Trend zum Luxus auf Schiene Japans neue Zugkreuzfahrten

Schiffskreuzfahrten? Macht doch jeder. Wer wirklich exklusiven Luxus genießen will, fährt Bahn. Und Japan fährt da vorneweg: mit Angeboten für wenige, aber sehr, sehr zahlungskräftige Passagiere.

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Japan gilt grundsätzlich schon als teures Reiseland. Wer aber überhaupt nicht auf den Cent achten muss, für den haben japanische Bahngesellschaften jetzt noch etwas ganz Besonderes im Angebot: eine Reise in "rollenden Hotels". So bewerben East Japan Railway (JR East) und West Japan Railway (JR West) neue Luxusreisezüge der Extraklasse, mit denen die Japaner vor allem reiche Pensionäre im eigenen Land, aber auch wohlhabende Touristen locken.

Angefangen hat das in Nippon im Jahr 2013. Zunächst waren es nur zwei futuristisch anmutende, sündhaft teure Luxuszüge, die ihr Glück an der Oberkante des Reisemarktes versuchten. Offenbar mit so großem Erfolg, dass die Betreiber nun weitere Angebote folgen lassen wollen. Bereits im nächsten Jahr sollen die Züge erstmals auf Reise gehen.

"Wir wollen, dass die Reisegäste das schöne Japan entdecken. Die Räumlichkeiten sind nicht nur erlesen, sondern sollen irgendwie auch an die guten alten Zeiten erinnern", erläutert Yoshihisa Tsujimoto von JR West das Konzept für den "Twilight Express Mizukaze".

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Luxuszug Shiki-Shima: Edelhotel auf Schienen

Der Reisezug besteht aus zehn Wagen für gerade einmal etwa 30 Fahrgäste. Einer der Wagen ist als Luxussuite gestaltet, die das ganze Abteil einnimmt - samt Schlafzimmer, Wohn- und Esszimmer, einem Badezimmer mit Badewanne und einem Privatbalkon. Hinzu kommen Doppel- und Einzelzimmer-Abteile - wie in einem Hotel eben, nur dass dieses auf Rollen steht und durch die Landschaft fährt. An den beiden Enden des Zuges befinden sich Aussichtswagen mit Sofas und riesigen Scheiben.

In Betrieb geht der Luxuszug am 17. Juni 2017. Es stehen vier Routen mit einer Übernachtung und eine Rundreise mit zwei Übernachtungen zur Wahl. Die Preise pro Fahrgast rangieren zwischen 270.000 Yen (rund 2200 Euro) und 1,25 Millionen Yen (10.000 Euro) für die Gäste, die in der Luxussuite reisen. Ein Angebot, wie gemacht für Menschen, die von ihren Zinsen leben.

Bahnfahren der Extraklasse gibt es auch bei JR East. Die Gesellschaft bringt im Frühjahr den "Shiki-Shima" auf die Reise, einen Luxusreisezug, der ebenfalls aus zehn Wagen für nur 34 Fahrgäste besteht. Auch dort soll der Gast verwöhnt werden: zum Beispiel in Suites mit Bädern aus edlem Zypressenholz und einem sogenannten Horigotatsu, einem traditionellen im Boden eingelassenen Fußwärmer unter dem Tisch.

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Die teuerste Fahrt ist eine Reise in einer Suite für zwei Personen mit drei Übernachtungen für 950.000 Yen pro Person (rund 8000 Euro) - im direkten Vergleich mit dem Mizukaze schon fast ein Schnäppchen.

Trotz der hohen Preise wurde JR East dem Vernehmen nach geradezu überschüttet mit Buchungsanträgen. Denn auch wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt seit vielen Jahren mit Deflation, Konjunkturflaute und der rapiden Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen hat, so ist Japan dennoch ein reiches Land. Vor allem die ältere Generation, die anders als die jüngere hohe Sparvermögen anhäufen konnte, ist für Japans Bahngesellschaften eine vielversprechende Klientel für Luxusreisen. Das zeigte bereits der Erfolg erster Vorgängerzüge.

Für den Bau des neuen "Shiki-Shima" hatte JR East nach eigenen Angaben etwa fünf Milliarden Yen eingeplant, doch am Ende seien es mehr geworden. Wie viel, wollte ein Sprecher nicht verraten. Doch die Betreiber würden in die sündhaft teuren Edelbahnen nicht investieren, wenn sie sich davon nichts versprechen würden.

Auch sollen die Züge die ländlichen Regionen fördern. Sie leiden unter der Überalterung der Bevölkerung und der Abwanderung der Jungen in die Großstädte. "Wir wollen die noch unentdeckten Schönheiten und Sehenswürdigkeiten (Japans) ausgraben und dadurch die Regionen beleben helfen", erklärte JR East-Sprecher Kenichi Koga.

Daneben sind auch die immer zahlreicher ins Land strömenden ausländischen Touristen eine Zielgruppe. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 soll sich die Zahl ausländischer Besucher auf 40 Millionen verdoppeln. Darunter dürfte auch mancher Wohlhabende sein.

Luxus auf Schiene: ein weltweiter Trend

Im Grunde ist der Luxusreisezug die Wiederbelegung eines Konzeptes aus dem 19. Jahrhundert. Unvergessen ist der Klassiker: Ab 1883 pendelte der Orientexpress zwischen Paris und Konstantinopel.

Seit Anfang der Neunziger gab es wieder vereinzelt solche Angebote, und seit etwa zehn Jahren boomen sie weltweit, bei immer mehr auf die Spitze getriebenen Standards: Rollende Hotels bewegen sich an der Oberkante der touristischen Angebote.

Die Luxushotelkette Belmond pflegt inzwischen Name und Tradition des Orientexpress', der nun zwischen Venedig und London verkehrt und darüber hinaus auch "Signature"-Reisen nach Instanbul bietet. Kostenpunkt: Städtehüpfen (2 Tage, 1 Übernachtung) ab ca. 2000 Euro. Für den Fünf-Tage-Trip von Paris bis Instanbul zahlen zwei Erwachsene in geteilter Suite 12.250 Pfund. Pro Person, versteht sich, aber all-inclusive.

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Irlands neuer Luxuszug: Schlössergucken auf der Schiene

Preiswerter sind die touristischen Rundfahrten mit dem Grand Hibernian, dem neuesten Luxuszug der Kette: Seit Sommer 2016 bietet der Rundreisen mit zwei bis sechs Übernachtungen, vorzüglicher Küche und exklusiv geführtem Ausflugsprogramm für Preise von 3300 bis 8500 Euro pro Person.

Unter den luxuriösen Mehrtagesbahnfahrten ist das nicht ungewöhnlich. Der zwischen Kapstadt und Tansania verkehrende Rovos-Zug "Pride of Africa" hat Kurztrips ab 1200 Euro im Angebot und neuntägige Bummelfahrten mit Golf-Aufenthalten für 8700 Euro pro Person. Schnäppchen sind in Südamerika zu machen, wo man für 8000 Euro 14 Tage lang von Ecuador bis Peru durch die Anden tuckern kann, oder mit dem Andean Explorer zwei Tage auch schon mal ab 500 Euro bekommt.

Zu den Klassikern unter den rollenden Hotels gehört der Eastern & Oriental Express zwischen Singapur und Bangkok, aber auch der berühmte Al Andalus, der seine Passagiere in vier Tagen von Sevilla nach Granada bringt (ab 1850 Euro). Ähnlich wie bei Schiffskreuzfahrten gibt es ein breites Angebot, das von höchst exklusiv über traditionsreich bis zu erschwinglich reicht: Dann spricht man über Züge mit gehobener Ausstattung mit Komfort-Schlafkabinen (Beispiel: Rocky Mountaineer, Kanada) oder Nostalgiezugreisen mit eingeschobenen Hotelaufenthalten.

Lars Nicolaysen, dpa/pat

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minsk60 06.12.2016
1. Zugklassiker
Sie haben unter den Zugklassikern mit Luxusangebot "Zarengold" durch Rußland und "Palace on Wheels" durch Indien vergessen.
dotter101 06.12.2016
2. Japan gilt grundsätzlich schon als teures Reiseland
Naja, der Flug kostet genauso viel wie einer in die USA und das Hotel ist auch nicht teuer, wo ist da das grundsätzlich?
keksguru 06.12.2016
3.
Zitat von dotter101Naja, der Flug kostet genauso viel wie einer in die USA und das Hotel ist auch nicht teuer, wo ist da das grundsätzlich?
In den USA gibt es Städte, allen voran Las Vegas, wo die Hotels sogenannte "Resort fees" erheben, die einem in der Buchungsbestätigung nicht genannt werden und speziell eben in Las Vegas bis zu 250$ pro Übernachtung extra kosten.
keksguru 06.12.2016
4. Transsib...
es gibt in der Transsib einen Luxuswaggon der in 6 Tagen von Ulan Bator in der Mongolei nach Moskau fährt... Kostenpunkt knapp unter 2000 Euro.
kalim.karemi 06.12.2016
5. Reisen in Japan
Ist nicht teurer, als reisen in Deutschland. Am teuersten am reisen in Japan, sind Resorts in Ferienregionen wie Okinawa. Wer teuer reisen möchte, muss derzeit in die USA fahren, Kalifornien ist das was man unter teuer reisen versteht.
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