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Insel Lombok: Indonesiens neues Urlaubsparadies

Foto: Marcel Klovert

Tourismusentwicklung auf Lombok "Kuta muss seine Seele behalten"

Noch zockeln Pferdewagen durch Kuta auf Lombok. Doch Investoren haben große Pläne für das Fischer- und Surferdorf auf Balis Nachbarinsel. Der wilde, raue Charme der Südküste steht auf dem Spiel.

Zwischen den Brüdern Irawan und Suhardi liegen zehn Jahre, sie leben in zwei Welten. Irawan, 22, fährt morgens um 3 Uhr aufs Meer, um Thunfische zu angeln. Er schaut den Fremden, die nachmittags den Strand seines Heimatdorfs entlangspazieren, ungern in die Augen. Wenn sie ihm zu nah kommen, zieht er die Beine und Arme eng an die Brust, wie ein verschrecktes Tier. Er spricht ihre Sprache nicht, er kennt ihre Bräuche nicht. Sein Haar ist kurz, sein Kinn kantig, der Mund meistens geschlossen.

Suhardi, 32, bringt den Touristen das Surfen bei. Wenn er lacht, besteht sein Gesicht vor allem aus Zähnen. Die lockige Mähne hat er mit einer Sonnenbrille garniert, die blau schillert. Sein Englisch ist fließend, er hat es auf der Straße gelernt, zur Schule ging er nur sechs Jahre. Seine Freundin wohnt in Münster, er will sie bald besuchen.

Manche Einwohner wollen Touristen, andere meiden sie

Die zwei Brüder leben in Kuta auf Lombok. Es ist einer der Orte, die als Indonesiens neue Urlaubsparadiese gehandelt werden. Noch ist das Fischerdorf auf Balis Nachbarinsel gespalten. In Einwohner, die die Touristen hofieren - und solche, die sie meiden. Doch bald, so wollen es Investoren, soll die karge, wilde Südküste ganz den Touristen gehören. Sie sollen sich an ihren weißen Stränden räkeln, durchs türkisfarbene Wasser schnorcheln, im trockenen Hinterland sogar Golf spielen können.

"Wir machen uns Sorgen", sagt Surflehrer Suhardi. Mehr Touristen gleich mehr Kundschaft - aber was ist, wenn die Regierung ihnen das Land wegnimmt? "Wir können nicht vom Meer wegziehen", sagt Fischer Irawan. Das Haus seiner Familie steht nicht weit vom Strand, an dem die bunten Fischerboote liegen.

Noch zieht Kuta auf Lombok, das mit dem Pauschaltouristenziel Kuta auf Bali nur den Namen teilt, vor allem Surfer an. Sie sausen auf Mopeds die Küste entlang, die Surfboards an eine Seite geschnallt, auf der Suche nach den besten Spots. Manchmal laufen Kühe und Hühner auf die Straße oder auch Kinder, die Geld dafür sammeln, dass sie die schlimmsten Schlaglöcher mit Sand gefüllt haben. Zwischen Tabak- und Reisfeldern grasen Wasserbüffel.

In den Dörfern stehen Baugerüste

Mit der Beschaulichkeit könnte bald Schluss sein. Seit vor knapp drei Jahren eine halbe Autostunde entfernt ein internationaler Flughafen eröffnet hat, kommen noch mehr Touristen, klettern die Landpreise noch schneller empor. Mohammad Hakimen, 39, zahlte vor acht Jahren umgerechnet 350 Euro für 100 Quadratmeter mitten im Dorf. Das Land, auf dem er ein paar schicke Ferienbungalows gebaut hat, ist heute mehr als zehnmal so viel wert.

Überall im Dorf stehen Baugerüste, wachsen neue Restaurants, Hotels, Läden. Noch sind es fast nur die kleinen Unternehmer, die hier ihr Geld hineinstecken. Surfer, Reisende, Träumer aus Europa oder Australien, oder Einheimische wie Hakimen, der als junger Mann gebrauchte Bücher in Kuta verkaufte und abends am Strand Gitarre spielte.

Doch auch die Großen stehen in den Startlöchern. Die staatliche Bali Tourism Development Corporation, die auch Balis luxuriöse Touristenenklave Nusa Dua hochzog, hat bereits einen Plan für Kuta entworfen: den Mandalika-Masterplan. Er teilt die Küste zwischen Kuta und dem Surferörtchen Gerupuk in Zone A (Transportation Hub) bis Zone M (Seaside Town).

Dort sollen unter anderem entstehen: ein Strandresort für Familien, eine Luxusenklave für betuchte Gäste, ein Golfplatz und ein Viertel für konservative Einheimische und Besucher, die lieber unter sich bleiben möchten. Lombok ist auch bekannt als "Land der tausend Moscheen", die meisten seiner Bewohner sind muslimische Sasak und der arme, trockene Süden gilt als besonders traditionell.

Kuta muss seine Seele behalten

Der Umbau des 1250 Hektar großen Küstenstreifens soll mehr als 140 Millionen Euro kosten und bis 2021 abgeschlossen sein, schreibt die "Jakarta Post". Der Plan ist nicht neu, doch jetzt könnte er wahr werden. Einige Areale seien bereits abgesperrt und Arbeiter seien gekommen, um Straßen zu reparieren, sagt Eric Orenstein, 27, aus Kanada, der in Kuta eine kleine Beraterfirma für nachhaltigen Tourismus mit aufgebaut hat. "Ich glaube, jetzt geht es los."

Einheimische und Eingesessene sind verunsichert, was auf sie zukommt. Welche Areale die Bali Tourism Development Corporation in den vergangenen Jahren erworben hat, weiß kaum jemand genau. Lange waren die Besitzansprüche auch nicht geklärt, weil ansässige Familien manche Grundstücke für sich beanspruchten.

Noch zockeln an den Markttagen Pferdewagen durch Kuta. Hunde dösen auf dem Staub- und Grasstreifen, wo der Bürgersteig sein könnte. Mülleimer gibt es nicht, und an der Straße zum Strand lassen Männer ihre Wachteln abends um die Wette singen. "Hoffentlich kommt der Wandel langsam", sagt Hakimen, einst Buchhändler, jetzt Bungalow- und Surfshopbesitzer. Es dürfe nicht nur darum gehen, Geld zu machen. "Kuta muss seine Seele behalten."

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