Indian Summer Rot-gelb-goldener Blätterwald

Wenn sich im Herbst das Rot-Orange des Zuckerahorns, das Gold-Gelb der Birken und Espen und das Scharlachrot des Ahorns einem riesigen Farbteppich gleich über das Land legen, dann kommen Besucher in Scharen nach Neuengland, um ein einmaliges Schauspiel zu erleben: den "Indian Summer".

Bretton Woods - Die Indianer erklärten die grandiose Laubfärbung einst mit dem herabtropfenden Blut und Fett eines "gejagten" Großen Bären. Das Sternbild nämlich steht in dieser Jahreszeit besonders tief am Himmel. Die Wissenschaft ist da weniger romantisch: Kalte Nächte, herbstlich warme Tage und abnehmendes Sonnenlicht lassen die Farben zu Tage treten, die die gesamte Gegend in roten, goldenen, gelben und orangefarbenen Schattierungen schimmern lässt.

Den Norden Neuenglands, Maine, New Hampshire und Vermont, verzaubert der Herbst schon ab Mitte September mit seinen bunten Farben. Entsprechend der Wetterlage wandert das Naturschauspiel dann südwärts: Anfang Oktober erreicht es die geografische Mitte der drei nördlichsten Staaten. Bis Ende Oktober schließt sich der Reigen in Connecticut, Massachusetts und Rhode Island. Diverse regionale Telefon-Hotlines informieren über die aktuellen Wetter-Kapriolen.

Viele Europäer wählen Boston als Tor zum spektakulären Indian Summer. Das erste Etappenziel liegt etwas weiter nördlich in der Gebirgsgegend White Mountains im nördlichen Teil des Bundesstaates New Hampshire und in Maine. Über die Interstate I-93 sind die Berge aus felsigem Granit um Franconia, Bretton Woods und Jackson schnell zu erreichen.

Vor allem der Blick von dem 1917 Meter hohen Mount Washington lohnt sich, auch wenn es dort oben oft heftig weht: Mit 372 Stundenkilometern wurde hier am 12. April 1934 die höchste Windgeschwindigkeit registriert, die jemals außerhalb eines Tornados gemessen wurde. Dazu herrschen am Berg im Jahresdurchschnitt minus drei Grad Celsius - das Wetter am Mount Washington ist als das lausigste in Neuengland verschrieen. Wenn aber doch einmal die Sonne scheint, reicht der Blick bis nach Vermont oder ins benachbarte Maine über Wälder in den leuchtenden Farben des Herbstes.

Neben den farbigen Wäldern gehören auch weiß getünchte Kirchen mit spitzen Türmen und weiße Farmhäuser mit rot gestrichenen Heuschobern zum Bild der sanft-hügeligen Landschaft. Und überall trifft man noch auf gut erhaltene überdachte Holzbrücken. Das Dach soll die Bohlen bei Eis und Schnee vor allzu schneller Verrottung schützen.

In Bretton Woods in den White Mountains gibt es ein Kleinod: das Mount Washington Hotel. Vor etwa hundert Jahren war das Grandhotel das Ziel der feinen Gesellschaft aus New York oder Philadelphia, die in bis zu 50 privaten Eisenbahnwagen täglich hier raus fuhren. Im Juli 1944 tagte in dem abgelegenen Resort die so genannte Bretton-Woods-Konferenz. Hier wurden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank gegründet.

Von Burlington, der größten Stadt Vermonts am Lake Champlain, geht es weiter nach Süden. Zuvor bietet sich die Gelegenheit, auf einer der Fähren, die den Binnensee gen Westen in Richtung des Bundesstaates New York überqueren, den Sonnenuntergang zu genießen. Am Morgen - nach einem Frühstück nach Neuengland-Art mit heißen Pfannkuchen mit Blaubeeren oder warmem Ahornsirup - geht es weiter über kurvige Landstraßen inmitten bunter Wälder. Zwischen Poutney und Manchester Center bieten die Bauern an den Straßen Kürbisse und Äpfel feil. Und überall gibt es Antiquitäten zu erwerben. Eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch. Für echte "Leaf Peeper"- also "Laub-Gucker" - wird es daher auch im nächsten Jahr wieder nur ein Ziel geben: den Indian Summer in Neuengland.

Informationen:
Discover New England, Roonstraße 21, 90429 Nürnberg, Tel.: 0911-9269113, Fax: 0911-9269301
Massachusetts Office of Travel & Tourism, c/o Herzog HC GmbH, Friesstraße 3, 60388 Frankfurt/Main, Tel.: 01805-267866

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