Fotostrecke

Ocean Filmtour 2018: Eine Ode an die Weltmeere

Foto: Yvan Bourgnon

Weltumsegler Bourgnon bei der "Ocean Filmtour" Im Alleingang über die Ozeane

Für lange Strecken ist ein Sportkatamaran eigentlich nicht geeignet. Yvan Bourgnon aber hat damit die Welt umsegelt - ohne GPS oder Autopilot. Sein Film ist bei der "Ocean Filmtour" zu sehen.

Yvan Bourgnon schreit. Er weint und schluchzt, bis sich seine Stimme vor Verzweiflung überschlägt. "Wie kann das sein?", schreit er immer wieder. "Ich habe doch nur fünf Minuten geschlafen. Fünf Minuten!"

Es ist dunkel. Außer seiner erstickten Schreie ist nur das Rauschen und Blubbern des Ozeans zu hören. "Ich bin auf Grund gelaufen, verdammter Mist!", schreit Bourgnon auf Französisch. "Jetzt habe ich alle Meere überquert und fahre wie ein Idiot auf einen Stein!"

Im fahlen Licht seiner Stirnlampe schimmert der kleine, zerbrochene Sportkatamaran weiß. Der Bug ragt in die Höhe, das Deck ist von Wasser überspült. "Warum endet das hier vor Sri Lanka auf einem Stein?", schluchzt Bourgnon. "Das ist nicht fair."

Der 46-jährige Schweizer segelt seit 30 Jahren. 2013 brach er auf, um mit seinem Sportkatamaran um die Welt zu fahren, ohne Navigationsgeräte, Autopiloten oder sonstige technologische Hilfsmittel - nur ausgestattet mit einem Sextanten, einem Messinstrument zur Astronavigation. Vor ihm hatte das noch keiner geschafft.

Während der Reise hatte er seine Kamera dabei - sie wurde zum Freund. "Ich musste mit jemandem sprechen, ich musste jemandem erzählen, wie ich mich fühle", sagt Bourgnon. Aus dem Material ist der Film "The Ocean Rider" entstanden, der auf der diesjährigen "International Ocean Filmtour"  gezeigt wird.

"Ein Sportkatamaran ist nicht dafür geeignet, die Welt zu umsegeln"

"Für mich lag der Reiz darin, das ohne Technik zu schaffen", sagt Bourgnon. "Man wird nicht vorgewarnt, wenn ein Sturm aufzieht, und man freut sich wie ein kleines Kind, endlich Land zu sehen." Mit einem Sextanten konnte er die Position des Bootes nur anhand von Sternenkonstellationen bestimmen - Bourgnon hatte noch nicht einmal ein Satellitentelefon dabei.

"Ein Sportkatamaran ist nicht dafür geeignet, die Welt zu umsegeln", sagt er. Es sei eher ein Sportgerät, wie ein Surfbrett, mit dem man sehr schnell durch die Wellen fahren könne. "Es gibt keinen Rückzugsort unter Deck, man ist die ganze Zeit der Natur ausgesetzt", sagt er. "Außerdem sind Sportkatamarane sehr instabil und kentern leicht."

Yvan Bourgnon auf seinem Sportkatamaran

Yvan Bourgnon auf seinem Sportkatamaran

Foto: Denis Tisserand

Als Bourgnon nach gut zwei Dritteln der Strecke vor Sri Lanka auf Grund lief, dachte er, das wäre es gewesen. "Mein Boot war kaputt, ich hatte mir einen Nerv im Rücken eingeklemmt - für mich war mein Traum von der Weltumsegelung damit vorbei", sagt er.

"Ein Fehler könnte dein Leben kosten"

Den Atlantik hatte er zu diesem Zeitpunkt schon überquert, den Pazifik und den Indischen Ozean. Dann machte er einen Fehler: Er schlief ein. Nach vier Tagen ohne Schlaf. "Wenn du alleine segelst auf so einem kleinen Boot ohne Autopilot, darfst du keinen einzigen Fehler machen", sagt Bourgnon. "Es könnte dein Leben kosten."

Es war das erste Mal, dass er einen Sportkatamaran über so eine lange Distanz alleine steuerte. Das war so nicht geplant. Als Bourgnon den Trip Anfang Oktober 2013 in Frankreich startete, hatte er noch einen Segelpartner: Zusammen mit Vincent Beauvarlet verließ er Sables d'Olonne. Doch Beauvarlet war dem Stress nicht gewachsen. "Als wir die Kanaren erreichten, hatte er zehn Kilo innerhalb von zehn Tagen abgenommen", sagt Bourgnon. "Er musste abbrechen."

Yvan Bourgnon

Yvan Bourgnon

Foto: Yvan Bourgnon

Bourgnon beschloss, alleine weiterzumachen. "Es ist eine ganz neue Herausforderung, wenn man auf sich gestellt ist", sagt er. "Alles wird zum Riesenproblem." Am Anfang sei das purer Stress gewesen. "Ich habe kaum geschlafen und überall Pusteln bekommen", sagt er.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Erst nachdem er von Panama in den pazifischen Ozean aufgebrochen war, sei er ruhiger geworden, routinierter. "Ich habe gelernt, die Leinen festzuhalten, während ich schlief", sagt er, "mir alles so eingerichtet, dass ich jederzeit eingreifen kann." Auch die Bedingungen hätten sich nach der stürmischen Atlantikquerung gebessert.

"Ich wusste, ich kann es schaffen", sagt er. "Bei einer Weltumsegelung ändert sich ständig alles. Man weiß nicht, was als Nächstes passiert. Man weiß nur, irgendein Problem wird kommen, und du musst es lösen."

220 Tage verbrachte Bourgnon insgesamt auf See. Er kenterte mehr als 300 Mal, wurde von Delfinen begleitet, sah Haie und wurde von Piraten bedroht. Aufgrund des Schlafmangels halluzinierte er immer wieder.

Doch als der Bug seines Bootes vor der Küste Sri Lankas in die Höhe ragte, festgefahren auf einem Stein, und Bourgnon zu schreien anfing, wusste er, dass er dieses Problem nicht lösen kann. Der Sportkatamaran war durch den Aufprall komplett zerstört.

Fotostrecke

Ocean Filmtour 2018: Eine Ode an die Weltmeere

Foto: Yvan Bourgnon

Doch die Küstenpolizei griff den Segler auf und brachte ihn an Land. "Ich war überrascht, wie hilfsbereit die Menschen in Sri Lanka waren", sagt er. Sie hätten ihm geholfen, das Boot zu reparieren und nach einigen Wochen konnte er wieder ablegen und die letzte Etappe seiner Weltumrundung aufnehmen. Im Juni 2015 kehrte er nach Frankreich zurück - ein wenig wehmütig zwar, doch glücklich, am Leben zu sein.

Der Film "The Ocean Rider" erzählt die Geschichte von Yvan Bourgnon. Er ist auf der "International Ocean Filmtour 2018" zu sehen, die seit 16. März in vielen deutschen Städten gezeigt wird. Zu den Tickets geht es hier .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.