Herbst in den Hamptons Ein Hauch von Glamour

Im Sommer fliehen die Reichen in die Hamptons. Im Herbst sind die hübschen Long-Island-Städtchen auch für Normaltouristen bezahlbar. Genau die richtige Zeit, um Promis zu spotten, einsame Strände zu erkunden und den Indian Summer zu genießen.

AP/ KKM Photo

Von Eva Peigné, New York


Julia Ressy ist in Position, der Fotoapparat bereit. Jetzt muss nur noch Hollywoodstar Hilary Swank zur Vorstellung ihres neuen Films in East Hampton erscheinen. Dieser Tage dreht sich in den Hamptons alles um den internationalen Film, es ist Festivalzeit.

Viele der auf dem Hamptons International Film Festival gezeigten Werke gelten mittlerweile als Oscar-Favoriten, rund hundert von ihnen haben in den vergangenen Jahren einen Academy Award oder eine Nominierung erhalten. "Foxcatcher", "St. Vincent" und auch der Neue von Hilary Swank, das Western-Drama "The Homesman", gelten in diesem Jahr als heiße Oscar-Kandidaten.

Und tatsächlich, mit 30 Minuten Verspätung trifft die Schauspielerin ein, läuft lächelnd und mit einem "Hello!" an Ressy und ihrem Mann vorbei - und geht weiter zu den Fotografen am roten Teppich.

Wie viele Touristen ist die Tagesmutter Ressy aus New York mit ihrem Mann übers Wochenende angereist. Ein Abstecher, um etwas von der berühmten Hamptons-Luft zu schnuppern.

"Sie ist einfach an mir vorbeigelaufen, ganz ohne Security-Aufgebot. Stars, so entspannt und quasi zum Anfassen - das gibt's nur hier", sagt Ressy. "Außerdem ist es jetzt nicht so voll, der Herbst wunderschön und alles erschwinglicher als in der Sommerzeit. Gut für normale Touristen wie uns." Kein Gedrängel, keine Security, kein Stress - auch nicht rund um den roten Teppich.

Hotspot der Superreichen

Das ist zu dieser Jahreszeit typisch für die Hamptons. Die Region liegt auf dem östlichsten Zipfel von Long Island, etwa zwei Stunden von Manhattan entfernt. Southampton, East Hampton, Montauk, Sag Harbor und Amagansett sind hübsche Kleinstädte am Atlantik.

Einst Ackerland, sind viele der eleganten Städtchen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zum Hotspot der Superreichen und Prominenten geworden. Ob Ex-Präsident Bill Clinton, Rap-Star P. Diddy, Sänger Billy Joel oder Designerin Donna Karan - viele New Yorker oder Promis, die es sich leisten können, haben hier ein Haus oder eine Villa als Sommer- und Wochenend-Refugium. Oder sie mieten sich zumindest eine zu horrenden Preisen.

Während der Sommersaison sind die Orte überfüllt, überteuert und verstopft. Jetzt, da die Hauptsaison vorbei ist, locken die Hamptons auch Normaltouristen: Hotelpreise sinken um bis zu 50 Prozent, Restaurants machen spezielle Angebote, und fast jede Kleinstadt organisiert Herbstfestivals - sei es mit Kürbissen, zum Erntedank oder eben zum Film.

Davon wollen auch Marc und Katy Smith aus Kanada profitieren. Sie sind nun zum sechsten Mal hier und kommen am liebsten im Herbst. "Man hat die wunderschönen Strände manchmal sogar fast für sich allein, kann sogar bei gutem Wetter noch schwimmen gehen. Oder eins der vielen Kürbisfeste besuchen, wandern und den berühmten Indian Summer genießen", sagt Katy Smith.

Wenn die Natur allein nicht reicht, sind da noch die kleinen Boutiquen zum Shoppen - oder zumindest zum Bummeln entlang der liebevoll dekorierten Schaufenster. "Alles hier ist außergewöhnlich exklusiv, aber gleichzeitig gemütlich, intim, ja fast familiär. Das alles macht für mich den besonderen Zauber der Hamptons aus", sagt Katy Smith. "Schon allein der Name 'Hamptons' und das Gefühl, für ein paar Tage dazuzugehören, sind wie ein Statussymbol", ergänzt ihr Mann.

Farmer neben Millionären

Das war auch der Grund für Tisha Collette, von Kalifornien in die Hamptons zu ziehen. Mittlerweile ist die Besitzerin von fünf Designer-Secondhandboutiquen selbst in den Kreis der illustren Hamptons-Gesellschaft aufgestiegen. Ihre Kleider sind vor allem bei Touristen beliebt.

"Ich habe viele Kleider von Promis und Filmstars, die hier wohnen. Die Touristen wissen das und wollen sich mit dem getragenen Kleidungsstück auch einen Hauch von dem Glamour leisten und mit nach Hause nehmen", sagt sie. Früher hätte sie nur Kunden aus den USA gehabt, mittlerweile kämen Besucher aus der ganzen Welt.

Die Hamptons sind zum internationalen Anziehungspunkt geworden, eine Art US-amerikanische Mischung aus Monaco, St. Tropez und Sylt. Beliebt sind vor allem die sauberen, weitläufigen weißen Sandstrände und die Nähe zu Wäldern.

In kaum einem anderen Ort der USA sind Grundstückpreise so teuer und begehrt wie auf diesem Zipfel von Long Island. Dutzende Agenturen für Luxusimmobilien verkaufen nahezu täglich Villen an Kundschaft aus aller Welt - für 10, 20, 30 Millionen Euro. Viele Bauern sind durch den Verkauf ihres Landes mittlerweile selbst Millionäre.

Aber die Hamptons haben auch eine etwas bodenständigere Seite. Der Ort Montauk gilt als ein Paradies für Surfer und Strandspaziergänger, die Hotels sind günstiger als im vornehmen East Hampton. Bauernfamilien verkaufen am Straßenrand Obst, Gemüse und selbst gemachte Marmelade.

Für Boutiquenbesitzerin Collette macht genau das den Reiz der Hamptons aus: "Hier gibt es Orte, da leben Farmer neben Millionären, alle friedlich wie eine große Familie", sagt sie.

Julia Ressy und ihr Mann wollen am Ende ihres Kurztrips noch einmal die berühmte Lily Pond Lane in East Hampton abfahren - wo die mitunter teuersten und bestabgeschirmten Villen stehen. Und anschließend noch einen Abstecher in den Edelsupermarkt Citarella in East Hampton machen.

"Wer weiß, vielleicht sehen wir ja noch, wie Billy Joel sich Seife kauft", sagt sie und lächelt. Den Film mit Hilary Swank wollen sie sich auch unbedingt ansehen. Und wiederkommen - am liebsten im nächsten Herbst.

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insgesamt 5 Beiträge
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Ballonmütze 14.10.2014
1. neu england
Ich war im Herbst einige male etwas weiter nördlich auf Cape Cod. Wesentlich günstiger als die Hamtpons und genau so schön. Aber mal eben als jährlichen Kurztrip ist das Ganze unbrauchbar für Europäer. Zu teuer und zu lang die Flüge.
techass 14.10.2014
2. L.I. besteht nicht nur aus den Hamptons
Klar, die Hamptons sind schon eine Welt für sich, extrem schick und extrem teuer in der Hauptsaison. Es gibt aber auch viele andere schöne Seiten und Ecken auf Long Island. Erwähnen möchte ich nur etliche Weingüter und -Kellereien, die vielen langen Strände (zum Beispiel Mastic Beach), das Montauk Point Lighthouse (Leuchtturm), Old Bethpage Village Restauration oder das Vanderbilt Museum and Mansion in Centerport. Alles in allem kann man sagen, dass Long Island sehr abwechslungsreich ist, ruhige erholsame Ecken wechseln sich mit interessanten und turbulenteren ab. Es gibt auf Long Island auch kurzweilige, lokale Museen, die sich mit Walfang beschäftigen, immerhin ist Sag Harbor mehrfach im "Moby Dick" erwähnt. Man muss auch nicht unbedingt in den Hamptons logieren, je weiter man sich NYC nähert, desto günstiger werden die Hotels, zum Beispiel in Patchogue oder in Bay Shore. Long Island ist also immer eine Reise wert!
Marc Anton 14.10.2014
3.
LI ist wunderschön und mehr als die Hamptons. Sind jedes Jahr mind. 1x dort Dank dort lebender Freunde. Da diese übrigens ein relativ normales Gehalt beziehen, ist das Leben für Otto Normal kein Zuckerschlecken. Die Lebenshaltungskosten sind enorm. Aber schee' is scho'
kangootom 14.10.2014
4. Promis spotten
Promis spotten, die ganz ohne Security-Aufgebot da sind. Meine Güte, ist die deutsche Sprache so arm geworden, dass man dafür keine Übersetzung gefunden hat? Denglish at its best.
Miere 15.10.2014
5. Sylt?
Promis, teuer, Sandstrand, kaltes Meer. So dermaßen exotisch ist das ja nu nicht.
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