Island Heimat der Trolle und Feen

Island ist Natur pur: saubere, unberührte Flüsse, hoch aufragende Gletscher und Vulkane, Geysire und Lavafelder. Die Insel zwischen Europa und Nordamerika lebt ihr eigenes Leben, weitab von den Geschehnissen der Welt.


Der Gullfoss: Ein atemberaubendes Naturerlebnis
GMS

Der Gullfoss: Ein atemberaubendes Naturerlebnis

Der Wind, der über die grünen Weiden und roten Lavafelder fegt, birgt nur selten Geräusche der Zivilisation. Draußen auf dem Land hört man nichts - außer vielleicht die Brandung des Ozeans, das Geschrei der Möwen, Pferdegetrappel oder das Blöken der Schafe. Nachbarn sind oft einige Kilometer entfernt, nur wenige betonierte Straßen lassen ein rasches Vorwärtskommen zu. Doch Zeit spielt in Island kaum eine Rolle. Der Tagesablauf richtet sich nach der Jahreszeit. Im Sommer, wenn es bis zu 24 Stunden am Tag hell ist, wird bis spät in den Abend hinein gearbeitet. Der Winter hingegen, dunkel und kalt, ist die härteste Zeit für die Menschen.

Nur gut eine Viertelmillion Isländer bevölkern Europas zweitgrößte Insel, die Hälfte davon lebt in der Hauptstadt. Während in Reykjavík eine moderne Konsumgesellschaft entstanden ist, bleibt die Landbevölkerung ihren Traditionen verhaftet. Diese spiegeln sich unter anderem auf der Speisekarte wieder - Fisch und Schaf in allen Variationen, sind sie doch die Hauptnahrungsquellen des Landes. Landwirtschaft wird in Island kaum betrieben, denn der kurze Sommer und der harte, lange Winter lassen eine Ernte kaum zu. Dafür sichern abertausende Schafe auf der Insel vielen Bauern ihr Einkommen.

Nordrand Vatnajökull-Gletscher
Foto: Oliver Abraham

Nordrand Vatnajökull-Gletscher

Den Sommer über weiden die Vierbeiner mit ihren Kuschelpelzen auf den Hochweiden, um dann im September mit viel Tohuwabohu ins Tal getrieben zu werden. Die Wolle wird zu warmen Pullovern verarbeitet. Schafe, Pferde und Ziegen findet man überall auf der Insel, sie streifen nahezu frei umher, nur durch Brandmarken ihrem Besitzer zugeordnet. Nach dem Abtrieb im Herbst werden sie dann aussortiert - natürlich in Form eines großen Volksfestes.

Feste sind beliebt auf dem Land, hat man doch sonst keine Gelegenheit auszugehen und Freunde zu treffen. Ansonsten erzählt man sich Sagen und Geschichten von Helden, Göttern und Fabelwesen. Islands Geschichtenwelt lebt. Trolle und Feen huschen den Berichten nach nachts über Lavafelder und Berghänge und man tue gut daran, ihnen nicht in die Quere zu kommen. Jede Gegend hat ihre eigenen Geschichten, ihre eigenen Helden und Mythen, mit denen Naturphänomene und Traditionen begründet werden.

So ruhig und in sich gelassen Island oft wirkt, die Insel ist immer noch in Bewegung. Hier bestimmt die Natur nicht zu selten das Leben der Menschen - was diese gerne respektieren. Island, die Insel aus Feuer und Eis steckt noch mitten im Erschaffungsprozess. Auf den Westmänner-Inseln, in der unwirtlichen Mondlandschaft am Vulkan Askja oder an der Krafla nahe dem See Mývatn bedeckt junge Lava die Erde. Alle fünf Jahre, so Seismologen, bricht auf Island ein Vulkan aus. Zuletzt war es der Hekla im Süden der Insel, der Ende Februar 2000 ein Feuerwerk aus einer fast sieben Kilometer langen Eruptionsspalte spie.

Mount Hekla: Islands aktivster Vulkan
REUTERS

Mount Hekla: Islands aktivster Vulkan

Gleichzeitig ist Islands Oberfläche zu einem Zehntel vereist. Allein der Vatnajökull-Gletscher ist größer als alle Alpengletscher zusammen. Seine Seen werden von der unterirdischen Vulkanhitze vorm Gefrieren bewahrt. Aus Feuer und Eis geht das dritte Island prägende Element hervor: Wasser. Es existiert in allen drei Aggregatzuständen: flüssig, dampfend oder gefroren. Unvorstellbare Mengen Gletscherschmelzwasser donnern im Sommer den engen Cañon des "goldenen Wasserfalls" Gullfoss hinunter, rauschen den mächtigen Dettifoss oder den von Basaltsäulen gesäumten Svartifoss hinab. Alle paar Minuten schießt kochend heißes, dampfendes Wasser aus dem Geysir Strokkur im Haukadalur und aus dem Sofatarenfeld am Kverkfjöll wabern Dampfschwaden zwischen bizarren Eisblöcken hoch.

Die extremen Gegensätze der Natur vereinen sich auf Island zu einer wunderschönen Kulisse und lassen den Besucher ständig aufs Neue staunen. Prächtige Farbenspiele der Natur, gigantische Gletscher, Vulkane, einsame Atlantikstrände, grüne Berge und heiße Quellen, aus denen Schwefelgeruch dringt, können dem Besucher an nur einem Tag begegnen.



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