Iran Urlaub auf der Achse des Bösen

Wer seinen Urlaub im Iran verbringt, stellt fest, dass nicht alles schlecht ist, was US-Präsident Bush nicht mag. Natürlich hat der Reisende einiges an Entbehrungen einzustecken. Aber dafür wird er persisch belohnt: Die kulturellen Schätze sind teilweise älter als der Islam und die Gastfreundschaft der Menschen sucht ihresgleichen.
Von Felix Göpel

Zugegeben: Vieles, was von Reisen positiv in Erinnerung bleibt, ist in Iran verboten. Nichtehelicher Geschlechtsverkehr, westliche Musik, Alkohol - auf alles steht in Iran Strafe mit Anfassen, und als Rechtsmittel dient auch die Peitsche. Aber die Regeln sind klar verständlich, und die starke Hand des Staates garantiert, dass Iran gängigen Vorstellungen zum Trotz ein sicheres Reiseland ist.

Seit einigen Jahren bemüht die Regierung sich verstärkt, Touristen ins Land zu locken. Das Jahr 2001 wurde offiziell zum Jahr des Tourismus ausgerufen, und Präsident Mohammed Chatami forderte den "Dialog der Kulturen". Nach dem 11. September erhielt ironischerweise ausgerechnet im Jahr des Dialogs der bescheidene Tourismus einen herben Rückschlag. Die Krise dauert an, dem Reisenden beschert das günstige Teppichpreise und die Gewissheit, auch an den interessantesten Ecken des Landes von anderen westlichen Reisebuchträger weitestgehend verschont zu bleiben.

Die Entfernungen sind groß in Iran, und zwischen den schönen Plätzen liegt meist nicht mehr als Steinwüste oder wüstenähnliches Geröll. Aber Inlandsflüge kosten in Iran weitaus weniger als Bahnfahren in Deutschland und machen das Reisen schnell und bequem.

Die Hauptstadt Teheran gehört nicht zu den schönsten Städten auf der Welt. Erhaben und anmutig erheben sich die Gipfel des Elbursgebirges im Norden und bilden eine natürliche Grenze der Stadt. Allah muss einen guten Tag gehabt haben, als er diese Berge schuf. Doch an der Schönheit der Natur haben sich die Iraner hier kein Beispiel genommen. Teheran ist ein grauer Moloch, der sich im Norden dicht und dichter an die Berge drängt und im Süden in den Weiten der steinigen Wüste verliert. Und alles, was die Stadt an nennenswerten historischen Stätten zu bieten hat, ist ein ehemals zu Ehren des Schahs errichteter Triumphbogen, der insofern symbolisch für Teheran ist, als dass er groß ist, aber nicht schön.

Aber Teheran bietet sich als Drehscheibe für den Iran-Urlaub an. Die Berge im Norden sind teilweise über 5000 Meter hoch und bieten im Winter die seltene Gelegenheit, sich im Mittleren Osten per Schlepplift zur Skipiste ziehen zu lassen. Auf der anderen Seite des Gebirges beginnt das Kaspische Meer mit seinen grünen Ufern. Die Fischer ziehen hier den Stör aus dem Wasser, dessen Kaviar zum wichtigen Exportartikel geworden ist. Und an den Stränden kann der Reisende beobachten, wie der traditionelle Islam und sommerliche Strandkultur aufeinander treffen. Zum Baden gehen die Frauen verhüllt ins Wasser.

In Qom zeigt sich Iran von seiner fundamentalistischen Seite. Für die Schiiten ist die Stadt in der Wüste ein Wallfahrtsort. Es ist das Zentrum der geistlichen Macht. Ajatollah Chomeini agierte hier, und heute lehren und studieren über 50.000 Geistliche aus verschiedenen islamischen Ländern in der Stadt.

Das Kontrastprogramm zu Qom ist Kish, die lustige Ferieninsel der Islamischen Republik. Hier gibt es alles, was das Festland nicht zu bieten hat: Korallenriffe zum Schnorcheln, Motorboote zum Wasserskifahren und vor allem westliche Einkaufsmöglichkeiten. Nirgends sitzt das Kopftuch so locker wie auf Kish-Island. Und abends, wenn die Sonne über dem Persischen Golf untergeht, sehen die Touristen gelegentlich einen der gigantischen Flugzeugträger der US-Navy Richtung Kuweit ziehen.

Die bedeutenden iranischen Städte liegen in unmittelbarer Nähe zu den Bergen. Das ist kein Zufall: Die Gipfel sind teilweise sogar im Sommer schneebedeckt und versorgen die Städte mit Trinkwasser. Kulturelle Hauptstadt des Landes ist Isfahan - die Perle des mittleren Orients.

Ein weiterer architektonischer Höhepunkt des Landes ist die Zitadelle in Bam. Einst wohnten mehrere tausend Menschen innerhalb der Festung, die aussieht wie eine riesige Sandburg. Es heißt, nirgends funkelten die Sterne heller als in der Wüstenoase Bam. Tagsüber betört die Stadt durch ganze Wälder von Palmen und herrlich duftende Eukalyptusbäume.

Nicht selten wird in Taxis, Restaurants oder Läden eine Bezahlung abgelehnt. Das ist nicht wirklich ernst gemeint. Es erklärt sich einfach aus der notorischen Höflichkeit der Perser. Die Iraner sind einfach Weltklasse im Türen-Aufhalten, Einladen und Hilfe-Anbieten. Und wenn die üblichen Umgangsformen mit dem Geschäftlichen kollidieren, werden sie von manchen zumindest so lange aufrechterhalten, bis der Kunde bezahlt.

Kein Reisender sollte es sich entgehen lassen, für ein paar Tage auf eigene Faust durch den Iran zu ziehen. Das Straßennetz ist so übersichtlich, dass es außerhalb der Städte schon schwer wird, sich zu verfahren. Und die Qualität des Asphalts sucht ihresgleichen. Öl und Steine - alles, was man zum Bau einer guten Strasse braucht, haben die Iraner im Überfluss.

Und trotz aller Schönheit von Architektur und Landschaft: Der größte Schatz des Landes ist die Gastfreundschaft der Menschen. Es finden sich immer Leute, die des Englischen mächtig sind. Das Interesse am Fremden ist groß, die Leute sind freundlich, und außerhalb der großen Städte werden Reisende schnell zum Übernachten eingeladen. Und nirgends ist der "Dialog der Kulturen" schöner als bei persischem Tee und einer frisch gestopften Wasserpfeife.