Solche Projekte sollen – neben dem Üben der Abläufe – Passagieren wie Regierungen zeigen, dass Fliegen theoretisch wieder sicher sein kann und dass Quarantäneregeln überdacht werden sollten. Denn kaum jemand wird für zwei Wochen in den Urlaub fahren, wenn er diesen dann in einem Zimmer absitzen muss. Auch deshalb wünscht sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr »eine europäische Lösung mit der Maßgabe ›Test statt Quarantäne‹«.

Impfnachweis oder Schnelltest: Was die Airlines planen

Viele Fluglinien hoffen also auf Schnelltests, damit der Reiseverkehr wieder starten kann. Bei der Impfpflicht gehen die Einstellungen auseinander: Der Chef der australischen Fluggesellschaft Qantas, Alan Joyce, kündigte beispielsweise schon vor Monaten in verschiedenen australischen Medien  an, eine Impfpflicht für Kundinnen und Kunden auf internationalen Flügen einzuführen. Der Schritt sei eine »Notwendigkeit«. Allerdings war in Australien zwischenzeitlich auch eine Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger im Gespräch. Zuletzt hieß es, sie könnte zumindest für bestimmte Personengruppen eingeführt werden.

In Deutschland betont Gesundheitsminister Jens Spahn immer wieder: »Ich gebe Ihnen mein Wort: Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben.« Das kündigen auch die meisten anderen europäischen Länder an. Auch die Lufthansa wird eine Impfung nicht vorschreiben, wie ein Sprecher bestätigt. Allerdings geht ihr Chef Carsten Spohr  davon aus, dass bei bestimmten Langstreckenflügen in Zukunft jeder »geimpft oder getestet« sein wird.

Und auch das Forum der internationalen Tourismusbranche stellt sich gegen eine Impfpflicht für Flugreisende. Die Präsidentin des World Travel & Tourism Council (WTTC), Gloria Guevara, sagte auf einer Reuters-Veranstaltung, es habe sich bei früheren Ausbrüchen von schweren Infektionskrankheiten wie etwa Ebola, Sars und Mers gezeigt, dass Reisen auch ohne Impfstoff weiter möglich sei.

Auch ihrer Ansicht nach sind zur Kontrolle in der jetzigen Pandemielage Schnelltests geeignet, die beispielsweise vor dem Besteigen des Flugzeugs auch zu relativ niedrigen Kosten gemacht werden könnten. Bereits jetzt seien Flugreisen – etwa auch Transatlantikflüge – problemlos möglich, da die Airlines mit Blick auf die Pandemie gute Vorkehrungen getroffen hätten, sagte Guevara.

Tool für Fluggäste: »Travel App« der Iata

Reisende stehen zurzeit also einem Wirrwarr an Vorschriften gegenüber, die sich gegebenenfalls schnell ändern können, zudem Absichtserklärungen und Plänen. Welche Länder erlauben ihnen den nun die Einreise? Und unter welchen Bedingungen? Mit Impfung, Test oder mit Quarantäne? Im Zweifel buchen sie erst gar nicht.

Der internationale Verband der Fluggesellschaften, Iata, will die Informationen, aber auch die Corona-Daten der Passagiere mithilfe einer kostenlosen App zugänglich machen. Im November versprach Iata-Sicherheitschef Nick Careen, dass die Plattform für Smartphones mit Android und iOS im ersten Halbjahr 2021 verfügbar sein sollte.

Der »Travel Pass « auf dem Smartphone soll vier Elemente kombinieren:

  1. Information über die Einreisebestimmungen aller Länder. Passagiere sollen hier herausfinden können, ob beispielsweise eine Impfung oder ein Test zur Einreise in ein Land verpflichtend ist.

  2. Information über Test- und Impfzentren, damit Reisende vor dem Abflug auch bei den richtigen Institutionen getestet oder geimpft werden

  3. Möglichkeit des Datentransfers von autorisierten Laboren und Testzentren

  4. Möglichkeit für Fluggäste, ihre Testergebnisse und Impfausweise digital etwa an Airlines und Einreiseländer zu übermitteln und zugleich Reisedokumente wie Flugtickets auf dem Smartphone zu verwalten

Singapore Airlines  hat Ende Dezember begonnen, den Schritt der Testzertifizierung auf Basis der Iata-App zu testen: Wer sich in bestimmten Kliniken in Jakarta und Kuala Lumpur auf Covid-19 testen lässt, bevor er nach Singapur fliegt, bekommt einen QR-Code mit dem Ergebnis. Diesen könne das Personal beim Check-in mithilfe der App überprüfen und sicherstellen, dass die Kundinnen und Kunden die Einreisebestimmungen für Singapur einhalten, heißt es in der Pressemitteilung der Airline.

Hohe Infektionsraten in ganz Europa

Eine ähnliche Initiative wurde auch schon in Kooperation mit dem Weltwirtschaftsforum ins Leben gerufen: Die App »Common Pass« soll es Kundinnen und Kunden ermöglichen, ihre Testergebnisse hochzuladen und zu überprüfen, ob sie damit in ein Land reisen dürften. »Im Moment kommen Menschen mit Zetteln an Flughäfen, und niemand weiß, wie man überprüft, ob sie den Anforderungen genügen. Da wollen wir mehr Vertrauen schaffen«, sagte Initiator Paul Meyer der BBC. 

Bei der Lufthansa unterstützt man beide Initiativen: »Wir arbeiten gemeinsam mit unseren globalen Partnern an internationalen Standards zur Integration des Corona-Testergebnisses in die gesamte Reisekette und fördern Konzepte wie CommonPass oder die Iata-»Travel Pass«-Initiative«, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Welche Einreisebestimmungen gelten, kann man schon jetzt beim Auswärtigen Amt  sowie für Europa (außer Großbritannien) auf einer Seite der Europäischen Kommission überprüfen: Auf reopen.eu  werden alle Daten gesammelt und zugleich die Infektionsraten auf einer Europakarte gezeigt. Ein Farbcode verrät, welche Länder diesbezüglich derzeit als relativ gefahrlos eingestuft sind – von Grün über Gelb bis hin zu Rot. Derzeit ist fast ganz Europa rot eingefärbt. Und das ist ein Problem, das die Fluggesellschaften mit keiner App lösen können.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes haben wir geschrieben, dass Australien eine Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger plant. Inzwischen wird das jedoch nicht mehr diskutiert, stattdessen ist nur noch eine Impfpflicht für bestimmte Personengruppen im Gespräch. Wir haben die Stelle korrigiert. Eine Zwischenüberschrift konnte zudem den Eindruck erwecken, dass ein Impfnachweis beim Check-in in Australien bereits notwendig ist. Auch das haben wir geändert.