Hallo Taxi! Mit Totalschaden durch Maputo

Ohne Bremse durch Havanna, ohne Orientierung durch Damaskus und auf der Gegenfahrbahn gen Moskau: Taxifahrten können wild und gefährlich sein. SPIEGEL-ONLINE-Leser berichten von ihren Erlebnissen in aller Welt.


La Paz, Bolivien: In den Fängen von Trickbetrügern

Nach einer erlebnisreichen Bustour zum Lago Titikaka komme ich endlich wieder in La Paz an, dieser beeindruckenden, bedrückenden, lauten, langsamen, hektischen, verschlafenen, dreckigen, verzauberten, ganz anderen Stadt auf 3500 Meter Höhe in den bolivianischen Anden. Es ist spät, ich bin müde, und selbst auf dem zentralen Bushalteplatz im Zentrum der Stadt gibt es nur dämmeriges Licht aus den paar Straßenfunzeln die noch funktionieren. Ein unwirtlicher Ort, fast menschenleer bis auf ein paar finstere Gestalten – nichts wie weg hier.

Nachdem ich mein Gepäck aus dem Gepäckfach herausgerissen habe, suche nach einem Taxi. Und da steht er schon. Welch ein Glück! Der Fahrer sucht noch einen weiteren Passagier - und kommt kurz darauf mit einer etwas dicklichen Bolivianerin Mitte 30 zurück. Die beiden sind recht gesprächig und klären mich auf, dass in letzter Zeit wiederholt Polizeikontrollen vorgekommen seien. Einerseits sei das nervig, andererseits aber auch gut, da endlich etwas gegen die Kriminalität getan würde.

Und schon steht er am Straßenrand – unser Polizist, hält das Taxi an und steigt gleich mit ein. Während die Fahrt gleich weitergeht, kontrolliert er erst mal die andere Passagierin. Missmutig, dass er nichts gefunden hat, widmet er sich dann meinem Rucksack, steck seinen Kopf tief hinein, nach Drogen schnüffelnd. Durchleuchtet mein Geld und sucht nach gefälschten Scheinen. Meine Beifahrerin fängt an den Polizisten zu beschimpfen: Er solle mich, den harmlosen Touristen, doch in Frieden lassen – aber er lässt sich nicht abhalten, greift sich meine nächste Tasche und wiederholt die Prozedur.

Als Nächstes will er prüfen, ob meine Kreditkarte in Ordnung sei. Er könne das per Telefon mit einer Bolivianischen Bank abklären und ich möge ihm doch bitte die PIN mitteilen. Wie bitte? Einem bolivianischen Polizisten meine Geheimzahl mitteilen? "Ni loco" – auf keinen Fall, sage ich ihm. Ich schlage ihm vor, er solle mir die ersten beiden Ziffern sagen, dann könnte ich die beiden anderen bestätigen – das Thema Kreditkarte gibt er daraufhin auf. Immer wieder greift er in meinen Rucksack.

Wir kurven noch etwas in der Stadt herum, durch dunkle Viertel, Orientierung habe ich schon lange keine mehr. Dann endlich hält das Taxi und lässt mich an irgendeiner Straßenecke raus. Ich greife meinen Rucksack, und erst da wird mir klar, dass es von Anfang an ein abgekartetes Spiel war. Meine Kamera ist weg, der Teil vom Bargeld, den ich nicht am Körper getragen hatte auch und meine Kreditkarte steckt verkehrt herum im Portemonnaie. Ist das wirklich meine?!

Bei dem ganzen Gewühl im Taxi haben alle drei die ganze Zeit ein perfektes Theaterstück aufgeführt – und ich war zum Hauptdarsteller geworden ohne es zu merken. Trickdiebe klärt man mich am nächsten Tag in der Polizeistation auf, das sei ganz normal hier. Warum man keine Warnhinweise am Flughafen austeilen würde? "Das wäre zu teuer für uns, der Flughafen ist in privater Hand."

Matthias Lehmann



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