Hotel King David Zeitzeuge in Jerusalem

So manches Luxushotel hat mehr gekrönte Häupter beherbergt, und nicht wenige dürften über mehr Tennisplätze, einen größeren Pool oder mehr Zimmer verfügen. Doch kaum ein anderes Luxushotel hat so hautnah Zeitgeschichte erlebt wie das King David Hotel in Jerusalem.


Hotel King David in Jerusalem
DPA

Hotel King David in Jerusalem

Mit seiner Nähe zur historischen Altstadt wurde das 71 Jahre alte Hotel zum Zeugen der Gründung des Staates Israel. Es erlebte Friedensanstrengungen ebenso wie den Krieg von 1967. Und bis heute ist das King David ein Treffpunkt für Politiker aus aller Welt geblieben, die um die Befriedung des Nahen Ostens ringen.

Das massive, ganz im gelblichen "Jerusalemstein" gebaute Hotel wurde 1931 noch während der britischen Mandatszeit im damaligen Palästina von einer reichen jüdischen Familie aus Ägypten gegründet. Mit seiner an der antiken jüdischen Architektur orientierten Innendekoration wurde es rasch zum Treffpunkt von gekrönten Häuptern.

Schon in den ersten Jahren fanden hier drei Könige Asyl: Spaniens Alfonso XIII., der 1931 abdankte, Kaiser Haile Selassie von Äthiopien, der 1936 von den Italienern vertrieben wurde, und der griechische König George, der nach der Besetzung seines Landes durch die Deutschen 1942 seine Exilregierung im King David einrichtete.

Blick vom Hotel auf die Altstadt und den Felsendom
GMS

Blick vom Hotel auf die Altstadt und den Felsendom

Die meisten Besucher waren zunächst Briten. Auch Winston Churchill trug sich in das dicke, in Leder gebundene Gästebuch des Hotels ein. "Das King David gilt inzwischen als offizielles Gästehaus der Regierung", erzählt Irit Gazit, die für die Prominentenbetreuung der Nobelherberge zuständig ist. "Allein in den vergangenen drei Jahren hatten wir 90 offizielle Delegationen zu Gast."

Ob Bill Clinton, Tony Blair oder Jacques Chirac - sie alle übernachteten schon in den Luxussuiten, von denen man einen Atem beraubenden Blick auf die Altstadt Jerusalems hat. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer gaben dem Hotel bereits die Ehre. Fischer schrieb ins Gästebuch: "Es war einfach wunderbar schön in Ihrem Hotel." Den deutschen "King-David-Rekord" hält Bundespräsident Johannes Rau, der hier bisher sechsmal wohnte.

Die ersten Jahrzehnte des Hotels standen ganz im Zeichen des Konflikts um die Gründung des Staates Israel. In den dreißiger Jahren mieteten die Briten das Hotel an und machten es zu ihrer zentralen Militärverwaltung in Palästina. Deshalb wurde das Haus 1946 auch zum Ziel eines Terroranschlags extremistischer Juden unter Führung des späteren Premierministers Menachem Begin. 91 Menschen kamen dabei ums Leben, die Bombe legte den gesamten Südflügel in Schutt und Asche.

Am 14. Mai 1948, als der Staat Israel ausgerufen wurde, versammelten sich in der Lobby letztmalig britische Repräsentanten, dann wurde die britische Flagge eingeholt. 1967 konnten die Gäste während des Sechs-Tage-Kriegs die Kämpfe um die jordanisch besetzte Altstadt Jerusalems von ihren Zimmern aus hautnah verfolgen. Nach dem dritten Nahostkrieg 1973 war US-Außenminister Henry Kissinger der am häufigsten gesehene Gast, der von hier seine "Shuttle-Diplomatie" in der Region unternahm. Es folgten die Präsidenten Richard Nixon und Jimmy Carter. Das größte Aufsehen erregte jedoch Ägyptens Anwar al-Sadat bei seinem historischen Besuch 1976.

Schon bald nach seiner Gründung 1931 wurde das King David zu einem Drehpunkt der Nahost-Diplomatie
GMS

Schon bald nach seiner Gründung 1931 wurde das King David zu einem Drehpunkt der Nahost-Diplomatie

Dramatische Momente erlebten die etwa 300 Mitarbeiter des Hotels auch in der jüngsten Geschichte: Nach dem Mord an Ministerpräsident Jizchak Rabin am 4. November 1995 reisten Könige sowie Staats- und Regierungschefs aus aller Welt - darunter US-Präsident Bill Clinton und Jordaniens König Hussein - zum Begräbnis an. Alle wollten samt Begleitern im King David wohnen. Da das Gebäude aber nur über 237 Zimmer verfügt, mussten "normale" Gäste schnell ausquartiert werden.

Ungeachtet der ständig steigenden Ansprüche seiner Gäste hat die Direktion des "KD" in den vergangenen Jahrzehnten alles getan, den klassischen Stil des Gebäudes zu erhalten. "Selbstverständlich entsprechen alle Räume dennoch modernsten Ansprüchen", sagt Irit Gazit. Selbstverständlich seien heute Anschlüsse für Computer in allen Zimmern und die Benutzung der Zusatzeinrichtungen wie Tennisplatz, Fitnessstudio und Schwimmbad kostenlos. Wer in einer der 37 Luxussuiten mindestens drei Nächte bleibt, wird vom Flughafen in Tel Aviv abgeholt.

Eines der Probleme, dem alle israelischen Hotels gegenüberstehen, glaubt das King-David-Management gelöst zu haben: die koschere Küche, die nach Meinung vieler Gourmets echten Gaumenfreuden im Weg steht. Koschere Küche verlangt unter anderem, dass am Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend nicht gekocht werden darf. "Aber unsere israelischen Küchenchefs haben inzwischen Wege gefunden, hervorragende Gerichte anzubieten, ohne die Vorschriften zu verletzen", so Gazit.

"Wer mehr als einmal hierher kommt, wird in eine umfangreiche Datenbank aufgenommen. Wir wissen dann genau, was die Gäste mögen und was nicht", erläutert die Gästebetreuerin. Man versuche auch, den persönlichen Kontakt zum Gast zu halten. "Nach dem 11. September hingen unsere Mitarbeiter mehr als fünf Stunden am Telefon nach New York, um sich nach dem Befinden unserer Stammgäste zu erkundigen."

Die Zimmerpreise im King David reichen von 326 Dollar (369 Euro) für das Einzelzimmer in der Nebensaison bis 1930 Dollar (2185 Euro) für die "Königliche Suite". Wer den besten Blick auf die Jerusalemer Altstadt genießen will, zahlt pro Nacht knapp 500 Dollar (566 Euro).



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.