Deutscher Impfpass: Mit einer Corona-Impfung nach Island
Deutscher Impfpass: Mit einer Corona-Impfung nach Island
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Tourismus in der Pandemie Geimpft und für einreisefähig erklärt

Staaten wie Island lassen künftig Geimpfte ins Land, ohne sie in Quarantäne zu schicken. Die EU hat sich zwar auf einen Impfpass geeinigt – Streit gibt es aber über die Frage, wozu er gut sein soll.
Von Antje Blinda

Wer von Tansania nach Australien einreisen will, muss einen Impfpass vorzeigen. Ohne einen Stempel ist der Grenzübertritt nicht erlaubt. Das Ziel: die Verbreitung des Gelbfiebers zu stoppen und die eigene Bevölkerung zu schützen. So wie Australien machen viele Länder diese Impfung zur Pflicht für eine Einreise aus Staaten, in denen die von Mücken übertragene Infektionskrankheit verbreitet ist. Bisher war diese Impfung die einzige weltweit, die nicht nur empfohlen, sondern auch vorgeschrieben war.

Doch auch wer demnächst nach Island, Polen, in die Republik Moldau oder auf die Seychellen reisen will, ohne große Teiles seines Urlaubs in Quarantäne zu verbringen, muss einen Impfnachweis vorzeigen. Mit einer Bestätigung für zwei aufeinanderfolgende Impfungen gegen Covid-19. Diese Länder wollen das Coronavirus schon an der Grenze abweisen, Zypern will ab 1. März folgen und wohl auch bald weitere Länder. Quarantäne- und Testpflicht für Urlauber – für Geimpfte kein Thema mehr?

Während innerhalb der EU, in Deutschland, bei Fluglinien und Reiseunternehmen noch diskutiert wird, ob Geimpfte irgendwelche Vorteile in Anspruch nehmen dürften, schaffen die ersten Länder Fakten. Und sie bringen so nach und nach den Tourismus wieder in Gang – in der Hoffnung, dass dies für Bevölkerung und für Reisende sicher sei.

EU: Zu viele Fragen offen

Die EU-Staaten hatten sich in der vergangenen Woche bei einem Videogipfel zwar auf einen EU-Impfpass geeinigt, der soll aber vorerst keine Wirkung haben. Diskutiert wird noch, welche Daten erfasst werden, ob dies digital geschehen soll und ob der gelbe Impfpass der Weltgesundheitsorganisation übernommen werden könnte. Die 27 EU-Mitgliedsländer wollen sich bis Ende Januar auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Vorerst sollen zwar nicht notwendige Reisen weiter eingeschränkt werden, die Grenzen aber offen bleiben.

Spanien, Portugal und Griechenland hatten auf dem Gipfel gefordert: »Die Personen, die geimpft sind, müssen frei reisen dürfen«, wie der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte. Die spanische Tourismusministerin Reyes Maroto hofft: »Das könnte zur Wiederherstellung der Mobilität auf europäischer Ebene beitragen.« Allerdings haben diese Länder noch keine Einreiseerleichterungen für Corona-Geimpfte beschlossen.

Europastaatsminister Michael Roth hielt ein Impfzertifikat für wichtig, sagte jedoch: »So weit sind wir aber leider noch nicht.« Noch seien zu wenige geimpft, zu viele Fragen offen. Ungeklärt ist vor allem, ob Geimpfte andere anstecken können, was vor allem Deutschland zögern lässt. Innenminister Horst Seehofer (CSU) argumentiert zudem schon länger: Privilegien für Geimpfte, das könnte eine Impfpflicht durch die Hintertür bedeuten und die Gesellschaft spalten. Kritiker von Vorteilen für Geimpfte halten sie für unfair, solange nicht jeder geimpft werden könne.

Impfpass ja, aber wozu?

Wie lange das dauert, darüber gibt es unterschiedliche Prognosen, mindestens aber bis Mitte des Jahres dürften viele Menschen warten müssen, die keiner priorisierten Gruppe angehören. (Lesen Sie hier eine Datenanalyse  darüber, wann das Impfstoffproblem gelöst sein könnte.)

Wohl noch länger dürfte es für Menschen aus weniger entwickelten Ländern dauern. Eine Impfpasspflicht würde diese wie auch jüngere Menschen diskriminieren, heißt es beim Tourismusverband World Travel and Tourism Council (WTTC) : Beide Gruppen hätten derzeit noch keine Gelegenheit, sich impfen zu lassen, selbst dann nicht, wenn sie es wollten. Der Verband spricht sich daher auch dagegen aus, dass Unternehmen wie Airlines oder Hotels nur Geimpfte befördern oder beherbergen.

Rein rechtlich dürften private Unternehmen ihren Kundinnen und Kunden solche Vorschriften machen – der Ansicht ist zum Beispiel der Rechtsanwaltsexperte Uwe Schlegel vom Netzwerk ETL. »Der Gastwirt und der Hotelier sind nämlich prinzipiell frei in ihrer Entscheidung, wen sie bewirten oder beherbergen«, sagte er dem Touristikmagazin »fvw«. Denn so weit gehe die rechtliche Pflicht zur Gleichbehandlung nicht. Eine Pflicht zum Vertragsabschluss – den sogenannten Kontrahierungszwang – gebe es nur in sehr wenigen Fällen. Das Bundesjustizministerium jedoch sieht noch viele Fragen ungeklärt.

Impfpass ja, ist wohl das Fazit zumindest innerhalb der EU. Doch was so ein Nachweis bewirken können soll, darüber wird noch gestritten.

Derweil entwickeln der Welt-Airlineverband IATA sowie die Organisation CommonPass schon mal Tools für die Verwaltung zukünftiger Reisedokumente: Mobilfunk-Apps, in denen theoretisch sämtliche Impf- und Testnachweise sowie Einreiseinformationen gesammelt werden könnten. Getestet werden die neuen Apps nun am Arabischen Golf bei den Fluggesellschaften Etihad und Emirates.

Und während in der EU noch über die Farbe des Impfpasses gegrübelt wird, prescht der oberbayerische Landkreis Altötting vor: Wer geimpft ist, kann sich dort auf freiwilliger Basis und kostenlos eine Impfkarte erstellen lassen. Darauf erfasst sind die persönlichen Daten, Impfstoff und die beiden Impftermine. »Wir haben das völlig eigenständig umgesetzt«, sagte ein Sprecher, das Vorgehen sei nicht mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt worden. »Der Landrat wollte den Leuten schon einmal etwas an die Hand geben.«

Mit Material von dpa
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