Inseln der Vendée Rivalinnen im Atlantik

Die eine ist schlank und elegant, die andere kantig und schroff: Kaum mehr als eine Schiffsstunde trennt die beiden Inseln Noirmoutier und Yeu vor der Küste der Vendée im Nordwesten Frankreichs - und doch scheinen Welten zwischen ihnen zu liegen.


Der alte Kirchturm von La Meule auf der Insel Yeu
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Der alte Kirchturm von La Meule auf der Insel Yeu

Schon seit Jahrhunderten verbindet sie eine heimliche Rivalität: Während Noirmoutier so nah am Festland liegt, dass Spaziergänger bei Ebbe hinüberlaufen können, ist Yeu die am weitesten vom französischen Festland entfernte Atlantikinsel.

Mit ihrer zerklüfteten Felsenküste wirkt Ile d'Yeu von weitem wie ein ins Meer gefallener Tropfen Gestein. 4800 Menschen leben auf dem 23 Quadratkilometer großem Eiland. Die meisten von ihnen stammen von Schmugglern und Seefahrern ab, die sich immer wieder gegen Invasoren zur Wehr setzen mussten. Die gemeinsame Vergangenheit hat die Menschen geprägt: Noch heute ist ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren - und Stolz auf die pittoreske Heimat.

Noirmoutier: Passage du Goiszur bei Flut
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Noirmoutier: Passage du Goiszur bei Flut

Ein unterirdischer Kanal versorgt die Insel mit elektrischem Strom. Waren werden angeliefert und Fähren, die zum Teil auch Autos mitnehmen, verkehren regelmäßig. In den Sommermonaten entladen sie im Hafen des größten Ortes der Insel, Port-Joinville, ganze Schwärme von Touristen: Bis zu 30.000 Besucher kommen jedes Jahr auf die kleine Insel.

Noirmoutier ist mehr als doppelt so groß wie die Ile d'Yeu und zugleich die vornehmere Insel: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts traf sich hier alles, was Rang und Namen hatte und begründete die Ära des Tourismus. Heute besuchen bis zu 120.000 Besucher das 10.000-Einwohner-Eiland. Der Strand "La Plage des Dames" (Strand der Damen) im Nordosten der Insel erinnert noch immer an die mondänen Zeiten.

Die 4500 Meter lange und nur bei Ebbe befahrbare Verbindungsstraße "Gois" verbindet Noirmoutier mit dem Festland. Bis heute ertrinken hier immer wieder Menschen, die von der Flut überrascht werden. Manche können sich auch in einen der Metallkörbe retten, die entlang des Wegs auf hohen Stangen angebracht sind.

Noirmoutier ist die größere der beiden Inseln
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Noirmoutier ist die größere der beiden Inseln

Seit 1971 ist die Südspitze der Insel mit dem Festland verbunden, so dass Besucher kaum bemerken, dass sie eine Insel betreten. Die Fahrt übers Land führt vorbei an Pinienwäldern, am Wegesrand tauchen die Reservoirs des "weißen Goldes" der Insel auf: In labyrinthartigen Becken aus Schlamm reifen die Salzkristalle, die später als "fleur de sel" (Salzblume) verkauft werden.

Außerdem bauen die Inselbewohner eine weltweit einzigartige Kartoffelsorte an, die als Spezialität gilt - und sie züchten Austern, die in vielen Restaurants frisch auf den Tisch kommen.

Früher strichen die Fischer einmal im Jahr ihre Boote und verwendeten dann die Reste in ihren Farbtöpfen für die Fensterläden, die im Sonnenlicht in den verschiedensten Farben schillerten. Auch künftig soll dies so bleiben: Lediglich den Farbton dürfen die Hauseigentümer frei wählen. Dieses Jahr ist es leuchtendes Blau.







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