Shopping-Paradies Hongkong "Einkaufen ist Teil unserer Kultur"

Goldene Uhren oder Elektronik, Turnschuhe oder Cartoon-Trash: Wer auf einer Städtereise viele Stunden mit Shopping verbringen will, ist in Hongkong bestens aufgehoben. Feilschen ist dabei Pflicht - um Geld zu sparen für den Abend im Gourmet-Restaurant.

TMN

Hongkong - Suchen muss man auf dem Ladies Market nicht. Ausgefallene Mitbringsel fallen einem auf dem belebten Straßenmarkt in Hongkong fast von allein in den Schoß: kleine ferngesteuerte Autos in der Dose, Perücken in Pink, Poster von Bruce Lee, Badetücher mit dem Konterfei von Hello Kitty, USB-Sticks getarnt als Super Mario, seidig schimmernde Kleider mit chinesischen Ornamenten, neonfarbene Handytaschen oder Armbanduhren. Die Auslagen der dicht gedrängten kleinen Stände gönnen den Augen keine Pause.

Nur eine Straße weiter reiht sich ein hell beleuchtetes Geschäft an das andere. Fast unendlich viele bunte Schilder mit chinesischen Schriftzeichen hängen über der Straße. In den Schaufenstern stehen die neuesten Turnschuhmodelle der großen Markenhersteller.

In der anderen Richtung haben sich die Elektronikhändler angesiedelt und bieten Smartphones, Computer, Tablets oder Kameras an. "Wer hier den verlangten Preis bezahlt, ist selber schuld", sagt Fremdenführerin Wing Lau. Denn Handeln gehört in Hongkong dazu.

Die Millionenmetropole am südchinesischen Meer verfügt über ein schier unendlich erscheinendes Warenangebot. Über das ganze Stadtgebiet verteilen sich zahlreiche traditionelle Märkte, kleine Geschäfte und auf Hochglanz polierte Einkaufszentren wie das "1881 Heritage" - das frühere Hauptquartier der Marinepolizei. Kaum eine Straße in Kowloon oder Hongkong Island, in der nicht irgendetwas verkauft wird: chinesische Kräuter, frische Fische in gekühlten Plastikkisten, teure Polohemden oder goldene Uhren.

Wolkenkratzer und Grünflächen

Das üppige Angebot ist natürlich nicht nur für die jährlich über 30 Millionen Touristen gedacht, die die ehemalige britische Kolonie besuchen. "Einkaufen ist Teil unserer Kultur", erklärt Mandy Soh, Marketing Managerin des Hotels Icon. Nach dem Feierabend noch ein wenig durch die Straßen zu bummeln gehöre für viele Bewohner der heutigen Sonderverwaltungszone einfach dazu. Und Fremdenführerin Wing ergänzt: "Manche Feiertage werden nur als Ausrede benutzt, um wieder einkaufen gehen zu können."

Bei all dem lebhaften Trubel - an vielen Stellen finden sich auch stille Rückzugsorte. Zum Beispiel im Hongkong Park im Central District auf Hongkong Island. Ein plätschernder Brunnen hält hier den Lärm der Straßen fern. Ohne das fröhliche Geplapper der Schulkinder, die nach Schulschluss in ihren Uniformen durch den Park ziehen, wäre es fast ruhig.

Im großen, künstlich angelegten Teich ziehen bunte Fische ihre Bahnen. Doch trotz der üppigen Vegetation vergisst man die Großstadt nie. Denn hinter dem satten Grün der Bäume recken sich die verglasten Wolkenkratzer in den blauen Himmel.

Rückzugsräume bieten auch die vielen buddhistischen oder taoistischen Tempel. Zum Beispiel der Man-Mo-Tempel an der Hollywood Road auf Hongkong Island. Wer durch das üppig verzierte rot-goldene Portal schreitet, tritt in eine andere Welt: Von der Decke in dem schummrig beleuchteten Raum hängen Kegel, an deren Ende rote Zettel baumeln.

Auf diesen Papieren, die von den Tempelwächtern aufgehängt wurden, haben Besucher ihre Wünsche geschrieben. "Geht der Wunsch in Erfüllung, muss man wiederkommen und sich bedanken", erklärt Wing. Verkauft werden die roten Zettel an einem Tresen in der Ecke des großen Hauptraumes.

Gegen eine kleine Spende gibt es hier auch Räucherstäbchen, die in Bündeln in verschiedenen Größen zu haben sind. Zu Hunderten stecken die glimmenden Stangen in großen, mit Sand gefüllten Schalen. Der herb würzige Qualm liegt schwer in der Luft. Vor den bunt gekleideten Figuren der Gottheiten auf dem Altar an der Stirnseite des Raumes wurden Opfergaben aus Obst aufgetürmt. Gläubige stehen mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen davor und beten, während draußen auf der Straße das Leben pulsiert.

Per Seilbahn zum Aussichtspunkt

Über 1100 Quadratkilometer Landfläche umfasst das Sonderverwaltungsgebiet Hongkong - verteilt über mehr als 260 Inseln. Von den mehr als sieben Millionen Einwohnern leben die meisten in Kowloon und auf Hongkong Island. Vor allem in der Nacht zieht einen die Stadt in den Bann. Fast von jedem Standort am Wasser sieht die Silhouette der Stadt beeindruckend aus.

Besonders schön ist das Panorama vom 552 Meter hohen Victoria Peak auf Hongkong Island. Nach oben gelangt man mit einer alten Bergseilbahn. Seit 1888 schiebt sich die rote Tram in einem Steigungswinkel von 45 Grad langsam den Berg hinauf. Dort, wo früher nur die wohlhabenden Kolonialherren wohnten, wuseln heute zahllose Touristen aus der ganzen Welt über die Aussichtsplattform.

Trotz der Größe macht es Hongkong seinen Besuchern einfach. Die Orientierung fällt auch Europäern auf Anhieb leicht, denn Sprachbarrieren gibt es kaum. Fast alle Bewohner der Stadt sprechen fließend Englisch. Straßenschilder oder Hinweistafeln sind fast immer zweisprachig. Hongkong besitzt außerdem ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz. Touristen haben die Wahl zwischen U-Bahnen, Bussen, Zügen, schmalen Straßenbahnen, die wegen ihrer Warnglocken auch "Ding Ding" genannt werden, Fähren und Taxen. Auch hier sind Schilder und Pläne durchweg zweisprachig.

Schätzungsweise 6000 Restaurants gibt es in der Stadt. "Die besten Restaurants gibt es in den Hotels", erklärt Wing. Und auch in Einkaufszentren verstecken sich viele gute Gaststätten.

"Sie sollten mindestens einmal Dim Sum probiert haben", sagt Wing. Diese auf unterschiedlichste Art gefüllten Teigtaschen werden vielerorts angeboten. "Jedes Restaurant hat seine eigenen Spezialitäten entwickelt", erklärt Wing.

Vor dem Laden von Tim Ho Wan in der Fuk Wing Street in Kowloon zum Beispiel bilden sich regelmäßig lange Schlangen. Das Warten lohnt sich. Selbst der Berliner Sternekoch Tim Raue ist hier regelmäßig Gast. "Man vergisst beim Essen alles um sich herum", sagt er.

Falk Zielke/dpa/sto



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