Abenteuer Weltreise Eine Familie, ein Lkw, ein großer Aufbruch

Ein paar Monate? Nein, für Jahre geht eine österreichische Familie auf Weltreise - in einem alten Lkw. Vater und Mutter berichten von traumhaften Erlebnissen, ziehen aber auch kritisch Zwischenbilanz.

Leander Nardin

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"Du kannst alleine mit der Kiste auf Weltreise gehen" - vor dem Aufbruch in die große Freiheit liegen Maria Zehentners und Leander Nardins Nerven blank. Mal ist es sie, die am liebsten hinschmeißen würde, mal er. Die Kosten für den Umbau des 40 Jahre alten Mercedes-Benz-Lkw in ein abenteuertaugliches Familienfahrzeug sind explodiert. Auch der vierjährige Sohn Lennox meutert.

"Wenn es wieder ein besonders großes Loch gab, in das wir hineingerutscht waren, stellten wir uns gegenseitig oftmals die Frage: Taten wir hier das Richtige? Konnten wir es schaffen? Muteten wir uns, und vor allem Lennox, zu viel zu" - so ehrlich schreibt Maria Zehentner auf Akela World, dem Weltreiseblog der Familie, über die Gefühlsachterbahn kurz vor dem Aufbruch ins große Abenteuer im Dezember 2016.

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Von Europa bis Neuseeland und zurück: Abenteuer mit Akela

Der Plan: Nicht nur einige Monate, sondern mehrere Jahre wollen die Österreicher sich Zeit nehmen, um in ihrem 911er-Lkw mit zwölf Quadratmetern Wohnfläche von Österreich bis Neuseeland zu reisen und - wenn alles gut geht - über Alaska, Südamerika und Afrika wieder zurück. Das Ziel: viel Zeit miteinander zu haben und die ersehnte Unabhängigkeit und Freiheit zu erleben.

Inzwischen ist die Familie seit zweieinhalb Jahren auf Tour. Ist über den Balkan bis nach Iran gefahren, durch Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien und Kasachstan. Das Trio ist durch die russische Republik Altai, die Mongolei und Sibirien getourt, hat Thailand, Borneo und Indonesien entdeckt. Seit sechs Monaten nun sind die Österreicher in Australien unterwegs.

Nicht nur auf ihrer Website, sondern auch auf ihrem Instagram-Account und ihrer Facebook-Seite erzählen Zehentner, 46, und Nardin, 36, ausführlich und bildstark von den kleinen und großen Abenteuern am Wegesrand: Einladungen von Einheimischen in deren Häuser oder Jurten, dem Durchqueren atemberaubender Weiten, dem Suchen und Finden perfekter Stellplätze. Sie teilen aber auch die weniger grandiosen Aussichten und berichten über die hochgiftigen Jobs der Schwefelarbeiter, denen sie auf Java am Kraterrand des Mount Ijen begegnen oder über das Schicksal der Orang-Utans auf Borneo. Und: Sie erzählen ehrlich vom bisweilen zähen Reisealltag und den Anstrengungen, ohne die die große Freiheit nicht zu haben ist.

"Das Hamsterrad, dem man eigentlich entkommen möchte, dreht sich weiter. Nur die Themen sind jetzt andere", sagt Nardin. Vor allem die regelmäßige Wartung des Lkw ist aufwendig. Obwohl der Österreicher so viel wie möglich selbst erledigt, muss das Weltreisemobil immer wieder in die Werkstatt. Und manchmal, wie bei einer Fahrt in die Lut-Wüste in Iran, müssen die Besitzer es mit vereinten Kräften ausgraben - festgefahren bei über 50 Grad Celsius.

Ein Thema, aus dem die Familie auch keinen Hehl macht: dem strengen Haushalten mit dem Reisebudget. Das Geld, das über Nardins Fotoarbeiten reinkommt, geht hauptsächlich für Diesel, Reparaturen und Essen drauf. "Viel mehr ist einfach nicht drin", sagt Zehentner, die ihren Job in einem Reisebüro aufgegeben hat. "In einem Dorf in Zentralasien fühlt sich die Einfachheit sehr befreiend an und es ist leicht, anspruchslos zu leben. In Melbourne fällt das hingegen deutlich schwerer."

Schaut man Sohn Lennox zu, wie er auf einer australischen Schotterpiste die Nase in den Fahrtwind hält, mit einem Pelikan am Strand spaziert, zwischen Korallen und bunten Fischen schnorchelt oder zu Pferde durch die mongolische Steppe streift, denkt man: "Wow! Was für ein Kinderleben!" Doch die Eltern verschweigen nicht, dass der Roadtrip für den mittlerweile Siebenjährigen nicht immer nur ein Vergnügen ist. "Klar, lernt Lennox auf der Reise immer wieder Kinder kennen, aber sie ersetzen keine stabilen Freundschaften. Es ist schon so: Lennox wächst unter Erwachsenen auf. Das ist für ihn sicher nicht immer leicht", sagt Zehentner. Ihre Erfahrung ist aber auch: "Kinder passen sich gut an."

Weil es in Österreich - anders als in Deutschland - keine Schulpflicht, sondern nur eine Bildungspflicht gibt, können die Eltern Lennox unterwegs unterrichten. Lennox' Klassenzimmer ist der Tisch von "Akela" - auf den Namen des Leitwolfs aus Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" hat die Familie ihren Lkw getauft - vor allem aber die Natur.

Wie lange die drei noch unterwegs sein werden, wollen Nardin und Zehentner auch von ihrem Sohn abhängig machen. "Momentan möchte er gerne noch weiterfahren. Und wir natürlich auch", sagen die Eltern.

Vier bis sechs Jahre, so schätzt das Paar, könnte ihr Leben noch so weitergehen. Aber spätestens dann - und auch das sagen sie ehrlich - wartet ein Kraftakt, an den Weltreisende oft nicht so gerne denken. "Dann werden wir erst mal wieder ganz bei null anfangen müssen."

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
sieman 25.06.2019
1. Lieber Spiegel!
Bitte in Zukunft genauer recherchieren! Allgemeine Schulpflicht in AT: Für alle Kinder, die sich in Österreich aufhalten, besteht die allgemeine Schulpflicht. Sie beginnt in dem Jahr, in dem ein Kind vor dem 1. September sechs Jahre alt wird und dauert neun Schuljahre. Die Schulpflicht endet in ihrem letzten (neunten) Schuljahr am Tag vor Beginn der Sommerferien.
timtom2222 25.06.2019
2.
Mich Interessieren hierbei immer die Kosten, welche Fotoarbeiten? Mit Fotos von der Reise lässt sich das kaum finanzieren. Wie hoch waren die gesamten Ausgaben?
kampfhamster 25.06.2019
3. Ein Blick ins Gesetzt erhellt
Tja sieman, die mangelnde Recherche-Sorgfalt liegt bei Ihnen! Einfach mal ins Gesetz schauen: Die Schulpflicht kann nämlich auch durch häuslichen Unterricht erfüllt werden, §11 Schulpflichtgesetz Österreich.
manshadow74 25.06.2019
4.
Zitat von siemanBitte in Zukunft genauer recherchieren! Allgemeine Schulpflicht in AT: Für alle Kinder, die sich in Österreich aufhalten, besteht die allgemeine Schulpflicht. Sie beginnt in dem Jahr, in dem ein Kind vor dem 1. September sechs Jahre alt wird und dauert neun Schuljahre. Die Schulpflicht endet in ihrem letzten (neunten) Schuljahr am Tag vor Beginn der Sommerferien.
Nein. In Österreich ist im Schulpflichtgesetz 1985 eine Unterrichtspflicht festgelegt, die auch außerhalb von Schulen abgeleistet werden kann und gilt für alle Kinder, die sich in Österreich dauernd aufhalten
uh2012 25.06.2019
5. Dieses ewige
Miesepetrige Herumnörgeln an dem was andere tun kann einem schon gehörig auf den Geist gehen
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