Imageprobleme der USA Freiheit oder Sicherheit?

Ewige Fragen, penible Leibesvisitationen und oft ein herablassender Umgangston: Die Sicherheitschecks bei der Einreise in die USA sind berüchtigt. Jetzt versuchen US-Tourismusexperten, eine bessere Balance zwischen Reisefreiheit und Sicherheitsinteressen zu finden.


Orlando - Menschen, die im Urlaub in die USA Reisen wollen, müssen Freunden und Familien heute oft viele Fragen beantworten. "Wie streng kontrollieren die dich bei der Einreise?" oder "Wird man denn da nicht ständig überwacht?" sind nur zwei davon. Häufig steht Unwissenweit oder eine politische Abneigung hinter der Skepsis. Die Fragen zeigen aber auch: Das Reiseziel USA hat im Ausland weiter ein Imageproblem. Die Frage, wie das Ansehen verbessert werden kann, stand jetzt im Mittelpunkt der US-Reisemesse Pow Wow in Orlando in Florida. Die zentrale Forderung der Branchenexperten: Es muss eine bessere Balance gefunden werden zwischen der Freiheit der Reisenden und den Sicherheitsinteressen der USA.

Besonders deutlich wurde Gerald Grinstein. "Wir müssen das Problem unserer Besessenheit mit den Sicherheits-Prozeduren lösen", sagte der Chef der Fluggesellschaft Delta Air Lines. Amerika werde nicht mehr als Land der unbegrenzten Möglichkeiten wahrgenommen. Der Eindruck, den Urlauber heute bekommen, sei vielmehr: "Stell dich an, zieh die Schuhe aus, hol den Laptop aus der Tasche, wo ist deine Bordkarte?"

Das Imageproblem der USA wird durch die Einreisestatistik zwar zum Teil widerlegt: Nach 49,4 Millionen ausländischen Besuchern im Jahr 2005 seien für dieses Jahr 52 Millionen zu erwarten, sagte der Präsident der Reiseindustrie-Vereinigung TIA, Roger Dow. Damit würde das bisherige Gäste-Rekordjahr 2000 (etwa 51 Millionen Besucher) abgelöst.

Vom dritten auf den sechsten Rang

Dow wies aber im gleichen Atemzug darauf hin, dass der Anteil der USA am gesamten Reise-Aufkommen weltweit von neun Prozent Mitte der neunziger Jahre auf jetzt sechs Prozent gesunken ist. "Die USA haben Rekordzahlen, aber die anderen Länder werden immer besser." Auf der Liste der Traumziele der Europäer rangierten die USA nicht mehr an dritter, sondern nur noch an sechster Stelle, sagte Dow.

Mit einem neuen Marketingprogramm will die TIA jetzt für eine bessere Balance zwischen der Freiheit der Gäste und dem Bedürfnis nach sicheren Grenzen sorgen. Die Philosophie dahinter ist: "Unsere Türen sind offen, Gäste sind willkommen, und wer uns einmal besucht hat, denkt hinterher besser über uns als vorher." Roger Dow verwies auf Untersuchungen, nach denen Touristen nach einem Aufenthalt in den USA das Land um bis zu 35 Prozent positiver bewerten als vor ihrer Reise.

Auf wie viele Deutsche das am Jahresende zutrifft, lässt sich im Moment noch schwer abschätzen. Im Jahr 2005 reisetn 1,4 Millionen Bundesbürger in die USA, ein Plus von sieben Prozent. Das Visit USA Committee (VUSA) Germany geht - trotz des positiven Wechselkurses von Euro und US-Dollar - für 2006 nur noch von einem leichten Wachstum aus. Mit einer eventuell sogar leicht sinkenden Zahl der USA-Reisenden rechnet Andreas Neumann, Fernreisechef beim Nordamerika-Marktführer Dertour.

Benzin ist deutlich teurer als früher

Dass die USA als Ziel bei den Deutschen nicht stärker gefragt sind, liege aber nicht nur am Imageproblem, meint Tilo Krause-Dünow, Mitglied des VUSA- Vorstands und Chef des Veranstalters Canusa. "Eine unserer wichtigsten Zielgruppen - die Menschen mittleren Alters mit mittlerem bis hohem Einkommen - konzentriert sich im Moment eher darauf, den Job zu sichern, als drei- oder vierwöchige USA-Reisen zu unternehmen." Auch die Fußball-WM in Deutschland wirke sich auf die Nachfrage aus. Der günstige Dollarkurs komme außerdem auch anderen Fernzielen zu Gute, sagte Neumann. Schwer gefragt seien bei den Deutschen derzeit Länder in Asien und die Inseln im Indischen Ozean.

Auf eines müssen sich USA-Reisende in jedem Fall gefasst machen: Benzin ist deutlich teurer als früher. In einem Land mit enormen Distanzen könne das dazu führen, dass Urlauber sich bei der Wahl ihres Ziels stärker für kleinere Regionen entscheiden, meint Dow. Dass die höheren Benzinpreise Touristen ganz vom Reisen abhalten könnten, sei aber nicht zu erwarten.

Christian Röwekamp, gms



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