Insel Rapa Iti Eine Insel, zwei Dörfer, kein Hotel

Rapa Iti gehört zu den isoliertesten Inseln im Südpazifik, nur alle sechs Wochen legt hier ein Schiff an. Der Fotograf Paul Béjannin zeigt den Alltag in der Abgeschiedenheit.

Paul Béjannin

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Eine gebirgige, grüne Landschaft, kleine Buchten und zwei kleine Siedlungen: Der Fotograf Paul Béjannin las 2017 zufällig im Internet über Rapa Iti, einer abgeschiedenen Insel im südöstlichen Pazifischen Ozean - 500 Kilometer von dem nächstgelegenen bewohnten Eiland entfernt. Nur alle sechs Wochen hält hier ein Schiff.

Béjannin fand heraus, dass kein Fotograf jemals längere Zeit auf dieser Insel, die zu Französisch-Polynesien gehört, verbracht hatte - er wollte der erste sein. Ein Jahr dauerte es, bis er die notwendige Genehmigung des Bürgermeisters eingeholt und seine Reise vorbereitet hatte. Dann konnte es losgehen.

Fast zwei Wochen brauchte er, um auf die Insel zu gelangen. Von London aus flog er nach Singapur, weiter nach Auckland und dann nach Papeete, der Hauptstadt Französisch-Polynesiens. Dort musste er drei Tage auf sein Boot warten, das ihn nach Rapa Iti bringen sollte.

An Bord schlief er zusammen mit Bewohnern der Insel im Laderaum des Bootes, das zugleich als Passagier- wie auch als Frachtschiff dient. Nach fünf Tagen Fahrt erreichte er endlich Rapa Iti. "Das Gefühl, dort anzukommen, war unglaublich."

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Nur per Boot zu erreichen: Die abgeschiedene Insel Rapa Iti

Sechs Wochen blieb Béjannin auf der Insel, lernte die Gewohnheiten, Rituale und Speisen der Bewohner kennen. Etwa 500 Menschen leben auf Rapa Iti, darunter viele Kinder. Die Fotos zeigen Männer beim Fischen, Gläubige bei ihrem monatlichen Festmahl und Jungen und Mädchen, die sich auf dem einzigen Spielplatz der Insel vergnügen.

Béjannin war beeindruckt, wie offen und großzügig ihm die Einwohner begegneten. "Die Menschen auf dieser Insel sind die freundlichsten, die ich je getroffen habe", sagt er. "Sie brachten mir Essen und luden mich viele Male zu sich nach Hause ein." Einige waren sehr stolz, ihm ihre Heimatinsel zu zeigen. Im Gegenzug druckte er für sie Abzüge seiner Fotos aus.

Kein Flughafen, keine Hotels

Größtenteils versorgen sich die Einwohner selbst: Viele Früchte wachsen auf der Insel, der Fischfang läuft gut. Die Menschen respektieren die Natur, wissen, dass ihr Leben davon abhängt. Sie versuchen daher, die Landschaft möglichst nachhaltig zu bewirtschaften und nur in der Hälfte der Buchten zu fischen.

Am schwierigsten war es für Béjannin, wenn es regnete - manchmal bis zu fünf Tage lang. Er hatte weder Internet noch einen Fernseher in seiner Unterkunft, konnte auch nicht arbeiten, weil alle Bewohner zu Hause blieben. Doch er hatte Glück: Zeitweise hält der Regen sonst bis zu zwei Monate an.

Eines der größten Probleme für die Insel sei, dass manche Einwohner den Tourismus auf der Insel mehr fördern wollen, sagt Béjannin, die Mehrheit aber nicht. Bislang gibt es keine Hotels, Besucher müssen mindestens sechs Wochen dort verbringen, bis das Boot sie wieder abholt. Ein Flughafen kann wegen fehlender Landefläche und starken Winden nicht gebaut werden. Nur ab und zu hält sich ein paar Tage lang ein Schiff aus Neuseeland in einer der Buchten auf.

Da Französisch-Polynesien ein französisches Überseegebiet ist, sind die Menschen, die auf Rapa Iti leben, auch EU-Bürger. Seit einigen Jahren gehen viele junge Menschen zur französischen Armee, weil sie Geld verdienen und reisen wollen. Der Großteil bleibt jedoch auf der Insel oder kehrt zumindest zurück. "Die meisten sind glücklich und stolz, dort zu leben", sagt Béjannin. "Für sie ist Rapa Iti das Paradies."

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