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Günstige Flugtickets: Frühbucher sind klar im Vorteil

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Günstig Flüge buchen Die Last-Minute-Legende

Wie lange muss ich im Voraus buchen? Welcher Abflugtag ist am günstigsten? Und wie kommen die Ticketpreise eigentlich zustande? Die besten Tipps, wie Sie bei der Buchung Ihres Fluges Geld sparen können.
Von Denis Krick

Es gibt sie noch, die Schnäppchen. Doch sie sind selten geworden. Wer darauf baut, kurz vor knapp einen billigen Flug zu ergattern, der verkalkuliert sich in den meisten Fällen. Buchungen in letzter Minute sind nicht billiger, sondern fast immer teurer. Es empfiehlt sich also, rechtzeitig die Tickets zu kaufen. Doch wie lange im Voraus muss man sich festlegen, um preisgünstig wegzukommen?

Die Preisvergleichsseite billigflieger.de hat alle ihr vorliegenden Daten für das vergangene Jahr statistisch ausgewertet und im Flugmonitor 2011 veröffentlicht. Dabei wurden nicht nur die Angebote der Airlines, sondern auch die von großen Reiseportalen berücksichtigt. Aus der Studie ergeben sich zahlreiche und manchmal verblüffende Ratschläge, wie man beim Buchen des Urlaubs Geld sparen kann. Hier die wichtigsten Tipps:

Frühzeitig buchen
Für innerdeutsche und europäische Flüge gilt die Faustregel, dass man spätestens zehn Wochen vor Reiseantritt gebucht haben sollte. Die Tickets sind zu diesem Zeitpunkt meist 50 Prozent (Inland) beziehungsweise 40 Prozent (innerhalb von Europa) günstiger als der Endpreis am Abflugtag. Wer sich nicht so weit im Voraus festlegen möchte, kann jedoch immer noch erheblich sparen: Drei Wochen vor dem Start der Maschine spart man immerhin noch 40 Prozent (Inland) beziehungsweise 30 Prozent (Europa). Erst danach zieht der Preis rasant an.

Bei Flügen nach Übersee kommt es tatsächlich auf den Zielort an. Für USA-Reisen sollte man zum Beispiel mindesten sieben Wochen im Voraus buchen. Die durchschnittliche Ersparnis liegt dann bei 20 Prozent im Vergleich zum finalen Preis. Im Verhältnis zu den Inlands- und Europa-Flügen betrachtet, klingt dies niedrig. Aufgrund des höheren Ticketpreises sind die tatsächlich eingesparten Euro-Beträge jedoch häufig höher.

Der richtige Tag für Abflug und Ankunft
Der günstigste Tag für den Reisebeginn ist der Freitag. Dabei sollte man allerdings nicht zu den Kernzeiten buchen, sondern sich auf Flüge am frühen und späten Abend festlegen. Dort ist das Einsparpotential am größten. Für den Rückflug bietet sich für innerdeutsche Verbindungen laut Statistik der Montag an. Wer aus dem Ausland kommt, der sollte seine Heimkehr auf den Sonntag legen.

Die Länge des Urlaubs
Auch die Dauer zwischen Ab- und Rückflug wirkt sich auf den Preis des Tickets aus. Im Inland fliegt man bei einem Abstand von drei bis sechs Tagen, in Europa bei zwei bis fünf Tagen und nach Übersee bei drei bis zehn Tagen am günstigsten.

Schulferien, Messen, Großveranstaltungen
Natürlich gibt noch zahlreiche andere Faktoren, die bei der Buchung ins Gewicht fallen - und den Preis fürs Ticket verteuern. Wer zum Beispiel zum Schulferienbeginn losfliegen möchte, darf sich über höhere Kosten nicht wundern. Und wenn vor Ort zeitgleich mit der Anreise ein großes Event oder eine Messe stattfindet, spiegelt sich dies ebenfalls im Ticketpreis wider. Deshalb gilt: Wer zeitlich flexibel buchen kann, ist klar im Vorteil.

Für SPIEGEL ONLINE hat billigflieger.de  bei vier beliebte Flugverbindungen das Verhalten des Ticketpreises im vergangenen Jahr untersucht. Das Ergebnis der beispielhaften Untersuchung bietet einen interessanten Einblick in die Preisentwicklung.

  • Im Sommer nach Mallorca (Köln - Palma, 7 Tage)
    Sieben Wochen vor Abflug liegt der Preis durchschnittlich bei 138 Euro. Eineinhalb Wochen vor dem Start ist er immerhin auf 154 Euro gestiegen. Kurze Zeit später werden die 200 Euro knapp erreicht.
  • Im Frühjahr nach Thailand (Frankfurt am Main - Bangkok, 20 Tage)
    Wer schon 40 Wochen im Voraus bucht, zahlt 491 Euro. 30 Wochen später erst 499 Euro. Danach steigt der Preis relativ gleichmäßig auf knapp 670 Euro.
  • Zum Oktoberfest nach München (Hamburg - München, 2 Tage)
    Den günstigsten Preis gibt es bis 48 Wochen vor Abflug. 89 Euro sind zu zahlen. Bis zehn Wochen vor Reiseantritt verändert sich der Preis nur wenig (plus 3 Euro), dann geht es fast raketenartig bergauf: 129 Euro (fünf Wochen), 198 Euro (zwei Wochen) und am Ende satte 306 Euro.
  • Silvester in New York (Frankfurt am Main - New York, 3 Tage)
    28 Wochen vor dem Jahreswechsel liegt der Preis noch bei 445 Euro. Innerhalb der folgenden drei Wochen steigt dieser jedoch rasant auf 569 Euro und klettert im Anschluss langsam weiter. Zwei Tage vor Abflug kostet das Ticket 609 Euro, 24 Stunden später 657 Euro.

Flugpreise - Wie entstehen sie?

Doch wer berechnet eigentlich die Kosten für das Ticket? Bei fast allen Fluggesellschaften übernehmen diese Aufgabe komplexe Computerprogramme. Bei der Lufthansa zum Beispiel ist eine selbstentwickelte Prognosesoftware im Einsatz. Bereits ein Jahr vor Abflug der jeweiligen Verbindung werden hier die Preise anhand des derzeitigen Passagieraufkommens kalkuliert.

Das System unterteilt First, Business und Economy in weitere Buchungsklassen, für die es verschiedene Preise gibt und für die unterschiedliche Buchungs- und Tarifbedingungen gelten. Danach reagiert das Programm dynamisch auf die Nachfrage, erhöht den Preis automatisch und passt die Buchungsklassen dementsprechend an.

Ähnlich läuft das System bei Billig-Fluggesellschaften ab, ist dabei aber meist weniger komplex. So arbeitet zum Beispiel Easyjet auch mit verschiedenen Buchungsklassen innerhalb des Fliegers. Für den werbewirksamen "Ab"-Preis, also das günstigste Ticket, stehen laut einer Sprecherin der Airline immer zehn Prozent der Sitzplätze zur Verfügung.

Tickets werden nicht verramscht

Unternehmen wie Lufthansa überlassen aber nicht alles dem Rechner. Ferien, Messen und Großveranstaltungen, die die Nachfrage nach Verbindungen steigern können, werden manuell nachgepflegt.

Grundsätzlich werden alle Maschinen überbucht. Eine sogenannte No-Show-Rate - also eine Anzahl von Passagieren, die nicht den Flug antreten - ist fest eingeplant. Auch diese wird vom Computer berechnet, denn auch hier gibt es Unterschiede. So ist die No-Show-Rate laut eines Lufthansa-Sprechers zum Beispiel bei Flügen nach Asien weitaus geringer als in die USA.

Sollte eine Maschine wider Erwarten zu einem großen Teil nicht ausgelastet sein, werden die verbliebenen Tickets laut Lufthansa nicht verramscht. Vielmehr setzt die Fluglinie ein kleineres Flugzeug ein. Auch gibt es keine Last-Minute-Tickets, wenn nur wenige Plätze bis kurz vor Abflug frei sind - auch wenn die Fluggesellschaft so manche Werbekampagne als "Last Minute"-Aktion tituliert. So beworbene Tickets werden meistens vier bis acht Wochen vor Abflug verkauft. Eigentlich setzt die Lufthansa aber darauf, dass sich schon ein Fluggast finden wird, der den vollen Ticketpreis zahlt und honoriert, dass man für ihn noch einen Platz gefunden hat.

Manchmal geht jedoch die Kalkulation der Computer nicht auf und die errechnete No-Show-Rate stimmt nicht. Wenn tatsächlich zu wenige Plätze frei sind, wird am Gate nach Fluggästen gesucht, die bereit sind, eine spätere Maschine zu nehmen. Sie erhalten dafür eine finanzielle Entschädigung. Auch eine Möglichkeit, beim Fliegen Geld zu sparen.

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